Gnadenlose Geschäft mit der Pflege

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doedl
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Beitrag von doedl » Sa 21. Mai 2005, 12:12

Sorry

ich kanns nicht mehr hören.............!!!

Überall- egal in welcher Branche- gibt es sie: die schwarzen Schafe.
Ich komme landauf landab in viele Altenheime und glaube, nach fast 30 Jahren Pflege einen sehr guten Blick für gute und schlechte Heime entwickelt zu haben.

Was mich ehrlich ankotzt, ist die Praxis, verfehlte Gesundheitspolitik einfach nur den "geldgierigen" Altenheimbetreibern in die Schuhe schieben zu wollen.
Wir wissen seit Jahrzehnten, welche Herausforderung an die Gesellschaft durch die demografische Entwicklung anstehen würde. Trotzdem wurde gesundheitspolitisch nur von Wahl zu Wahl gedacht und keinerlei längerfristige und wirksame Maßnahmen entwickelt.

Es ist natürlich wesentlich einfacher, Mißstände nun als Resultat der Geschäftspraktiken von Betreiber hinzustellen, als einzugestehen, dass politisch alles versäumt wurde, was eine vernünftige Altenpflege ermöglicht hätte. Für die Medien immer wieder ein dankbares Thema, um Frühlings- Sommer- Herbst und Winterlöcher zu stopfen. Ohne jegliches Wissen um die Hintergründe wie z. B. das Vertragswesen etc. werden publikumswirksame Statements verfasst.

Nun kenne ich nicht nur die Altenpflege, sondern auch die betriebswirtschaftlichen Hintergründe; wenn ich solche Äußerungen zu Investitionskosten und Offenlegung von Bilanzen lese, kann ich nur den Kopf schütteln.

Investitionskosten sind Bestandteil des Pflegesatzes- hängen unmittelbar mit der Miete für die Immobilie- oder dem Unterhalt für die Immobilie zusammen. Nur weil ein Haus abgerissen wird, bedeutet das ja nicht zwangsläufig, dass deshalb die Miete für das Objekt nicht mehr gezahlt werden muss....!! Unterschiedliche Investitionskosten sind ebenfalls leicht erklärt- einige Bauprojekte wurden staatlich gefördert- können also niedrigere Sätze anbieten als nicht -geförderte Bauten.

Bilanzen von GmbH s- und das ist die häufigste Geschäftsform von Altenheimen- müssen veröffentlicht werden, siehe HGB § 325; einzureichen bei den jeweiligen Registergerichten, wo die GmbH ihre Registernummer erhalten hat. Also was soll das Rumgeschreie nach Gesetzen, die es doch schon gibt?

Überteuerte Preise?? Wie soll das gehen? Die Preise werden in der Pflegesatzverhandlung mit den Vertretern der Krankenkassen und des Sozialhilfeträgers festgelegt und sind bindend.

Abschließend möchte feststellen: Die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens ist politisch gewollt! Marktwirtschaft funktioniert nach anderen Gesetzen als staatliche Fürsorge; unsere Politik kann sich nicht einerseits aus der staatlichen Fürsorge mehr und mehr zurück ziehen, andererseits aber anprangern, dass Dienstleistungsbetriebe mit ihrer Dienstleistung auch Geld verdienen wollen.

Wenn ich heute mit der Dienstleistung eines Heimes nicht zufrieden bin, kann ich jederzeit ein anderes Haus wählen. In den letzten 10 Jahren wurden genug Heime gebaut und die Kunden haben heute die Wahl! Qualitätiv schlechte Häuser werden von alleine sterben; auch ohne große Auflagen von Aufsichtsbehörden. Weil in der Vergangenheit keine Alternativen für die Pflegebedürftigen bestanden, konnten schwarze Schafe getrost weiter machen; es gab halt schlichtweg keine Pflegebetten. So wurden Schließungsandrohungen wieder zurück genommen......... auch eine Taktik.

Mein Eindruck der Altenpflege ist ein anderer als dieses undifferenzierte Opportunistengeschrei vermittelt!


Lieben Gruss

Doedl

http://www.temporaire.info


Wir müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen wollen- Mahatma Gandhi

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Beitrag von doedl » Do 26. Mai 2005, 11:06

Hallo Trance

ich hab hier einen Original- Heimvertrag vorliegen; zitiere

"Der Bewohner kann den Vertrag spätestens am dritten Werktag eines Kalendermonats zum Ende dieses Monats kündigen...........Der Bewohner kann den Vertrag aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen, wenn ihm die Fortsetzung des Vertrages bis zum Ablauf der Kündigungsfrist nicht zuzumuten ist" Quelle BPA Heimvertrag

Ich kann nur hoffen, dass betroffene Bewohner ihre Rechte kennen und davon Gebrauch machen.

Lieben Gruss

Doedl

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