Der wahre Pflegenotstand ? Die wirkliche Pflegekatastrophe ?

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olafohl
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Der wahre Pflegenotstand ? Die wirkliche Pflegekatastrophe ?

Beitrag von olafohl » So 1. Dez 2002, 22:46

Der wirkliche Pflegenotstand - Die wahre Pflegekatastrophe ?

Hallo .-) einfach mal auf Verdacht hier reingeschaut und was dagelassen.... Mein "Brüderchen" meint viel zuviel Text und zu kompliziert für Altenpfleger... *lach* Trotzdem !!!

Wünsche / Forderungen an die „Pflege“
Pflege meint hierbei sowohl den einzelnen Menschen, die einzelne Pflegekraft, richtet sich jedoch auch an die Verantwortlichen, jene die sich in den Führungspositionen befinden. Denn jene Führungskräfte beeinflussen in ihren Positionen nicht unerheblich die Pflege.

1.
Überprüfung des Menschenbildes
2.
Überprüfung ( Erarbeitung ? ) eines Pflegeleitbildes welches die Pflegekraft berücksichtigt, mit berücksichtigt
3.
Förderung der Selbstpflege, Selbstklärung der Pflegekräfte
Demokratisches, mitverantwortliches Verhalten, Tun will gelernt sein.... kann nicht „verordnet“ werden...
4.
„Aufweichung“ hierarchischer Strukturen zugunsten einer Holarchie
(Demokratisierung der Pflege)

Zu Punkt 1
Überprüfung des Menschenbildes:

Eine Überprüfung des Menschenbildes scheint mir derzeit zwingend erforderlich da dieses im großen Maße das Miteinander bestimmt,
und zwar sowohl im Verhalten zwischen
Führungskraft zu Mitarbeiter
Mitarbeiter zu Mitarbeiter als auch
Mitarbeiter zu Bewohner.
In all diesen Begegnungen ist ein gemeinsamer Nenner vorhanden, es begegnen sich Menschen ! Menschen die ein bestimmtest Weltbild, Menschenbild in sich tragen. Dieses Bild bestimmt maßgeblich die Qualität der Pflege. Grundsätzlich hat jeder Mensch, aufgrund seiner Individualität, sein eigenes Welt- Menschenbild, jedoch soll es hier auf 2 sehr grobe reduziert sein.

Das „negative, destruktive“ Menschenbild
Der Mensch ist :
dumm,
faul,
boshaft,
gefährlich,
eigennützig,
egoistisch,
nur auf sich, auf seinen Vorteil bedacht
selbstbezüglich
„Ich-zentriert“
nicht vertrauenswürdig
...

Der daraus resultierende Umgang miteinander lässt sich meiner Meinung nach wie folgt beschreiben ;

kontrollierend,
überwachend,
maßregelnd,
verordnend,
antreibend,
...

Dieses Menschenbild und die aus ihm resultierenden Umgangsformen sind, meiner Ansicht nach, die wahre Katastrophe, der wirkliche Pflegenotstand ! Denn sie zerstören, bzw. verhindern was wahrhaft erforderlich wäre um qualitativ hochwertige Pflege zu ermöglichen, und ich meine Pflege und nicht Verwahrung und Versorgung...

Pflege wird von Menschen geleistet nicht von Maschinen !!!

Pflege ist Bezugspflege – Beziehungspflege –
sprich wir pflegen Menschen...
arbeiten mit Menschen
und nicht am Menschen...

Pflege erfordert Menschen, Menschen die sich in ihrer Gesamtheit einbringen, die gewillt und befähigt sind zur offenen Begegnung...
Die gewillt und befähigt sind in Beziehung zu treten... In Beziehung treten erfordert jedoch ein Gegenüber... Klarheit in der Zielsetzung, Selbstklärung, Selbstpflege...

Auch erfordert in Beziehung treten Vertrauen in sich und den „Anderen“

Doch in was und wen soll hier, in diesem Menschenbild,
vertraut werden ? Aus meinem Verständnis heraus erfordert dies Vertrauen an erster Stelle Selbstvertrauen, Vertrauen in sich Selbst, denn wie soll ich anderen vertrauen wenn ich nicht einmal mir selbst
vertraue ? Doch woher dieses Selbstvertrauen nehmen, wie soll es „wachsen“ wenn einem immer wieder vermittelt wird man sei nicht guten Willens, man sei faul, nur auf seinen Vorteil bedacht, egoistisch, nicht vertrauenswürdig... „mit einem Stimme etwas nicht“

Dieses „mit dir stimmt etwas nicht“, Du bist nicht guten Willens, führt zu einer tiefen Verunsicherung, wobei es unerheblich ist ob dies Gefühl eine subjektive oder objektive Wahrnehmung ist,
es ist eine Wahrnehmung !!!


Diese Wahrnehmung hat auf den unterschiedlichen Ebenen der Pflege Konsequenzen:
Mitarbeiter :
Diese Verunsicherung :
führt dazu das keine Verantwortung übernommen wird , eigenständiges, eigenverantwortliches handeln wird vermieden.
Wo jedoch keine Eigenverantwortung da sind immer die anderen Schuld... die Kollegen, die Führungskräfte, der MDK, ... ... ... Eigenverantwortlichkeit und Mitverantwortlichkeit werden nicht wahrgenommen ... ...

Sich trauen braucht Vertrauen !

führt zu einer inneren Anspannung welche zur Folge hat das der Mitarbeiter häufiger „Fehler“ macht, sei es dadurch das er falsche Entscheidungen trifft oder aber ,so meine ich viel häufiger vorkommt, keine Entscheidungen trifft...

Führungskräfte :
Haben im doppelten Sinne an diesem Menschenbild zu „knappern“. Erst einmal sind sie von dieser Verunsicherung selbst betroffen , geben diese Verunsicherung jedoch auch an ihre Mitarbeiter bewusst oder unbewusst weiter...
Durch ihr Verhalten wird der Mitarbeiter in seinem „Menschenbild, seinem Weltbild, seinem Selbstbild bestätigt oder aber widerlegt...
Allein dieser Umstand zeigt auf in welchem besonderen Maße Führungskräfte gefordert , gelegentlich auch überfordert sind. Bei Ihnen liegt eine hohe Verantwortung, bei aller Eigenverantwortlichkeit des Mitarbeiters, denn ihrer Position liegt es inne zu führen, zu leiten...
Führungskräfte weisen eine Vorbildfunktion auf, in gewissem Sinne sollten sie ihren Mitarbeitern immer einen Schritt voraus sein.
Das meint nicht das Führungskräfte alles Wissen alles Können müssen, dies wäre unmenschlich, jedoch müssen sie Wesentliche Befähigungen erfüllen...

Dies Wesentliche meint :
· Sie müssen sich ihrer Motivation klar sein, ja sie müssen eine besitzen ...
und diese darf sich nicht darauf beschränken ihre Position zu sichern... Froh darüber zu sein nun aus der unmittelbaren Pflege heraus zu sein...
· Sie müssen motivieren können...
Sie, ihre Position und letztendlich auch ihre Person müssen andere ,ihre Mitarbeiter, bewegen sich zu bewegen und zwar auf ein gemeinsames Ziel hin...
Sie müssen ein Motiv , ein Leitbild, ein Ziel, haben...
dieses anderen, ihren Mitarbeitern, vermitteln können...
sie davon überzeugen... überzeugen das es erreichbar ist...
das es sich lohnt sich darauf hin zu bewegen...
· Sie müssen teamfähig sein...
Dies im doppelten Sinne ... Sie müssen befähigt sein ein Team zu bilden... zusammen zu halten ... und Teil desselben zu sein ...
· Sie müssen, sind gefordert, sich Grundkenntnisse in Kommunikationspsychologie anzueignen.... und in ihr tun einzubringen ...
Dies erscheint mir erforderlich da ihr Tun im wesentlichen mit Menschen stattfindet, und hierbei ist verstehen elementar....
Aktives zuhören ... um zu verstehen, zu erkennen, was bewegt...
was „stört“ ....
Bewusstheit in der Klärung der „Informationsebenen“
(Sachebene – Beziehungsebene – Selbstoffenbarungsebene - Appellebene / Schulz v. Thun „Miteinader Reden“)
...
· Über eine grundsätzliche fachliche Kompetenz verfügen...
· Sie sind im besonderen Maße gefordert, da sie letztendlich eine Vielzahl von Individuen bewegen sollen ein gemeinsam benanntes Ziel zu erreichen... Hierbei, ist ,so glaube ich, ein gewisser Rückhalt seitens der Mitarbeiter erforderlich... Dieser Rückhalt braucht nicht zwingend vorhanden sein, jedoch muss er erarbeitet werden, darf er keinesfalls ausgeschlossen sein...

Allgemein lassen sich die Auswirkungen
des destruktiven Menschenbildes
auf die „Arbeitswelt“ / das „Arbeitsklima“ wie folgt zusammen fassen :

· Entmündigung , „Entverantwortlichung“ der Mitarbeiter
Bedingt durch mangelndes Vertrauen, mangelnde Verantwortlichkeit, sowohl in dem Sinne das sie nicht gegeben wird aber sie wird auch nicht genommen !
· Verunsicherung der Mitarbeiter
Kontrolle, Überwachung, Maßregelung,
· Verängstigung der Mitarbeiter
Angst vor Fehlern, vor Entlassung, Demütigung, „Entlarvung“, ...
· Demotivation der Mitarbeiter :
Obengenanntes „Menschenbild“ führt beim Mitarbeiter dazu das er meist anfangs versucht dies zu wiederlegen, dann jedoch resigniert, seine Motivation verliert und es so dann „bestätigt“
( Selbsterfüllende Prophezeiung )
Diese Demotivation hat des weiteren den Rückzug des Mitarbeiters aus der Arbeitswelt zur Folge

Rückzug der Mitarbeiter :
Die „Funktionalisierung“ des Mitarbeiters, seine „Entmenschlichung“, seine nicht Anerkennung als Individuum führt dazu das er sich aus der „Arbeitswelt“ zurückzieht, sich entidentifiziert in Bezug auf seine Arbeit...

In einem gewissen Sinne gibt er sein Mensch sein , seine Individualität, bei Dienstantritt ab und wird zur „Pflegemaschine“ , funktionalisiert in seinem Tun... Er wird zum Verwahrer und Versorger ... Da der Mensch jedoch nicht Maschine ist sondern Mensch, sein Mensch sein, seine Individualität, nirgendwo abgeben kann wird er permanent mit der nicht Anerkennung seines Mensch seins, seiner Individualität, konfrontiert... Diese Konfrontation hat zur Folge das der einzelne Mitarbeiter immer wieder versucht sein Mensch sein einzubringen... je öfter er jedoch die nicht Akzeptanz, die nicht Anerkennung erfährt desto wahrscheinlicher ist das er „entflieht“ ...


Folge :
· Quantitative und qualitative Verminderung der Arbeitskraft...
Bedingt durch Gleichgültigkeit, Interesselosigkeit, mangelnde Selbstständigkeit, mangelnde Eigenverantwortlichkeit, ...
· Erhöhte Ausfallzeiten der Mitarbeiter ...
· Hohe personelle Fluktuation...
· Frustration der Mitarbeiter
Frustration entsteht aus meiner Sicht durch folgende Umstände :
· Nicht Anerkennung des Mensch seins, der Individualität des Mitarbeiters
· Funktionalisierung der Pflege, Reduzierung der Pflege auf verwahren und versogen ... hierdurch, empfindet der Mitarbeiter sein tun als sinnlos, sinnentleert ...
· ....

Folge der Frustration :

· Aufbau von Aggressionen...
Aggression ist letztendlich das Resultat von Überforderung und Frustration des Mitarbeiters...
Diese Aggressionen äußern sich auf unterschiedliche Weise :

Aggressionen gegenüber dem Bewohner :

Verdeckte Aggressionen - Verweigerung
· Nicht Erfüllung von Bedürfnissen, Wünschen
nicht reagieren auf klingeln, Äußerungen von Bewohnern,
nicht durchführen von Toilettengängen, etc.
· Mangelnde Sorgfaltspflicht bei pflegerischen Maßnahmen (Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr, Lagerung, Grundpflege, Wundversorgung, „Krankenbeobachtung“ ...)
· Gleichgültigkeit, Interesselosigkeit
Bewohner die durchaus befähigt wären zu gehen, bzw. wieder gehen „lernen“ zu können werden im Rollstuhl transportiert... mobilisierende und aktivierende Pflege findet so gut wie nicht statt ...
· Begegnung sowohl verbale als auch nonverbale wird vermieden, auf ein Minimum reduziert und diese dann meist auch funktionalisiert


Man spricht zwar miteinander ... über das was getan werden muss ... aber darüber hinaus ... Berührung, körperlicher Kontakt, findet in der Regel auf einer funktionellen Ebene statt...
· ...

Offene Aggressionen :
· Abwertende Äußerungen über Bewohner unabhängig ob diese Anwesend sind oder nicht, wobei deren Anwesenheit eine Verstärkung dieser Aggression bedeutet ...
· Beschimpfung, Erniedrigung, Demütigung von Bewohnern ...
· Nicht Achtung des Mensch seins, der Individualität des Bewohners
Unabhängig seines Alters, seiner körperlichen Verfassung, seines intellektuellen Standes hat ein Mensch das ihm angeborene Recht mit Würde und Respekt behandelt zu werden.
Dieses Recht verwirkt er weder durch Krankheit noch durch Alter....auch ein Dementer, ein Harn- oder Stuhlinkontineter, ... ist immer noch Mensch ...

Doch wie soll man geben was man nicht hat, nicht bekommt ???

· ...
· Körperliche Gewalt ...


Aggressionen gegenüber Mitarbeitern, Kollegen, Führungskräften,
„dem Arbeitsplatz“

Aggressionen :
· „Versschleppen“ des Arbeitsbeginns...
· Nicht Einbringung der Arbeitskraft...
· Respektloser, achtloser Umgang mit Arbeitsmaterialien, „Eigentum des Hauses“ ...
· Entwertung der Arbeit anderer Kollegen... – Zwecks Aufwertung der eigenen Arbeit ?
· Üble Nachrede, streuen von Gerüchten, ...
· Verletzende, abwertende, Äußerungen über Kollegen den Arbeitsplatz, Vorgesetzte, ...
· ...

Wesentlich erscheint mir dass diese „Erscheinungen“ nicht als Bestätigung des destruktiven Menschenbildes zu verstehen sind, sondern als „Symptomenkomplex“ dieses destruktivern Menschenbildes, sie sind nicht Ursache sondern Folge desselben !

Deswegen erscheint mir eine Überprüfung des Menschenbildes zwingend erforderlich... Denn dieses, unser Menschenbild, ist Fundament all unser Denken, Fühlens und Tun beruht auf ihm.

Dies mag dem einen oder anderen zu theoretisch, zu philosophisch, erscheinen, mir scheint es jedoch Elementar ! Es ist Fundament, der „Mörtel“ der alles zusammen hält, zusammen halten sollte ...

Zu dieser Überprüfung ist jeder aufgefordert, im besonderen jedoch jene die Menschen bewegen wollen ...

Mögliche Klärungshilfe :
Schreiben sie einmal 20 Minuten ohne abzusetzen, ohne Unterbrechung
Der Mensch ist ....
( ??? einzigartig, individuell, mitfühlend, egoistisch, dumm, faul, etc. ???)
Versuchen Sie so wenig wie Ihnen möglich ist nachzudenken, schreiben Sie einfach was Ihnen in den Sinn kommt.... reflektieren, Hinterfragen Sie nicht, schreiben Sie ! ... der Mensch ist ... !!!

Wenn Sie dies getan haben gönnen Sie sich eine kleine Pause ... erst danach schauen Sie sich an was Sie niedergeschrieben haben ... und machen Sie sich folgendes bewusst :
· Vor ihnen liegt IHR Menschenbild, IHRE Ansichten, Überzeugungen, Einstellungen, ... wie, was, der Mensch ist ...
· Da Sie selbst Mensch sind, weist IHR Menschenbild auch auf IHR Selbstbild hin, also auf IHRE Überzeugungen, Ansichten, Einstellungen bezüglich ihrer EIGENEN PERSON ...

Ist dieses Menschenbild :
· Positiv / Konstruktiv ?
oder eher
· Negativ / Destruktiv ?

Seien Sie sich gewahr das dieses Bild, welches Sie in sich tragen, IHREN Umgang mit sich Selbst und Anderen bestimmt, wie sie auf andere eingehen, auf diese zugehen, an sich heranlassen, ... inwieweit IHNEN ein Miteinander möglich ist ... und zwar bewusst oder unbewusst ...

Dieses Menschenbild / Selbstbild ist IHRE Motivation ...
Zu Punkt 2.
Überprüfung ( Erarbeitung ? )
eines Pflegeleitbildes
unter Miteinbeziehung des Mitarbeiters :

Das Pflegeleitbild ist, sollte, die Grundlage unserer Tätigkeit sein, es gibt, sollte Auskunft geben, über unser Leitbild, unser Motiv, unsere Motivation, unsere Einstellungen und Vorstellungen bezüglich Pflege. Was wir unter Pflege verstehen, verstanden wissen wollen...

Motiv - Motivation
Bild - Vorlage - Vorstellung – Leitbild - Vision – Perspektive – Ziel

Welchem Motiv folgen wir im ?
Welche Vorstellungen, Perspektiven sind da ?
Wohin soll es gehen ?
Wie will ich, wir, pflegen ?

Dies „Pflegeleitbild“ wird allen Mitarbeitern, Bewohnern, Angehörigen von Bewohnern ausgehändigt, hängt in den meisten Häusern, Stationen, Wohnbereichen aus ... doch das bloße aushängen, aushändigen des Pflegeleitbildes scheint mir nicht zu genügen ... Es scheint mir zwingend erforderlich das es verstanden, verinnerlicht wird und zwar von jedem Mitarbeiter ... es muss/sollte ein gemeinsamer Konsens über den Inhalt des Pflegeleitbildes bestehen ...
Dieses Verständnis, diese Verinnerlichung, muss/sollte überprüfbar sein, sowohl in seiner Gesamtheit als auch bezogen auf den Einzelnen ...

Provokativ gesagt es genügt nicht dafür Sorge zu tragen das Pflegeleitbilder ausgehändigt, ausgehängt werden damit diese gelesen, ja vielleicht sogar auswendig gelernt werden, sondern es ist auch erforderlich dafür Sorge zu tragen das sie verstanden, verinnerlicht werden ... Dieses verstehen, verinnerlichen, meint vor allem jene die mit ihm arbeiten sollen ... Es nützt der Pflege rein gar nichts wenn Pflegeleitbilder, mögen sie auch noch so schön sein, erarbeitet werden in „Gremien“ und in diesen eine Übereinstimmung gefunden wird, ja ein verstehen, ein verinnerlichen, desselben stattfindet, und dieses Pflegeleitbild auf den Fluren von Mitarbeitern nicht verstanden, nicht verinnerlicht, nicht getragen wird...

Auch muss/sollte ein Pflegeleitbild überprüfbar sein, einer Überprüfung standhalten ... und zwar nicht einmalig sondern permanent ...
Diese Überprüfung sollte in der täglichen Pflege geschehen und zwar nicht im Sinne eines Kontrollierens und Überwachens sondern im Sinne eines Hinterfragens, Klärens ... im Sinne eines gemeinsamen offenen Dialoges ...

Wie jede Pflegeplanung so sollte auch das Pflegeleitbild in regelmäßigen Abständen überprüft werden , einem Pflegeprozess unterworfen sein, in dem geklärt wird :

Welche Punkte des Pflegeleitbildes
werden „gelebt“ sind verstanden verinnerlicht
Haben wir Ziele erreicht ?

Wenn Ja...
· Welche
· Warum haben wir es/sie erreicht...
Weist auf Ressourcen hin die genutzt werden können ...
· Woran erkennen wir das wir es/sie erreicht haben
Wenn Nein...
· Warum nicht
Problem erkennen und benennen ...
· Welche Ressourcen stehen uns zur Verfügung
Was steht bereits zur Verfügung und wird nicht genutzt ...
· Welche „Hilfsmittel“ benötigen wir ...
z.B. fehlende Qualifikationen, Supervision, ...
· Woran werden wir erkennen das wir es/sie erreicht haben

Ein Pflegegleitbild sollte derart gestaltet sein das es in seinem Wesentlichen anwendbar und überprüfbar ist !

Dieser Prozess des Anwendens und Überprüfens erfordert jedoch die Miteinbeziehung eines jeden Mitarbeiters, da dieser allein durch sein Tun, sein anwenden, das Pflegeleitbild tagtäglich überprüft, bestätigt oder aber wiederlegt ...

Was die Miteinbeziehung des Mitarbeiters in das Pflegeleitbild betrifft würde ich persönlich sogar noch einen Schritt weiter gehen...

Inzwischen hat in fast alle Pflegeleitbilder ein „Satz“ Einzug gehalten, jene Pflegeleitbilder die ich kenne haben ihn meist an erster Stelle stehen....

Im Mittelpunkt steht der Mensch,
wir achten, respektieren und würdigen seine Individualität


Sich diesem „Pflegeleitbildsatz“ anzuschauen ihn zu überprüfen ohne emotional zu werden ist, mir, fast unmöglich ... trotzdem möchte ich es versuchen ... sachlich ... soweit es mir möglich ist ...

Im Mittelpunkt steht der Mensch ...
Nun gut, da wäre erst einmal zu klären :

· Wer ist das eigentlich - „der Mensch“ - der da im Mittelpunkt steht
a) Der Mensch im allgemeinen, also alle Menschen
oder
b) Der Bewohner, allgemein, also alle Bewohner
oder
c) ....

· Was macht ihn zu dem was im Mittelpunkt steht
Was macht sein Mensch sein aus ...
a) Seine Persönlichkeit, seine Individualität
b) sein Denken – Ich denke also bin ich ?
c) sein Fühlen
d) Seine Befähigung zur Kommunikation, zum Austausch, zum in Kontakt treten, mit seiner Außenwelt
e) Vitalfunktionen , Atmung, Herzschlag, Ausscheidung, ...
f) ....

Ja, ich höre es... alles bloße Theorie ... Philosophie .... jedoch macht es aus meiner Sicht wenig Sinn in den nächsten Baumarkt zu stürzen, sich Steine und Mörtel zu besorgen, und munter drauf los zu bauen ... nach dem Motto „Wird schon gut gehen“ und wir sind ja alle guten Willens... Dies bestreite ich ja auch grundsätzlich nicht .. Gutes wollen wir alle ... doch es geht nicht um das Wollen sondern um das Können ... und dies bedarf eines Fundamentes ..., eines Grundverständnisses ...

Im Mittelpunkt steht also der Mensch ...
wir achten, respektieren, würdigen seine Individualität ...

Individualität ?
· Was ist das
· Was macht sie aus
· ...

· Meint Individualität die Einzigartigkeit eines jeden Menschen ...
und worauf liegt hierbei die Betonung auf Einzig oder artig ?
· Bezieht sich Individualität auf die einzigartige Lebensgeschichte eines jeden einzelnen Menschen – sein Sein, sein geworden sein ?
· ...

Gehen wir einfach mal davon aus das tatsächlich der Mensch, im allgemeinen gemeint ist, also alle Menschen, denn so ist es in den Pflegeleitbildern niedergeschrieben ... des weiteren das wir die Individualität aller Menschen achten, respektieren und würdigen ...
Sei es so .. tun wir mal so als hätten wir einen gemeinsamen Konsens gefunden... auf zur Überprüfung !

Da das Pflegeleitbild von „dem Menschen“ spricht gilt es diese Überprüfung , meiner Ansicht nach, wenigstens in 2 Abschnitte zu unterteilen ... denn auch der Mitarbeiter ist Mensch...

Nur um mögliche Missverständnisse
gleich vorweg aus dem Wege zu räumen
letztendlich muss/sollte immer der Bewohner maßgebend sein,
aber da der Mitarbeiter auch Mensch ist
muss er mitberücksichtigt,
mit einbezogen werden ... !


Im Mittelpunkt steht der Mensch / „Bewohner“
wir achten, respektieren, würdigen seine Individualität ...
überprüfen wir einmal diesen „Teilaspekt“ ....

Ist dies gegeben ? Wird es gelebt ? Wurde es verinnerlicht, verstanden ?
NEIN... !!!
Ich möchte versuchen dies Nein zu begründen... zu belegen ...

· Die Individualität eines Menschen äußert sich unter anderem in seiner Art sich zu kleiden...
Frage : Sind Jogginghosen ein individuelles Grundbedürfnis fast jedes älteren Menschen / Bewohners ?
· Die Individualität eines Menschen äußert sich auch in seiner Art zu wohnen, sein Umfeld zu gestalten...
Die Begutachtung der meisten Bewohnerzimmer und die daraus resultierende Erkenntnis bedarf , so glaube ich, keines weiteren Kommentars ... individuell .. eher nicht ...
· Die Individualität eines Menschen äußert sich auch in der Gestaltung seines Tagesablaufes ...
Wann steht er auf, Einnahme der Mahlzeiten, Wann geht er zu Bett, Was macht er mit der Zeit „dazwischen“ , ...
Wie individuell ist diese Gestaltung , welcher individuelle Rahmen ist im „alltäglichen Alltag“ in der Pflege gegeben ?
Wo anfangen ?
Aufstehen ...
Grundsätzlich kann jeder Bewohner aufstehen wann er will vorausgesetzt er „versorgt“ sich selbst – hält sich an den „Dienstplan“ , seine Individualität stimmt überein bzw. passt sich den Erfordernissen des Hauses an ...
Einnahme der Mahlzeiten...
In der Regel sind Frühstück, Mittag, Kaffee, Abendbrot, sowie Zwischenmahlzeiten (für Diabetiker ! ) klar reglementiert ... von einer möglichen Auswahl (Speisekarte) ganz zu schweigen ...
Zu Bett gehen...
Grundsätzlich kann jeder Bewohner zu Bett gehen wann er will vorausgesetzt er „versorgt“ sich selbst – hält sich an den „Dienstplan“ , seine Individualität stimmt überein bzw. passt sich den Erfordernissen des Hauses an ...
Die Zeit dazwischen...
Die meisten „Bewohner“ verbringen diese Zeit damit auf die nächste Mahlzeit zu warten,... darauf das der Tag vergeht... sich der Sinnlosigkeit ihres Daseins bewusst zu werden... „nervt“ Mitarbeiter durch beständiges klingeln / rufen und der Äußerung absonderlicher Wünsche ...
· Aus meinem Verstehen heraus ist ein wesentliches Grundbedürfnis eines jedes Menschen Kommunikation... zwischenmenschliche Begegnung ... Begegnung, Austausch von Mensch zu Mensch auf gleicher Ebene ...
Inwieweit ist dies gegeben ? Ist es nicht eher so das Kommunikation meist von oben herab geschieht ? Haben „Gespräche“ zwischen Mitarbeitern und Bewohnen nicht all zu oft eher den Charakter von verhören ? Dienen sie nicht eher der „Krankenbeobachtung“ als der wahren Kommunikation ? ...
Wo findet Kommunikation statt ?
Im vorbeigehen... bei der Grundpflege... vor, nach, zu den Mahlzeiten, meist selbst dann noch in Verbindung mit einer „nützlichen“ Aufgabe ... In der Regel findet sie „nebenbei“ statt ...
· ...

Im Mittelpunkt steht der Mensch / Bewohner wir achten, respektieren, würdigen seine Individualität ... Mir scheint dieser Satz ,der in fast allen Pflegeleitbildern an erster Stelle steht, ist nicht erfüllt ...
Wird, wurde, in seinem wesentlichen nicht verstanden, nicht verinnerlicht...

Die Frage ist warum nicht ?
Was macht es uns unmöglich den Menschen in seiner Individualität zu würdigen, zu achten und zu respektieren ?

Diese Frage scheint mir für die Pflege, wahre Pflege, essentiell !

Die Auseinandersetzung damit hat mich zu 2 Punkten , Fragen, geführt....

1. Inwieweit ist eine Würdigung des Mensch Seins, der Individualität, überhaupt möglich in einem Pflegeprozess der letztendlich funktionalisiert ist... in einem Tagesablauf welcher straff durchorganisiert ist ... Wo sind „Freiräume“...

Ist es nicht so das Pflege bestens durchorganisiert ist sowohl zeitlich als auch funktionell ?
Um die medizinische Versorgung kümmern sich die Pflegefachkräfte,
die grundpflegerische Versorgung erledigen die Pflegehilfskräfte, ...
das zwischenmenschliche überlassen wir meist „Experten“ ...
Beschäftigungstherapeuten zum Beispiel ...



Alles ist bestens durchorganisiert, bestens funktionalisiert....
Und was nicht funktionell ist, nicht organisiert ist wird in entsprechenden Qualitätszirkeln „geregelt“ ... und dann als Qualitätsstandard „weitergegeben“ ...

Nur zur Klärung ich sage nicht lasst uns munter drauf los pflegen...
auch behaupte ich nicht wir bräuchten keine Organisation, unsere Arbeit dürfte nicht funktionell sein ...

Jedoch glaube ich das es eine Unterscheidung gibt, geben sollte, zwischen
Regelung und Reglementierung
sowie zwischen
funktionieren und funktionalisieren...

Im Mittelpunkt steht der Mensch / Bewohner wir achten, respektieren, würdigen seine Individualität ... Dies ist aus meinem Verstehen heraus grundsätzlich nicht gegeben... jedoch ist die Frage warum nicht ?
Sind wir die Pflegenden :
· nicht guten Willens...
· ist uns der Mensch gleichgültig,
· haben wir kein Interesse an der Individualität des Einzelnen,
· wünschen wir uns eine funktionalisierte, straff durchorganisierte „Arbeitswelt“
· ...

Dies kann und mag ich mir nicht vorstellen, auch widerspricht es dem erlebten, ! Wir, die Pflegenden sind guten Willens, der Mensch und seine Individualität sind uns wesentlich, wir haben kein Interesse daran die Pflege zu funktionalisieren, zu entmenschlichen, zu mechanisieren....
...
und doch ist die „Durchsetzung“ dieses einen „Satzes“
Im Mittelpunkt steht der Mensch wir achten, respektieren, würdigen seine Individualität ...
bis zum heutigen Tage nicht wirklich verwirklicht !


Mich hat es dazu geführt diesen „Satz“ noch einmal anzuschauen und einen anderen „Teilaspekt“ zu betrachten :

Im Mittelpunkt steht der Mensch / „Mitarbeiter“ ,wir achten, respektieren, würdigen seine Individualität ...

Ist dies gegeben ?
Ich sage NEIN !
Dies Nein führt zu folgender Frage / Feststellung :

2. Kann verstanden, verinnerlicht, gelebt werden was nicht erfahren, nicht erfahrbar, nicht erlebt, gelebt, wurde / ist ...

Im Mittelpunkt steht der Mensch, wir achten, respektieren, würdigen seine Individualität ...

Dieser eine „Satz“ ist von so grundlegender Bedeutung für die Pflege, wird von den Pflegekräften letztendlich bewusst oder unbewusst tagtäglich überprüft... wenn er dann keine Bestätigung erfährt... keine Erfahrbarkeit, kein Erleben, dessen stattfindet ...

Auch ist die Pflegekraft, der Mitarbeiter, auch Mensch, Individuum, er bringt sein Mensch sein, sein geworden sein mit ein, in die Pflege... bewusst oder unbewusst ... Dies geworden sein... seine Ansichten, Überzeugungen, seine „Glaubensmuster“ über die Welt, sich, die Menschen fließen mit ein... sein Weltbild, Menschenbild bestimmen maßgeblich die Qualität seiner Arbeit, seines Pflegens ...

Hierzu möchte ich klar stellen ich bin mir durchaus bewusst das Pflege „arbeit“ ist, Pflegeinstitutionen sind nicht dazu geschaffen ihre Mitarbeiter zu therapieren ...

Andererseits ist die Frage ist der Mensch , der hier als Mitarbeiter, als Pflegekraft in Erscheinung tritt überhaupt qualifiziert Pflege zu gewährleisten ? Sind die Vorstellungen, Überzeugungen dieses Menschen in einem Konsens mit dem was wir unter Pflege verstehen ... Wenn Ja ... freuen wir uns ... wenn Nein ... ein nicht einstellen, ein nicht beschäftigen dieses Menschen wäre die einfachste, naheliegendste „Lösung“ jedoch genau hier liegt das Dilemma...


Allein um diesen einen“ Satz“
Im Mittelpunkt steht der Mensch, wir achten, respektieren, würdigen seine Individualität ... zu gewährleisten, institutionell zu gewährleisten bedarf es eines positiven, konstruktiven Menschenbildes... ich befürchte die naheliegendste Lösung führt zu einem personellen Problem ...

Wer verfügt über ein positives, konstruktives Menschenbild, welches ja auch Selbstbild ist... Wo wird es gelebt, erlebt, vermittelt, erfahrbar gemacht... ?

Wollte ich ausschweifen würde ich von „der Gesellschaft“ anfangen... will ich aber nicht .... auch die vielzitierte, immer wieder berufene Eigenverantwortlichkeit möchte ich mir jetzt „ersparen“ ...
...


Zu Punkt 3.
Förderung der Selbstpflege, Selbstklärung des Mitarbeiters
Demokratisches, eigenverantwortliches mitverantwortliches
Verhalten, Tun, will gelernt sein....
kann nicht „verordnet“ werden...

Pflege erfordert aus meinem Verständnis heraus eine Vielzahl von Qualifikationen, Befähigungen, die Anforderungen an das Pflegepersonal sollten nicht unterschätzt werden.... erst recht sollte keine der erforderlichen Befähigungen als „Gott gegeben“ betrachtet werden ... nicht, nicht überprüft werden ...

Qualifizierte Pflege kann nur von qualifizierten Pflegekräften gewährleistet werden ! Qualifiziert meint hierbei nicht , nicht nur , den Ausbildungsstandard (examiniert / nicht examiniert) der Pflegekraft sondern auch die Berücksichtigung der individuellen Befähigungen der einzelnen Pflegekräfte ... meint auch Entwicklung, Förderung, von Eigenverantwortlichkeit, Selbstklärung, Selbstpflege, Teamfähigkeit, Teamentwicklung, ...


Anforderungen an Pflegekräfte
Qualifizierung von Pflegekräften:

· Bereitschaft zur Selbstpflege und Selbstklärung
Dieser Punkt steht nicht ohne Grund an erster Stelle, da er aus meinem Verstehen heraus, Fundament qualifizierter Pflege ist, Selbstpflege und Selbstklärung sind essentiell für qualifizierte Pflege. Eine Pflegekraft die nicht in der Lage ist für sich selbst zu
Sorgen, sich selbst zu pflegen, eigene Bedürfnisse zu erkennen und für dessen Erfüllung Sorge zu tragen ist, so glaube ich , nicht befähigt dies für andere zu tun ! Hierbei liegt die Betonung auf Bereitschaft, nicht zwingend auf können... denn auch dies will gelernt sein...
Diese Selbstpflege, Selbstklärung scheint mir auch erforderlich da die Pflegekraft ansonsten „Gefahr läuft“ in einen diffusen Zustand zu geraten in dem sie nicht mehr klar zu unterscheiden vermag was sind die eigenen, meine, Bedürfnisse, Wünsche, und was die derer die sich pflegen soll ... Projektion des eigenen auf andere ... im Extrem führt diese mangelnde Selbstwahrnehmung zu einer
Nicht-Wahrnehmung der Bedürfnisse, Wünsche derer die der Pflege bedürfen, derer die ihr zur Pflege anvertraut wurden / sind ...
Dieser Selbstpflege, Selbstklärung muss / sollte gefördert, gefordert, werden... auch muss / sollte ihr „Raum“ gegeben werden ...
· Qualifizierte Begleitung und Betreuung der Pflegekraft
durch entsprechend dafür geschulte Mitarbeiter...
· Mitarbeiterbesprechungen, regelmäßig, kontinuierlich,
Belange (Sorgen, Nöte, Wünsche,...) des Mitarbeiters sollten mit einbezogen werden...oder auf, in entsprechenden “Besprechungen“ Thema sein...
· Die sich hieraus ergebenden Ergebnisse, Erkenntnisse, Wünsche, Bedürfnisse, etc. müssen in den „Pflegealltag“ integriert werden ... muss / sollte Rechnung getragen werden ... sie dürfen nicht protokolliert in Ordnern entschwinden... bloße Theorie bleiben ...

Im besonderen Maße scheinen mir „neue“ Pflegekräfte in diesen Prozess berücksichtigt werden zu müssen...

· „Qualitätszirkel“ die verantwortlich sind für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter.
· Integration neuer Mitarbeiter
Vorstellen, vertraut machen mit den Arbeitsabläufen, Bewohnern, Kollegen, der Dokumentation, den örtlichen Gegebenheiten, dem Pflegeleitbild, etc.

Auch sollte dies als „Prozess“ verstanden werden, verstanden sein, welcher einer Überprüfung bedarf... das bloße aushändigen von Leitbildern und ähnlichem ist wenig effizient ...

Neu meint hierbei im übrigen sowohl neue Mitarbeiter „in einem Hause“ als auch Auszubildende... hier sind die Pflegeschulen berufen... in der Pflicht .

· „Psychologische Grundkenntnisse“
Ein wesentlicher Bestandteil der Pflege ist die zwischenmenschliche Begegnung, der Austausch, der Dialog mit anderen, sprich wir reden „auch“ miteinander... sollten es wenigstens tun ... Pflege ist letztendlich Begegnung von Mensch zu Mensch ... unser tägliches tun ist mit diesem verknüpft... es sei denn wir wollen Pflege schweigend verrichten... sprich verwahren und versorgen... Da diese Begegnung, Kommunikation, jedoch nicht „privater Natur“ ist - dort würden gewisse „Grundkenntnisse“ übrigens auch nicht Schaden... – sondern „beruflich“ stattfindet sollte eine gewisse Professionalität, gegeben sein ...
Diese Professionalität ist aus den unterschiedlichsten Gründen erforderlich....
Im Umgang mit denen die wir pflegen sollen, wollen, benötigen wir diese Professionalität um zu verstehen, zu hören, was sie uns sagen, sagen wollen... sowohl verbal als auch nonverbal ... „Hören zwischen den Worten“ ...
Pflege will verstanden sein im Sinne des Bewahrens nicht des Verwahrens ... dies erfordert jedoch auch die Befähigung zur Motivation... bewegen zu bewegen ... Dies bewegen will nicht verstanden werden im Sinne eines „Transportierens“ sondern im Sinne eines „Berührens“ eines berührt Werdens ...

Grundkenntnisse in Psychologie erscheinen mir zwingend erforderlich da die Psyche des Menschen, sein Mensch sein maßgeblich ausmacht ... und der Mensch Mittelpunkt der Pflege ist, sein sollte ...
Auch hier gilt, dies „Grundwissen“ muss überprüfbar sein ... erlebbar, erfahrbar, anwendbar sein ... ein bloßes auswendig lernen von Schulz von Thun, „herunterbeten“ entwicklungspsychologischer Fakten, Daten, ist wenig sinnvoll ..
· Empathisch befähigt ...
mitfühlend aber nicht mitleidend !
· „Teamfähigkeit“
Qualifizierte Pflege kann nur im Team, gemeinsam gewährleistet werden...
Keine Pflegekraft, mag sie auch noch so qualifiziert sein, ist in der Lage alle pflegerischen Notwendigkeiten zu erfüllen... dies ergibt sich allein daraus das der Tag 24 stunden hat und das Jahr 365 Tage ... auch sind die Anforderungen an die Pflegekraft zu „hoch“ als das er sie alleine gewährleisten könne ...
Was aber macht nun diese „Teamfähigkeit“ aus ?
· Anpassungsbereitschaft
· Kompromissbereitschaft
· Konfrontationsbereitschaft – Diskussionsfähigkeit
· ...

Andererseits erfordert qualifizierte Pflege auch :

· Eigenständigkeit / Selbstständigkeit
· Eigenverantwortlichkeit
Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen für sich, sein tun und für andere ...
· Entscheidungsfähigkeit

Dies erfordert jedoch ein Bewusstsein über das Eigene... Wissen, Bewusstsein... über die eigene Befähigung, die eigene Kompetenz, die eigene Qualifikation, aber auch die eigene Inkompetenz, Unwissenheit, ...

Es bedarf der Selbstpflege, Selbstklärung ... des Wissens um das Selbst ...

Dieses Selbst will erkannt, gepflegt, gefördert, gefordert sein und letztendlich eingebracht werden in das Team ...

Eigenverantwortlichkeit
Ich antworte eigen / selbst ... ich bin für mich selbst verantwortlich
Selbstständigkeit
Ich stehe für mich selbst
Selbstvertrauen
Ich vertraue mir selbst
...

Wo kein Raum für das Eigene, das Selbst gegeben, geschaffen, ist, wird, wo das Eigene nicht gefördert, gefordert ist, wird, kann keine Eigenverantwortlichkeit entstehen...

Pflege erfordert jedoch ein Mindestmaß an Eigenverantwortlichkeit, Selbstständigkeit..... Dies erfordert jedoch auch ein Mindestmaß an Anerkennung, Akzeptanz des Eigenen, des Selbst, der Individualität der einzelnen Pflegekraft ...

Wo es das Eigene das Selbst nicht existent ist... nicht als solches wahrgenommen wird ... kann es nicht eingebracht werden.... damit ist die Bildung eines Teams letztendlich gescheitert ...


· Medizinisch. pflegerisches Fachwissen (Medizinische Kompetenz“)
· Fortbildungsbereitschaft
Da Pflege als ein Prozess zu verstehen ist welcher einer ständigen Veränderung unterworfen ist ... in dem immer wieder neue Fragen „auftauchen“ . immer neue Erkenntnisse „zu Tage kommen“ ... ist es wesentlich das Pflegekräfte sich dieses Umstandes bewusst sind und Fort- und Weiterbildung nicht als eine zwingende Notwendigkeit betrachten... als ein müssen .. sondern als ein Wollen... einfach ausgedrückt sie sollten Freude am lernen haben ... und zwar nicht nur während ihrer „Ausbildungszeit“ sondern immer wieder ...
Aus der oben genannten Tatsache – Pflege ist ein Prozess welcher einer ständigen Veränderung unterworfen ist - ergibt sich nun folgende Notwendigkeit :
Pflegekräften muss / sollte fortlaufend Fortbildungen angeboten werden ...
Diese Fortbildungen sollten nicht „verordnet“ sein sondern einem „Wollen“ zugrunde liegen... angelehnt an die Erfordernisse des WB und die individuellen „Befähigungen“ der Pflegekraft ...

Elementar erscheint mir dass das auf Fort- Weiterbildungen erlernte, neu erworbene Wissen, auch angewendet wird, eingebracht werden kann in den „Pflegealltag“, in diesem umgesetzt wird !
Sinn und Zweck von Fort- und Weiterbildungen kann und darf es nicht sein Zertifikate und Urkunden zu „sammeln“ in Ordnern abzuheften ...Wissen das „nur“ angesammelt wird, ohne es anzuwenden, ist dazu verurteilt wieder vergessen zu werden...
zu demotivieren... dient ,wenn überhaupt für etwas, zur Befriedigung unserer Eitelkeit ... vermag vielleicht vorübergehend unser schlechtes Gewissen zu beruhigen...

Zu Punkt 4.
„Aufweichung“ hierarchischer Strukturen zugunsten einer Holarchie
Demokratisierung der Pflege
Klare, klarere, Definition der „holarchischen“ Strukturen

Zur Begriffsdefinition :
Die Begriffe Hierarchie / Holarchie meinen in diesem Kontext folgendes

Hierarchie :
Strukturen, Ordnungen, die künstlich gegeben, erzeugt, erzwungen, nicht natürlich gegeben, gewachsen, sind ...
Holarchie :
Strukturen, Ordnungen, die natürlich gegeben, erzeugt, gewachsen sind... einer Notwendigkeit entsprechen ...

Ausführlicheres hierzu bei Ken Wilber „Eros, Kosmos, Logos“

Um grundsätzliche Missverständnisse gleich vorweg auszuschließen bei aller Individualität, und deren Anerkennung, bedarf es einer Holarchie, einer Strukturierung, einer Zielgerichtetheit einer Ordnung in der Pflege... es muss ein „oben“ und ein „unten“ geben ... doch dies sollte eben holarchisch und nicht hierarchisch geschehen ...

Was aber meint nun holarchisch ?
Holarchisch meint :

· Ordnungen, Strukturen „Rangordnungen“ die notwendig sind und als solche auch verstanden, anerkannt, akzeptiert werden ...
Dies verstehen und anerkennen muss / sollte sowohl von „oben nach unten“ als auch von „unten nach oben“ geschehen ...

Ein bloßes feststellen , festlegen, einer „Rangordnung“ reicht nicht aus selbst wenn diese holarchischer Natur ist, ist es erforderlich das diese als solches erkannt, verstanden wird ... dies erfordert Transparenz

· Das „Höhere“ muss / sollte das „Niedere“ mit einschließen, integrieren... Hierbei ist das „Höhere“ und „Niedere“ nicht im Sinne von mehr- oder minderwertiger zu verstehen... sondern im Sinne einer „Andersartigkeit“ ... einer zusätzlichen Qualifizierung und einer damit verbundenen Spezialisierung ...

Beispiel :

Pflegehilfskräfte (PHK) befinden sich im Pflegeprozess auf der
„niedersten Stufe“ , da sie am geringsten qualifiziert und spezialisiert sind ... ihr Wissen um die Pflege erfährt im allgemeinen die größte Einschränkung ...

Ausdrücklich nochmals :
Es geht hierbei nicht um eine Bewertung im Sinne von :
Wer ist am wenigsten Wert, am Minderwertigsten,
sondern um eine holarchische Ordnung !

Altenpfleger (AP)befinden sich ,aus holarchischer Sicht, auf einer „höheren Ebene“ als Pflegehilfskräfte da sie über eine andersartige, höherwertigere, Qualifizierung verfügen ... sie erfahren eine Spezialisierung ... dies schließt die „Qualitäten“ des Niederen mit ein jedoch kommt ein „mehr“ dazu... (z.B. medizinische Grundkenntnisse, Pflegeplanung, ...) jedoch sind sie in der Lage die „Funktion“ der PHK’s zu übernehmen, haben dieses Wissen, das der PHK integriert... in einem gewissen Sinne geben sie diese Qualifikation, diesen Aufgabenbereich jedoch auf, um andere zu übernehmen, zu gewährleisten...

Wohnbereichsleiter (WBL) bzw. Stationsleiter u.ä.
Integrieren in sich die Qualitäten der PHK’s und der AP’s und erfahren hierüber hinaus eine weitere Qualifikation ...

...

diese „Strukturierung“ ist letztendlich in allen „Häusern“ gegeben ...
PHK – AP – WBL – PDL – Heimleitung - ...
von daher könnte man davon ausgehen das alle holarchisch aufgebaut sind ... jedoch folgt auch der hierarchische dem selben ...

Worin liegt also die Unterscheidung,
wann empfinden wir diese „Struktur“ als Hierarchie,
wann als Holarchie ?


Hierarchien zeichnen sich dadurch aus das sie auf Gewalt und/oder die offene oder versteckte Androhung von Gewalt beruhen/gründen !

Hierbei ist es erst einmal vollkommen irrelevant ob es sich um eine objektive oder eine subjektive Wahrnehmung handelt,
es wird wahrgenommen !

Wesentlich wird dies, handelt es sich um eine reale – objektive – Hierarchie oder um eine subjektiv wahrgenommene Hierarchie erst bei der Veränderung, der „Überführung“, einer Hierarchie in eine Holarchie... wenn dies denn erwünscht ist ...

...Gewalt und/oder die offene oder versteckte Androhung von Gewalt...
Nochmals: Es geht nicht um subjektive oder objektive Wahrnehmung, sondern um Wahrnehmung ... Die „Realität“ ist nicht etwas allgemeingültiges ... sondern das was wir wahrnehmen ... diese Wahrnehmung ist jedoch individuell ...

Was ist Gewalt ... wird als gewalttätig wahrgenommen ... ?
Aus meinem Verstehen heraus alles was Angst macht ... Angst machen soll ... Angst verursacht ...

Einschüchterung... Demütigung... Geringschätzung... „Sich über andere erheben“... Isolation ... Ausgrenzung ... Missachtung ... Be- und Entwertung im Sinne von besser oder schlechter ...

Wichtig ist hierbei, ich wiederhole mich, die Wahrnehmung ... die Realität an sich ist relativ ... ist selbstgeschaffen ... muss nicht zwingend objektiv sein ... kann dieser sogar wiedersprechen ...

Dies wahrnehmen von Gewalt ist was Holarchien von Hierarchien unterscheidet !

Wesentlich hierbei ist das selbst wenn ein holarchischer Aufbau, eine holarchische Strukturierung gegeben ist, diese eben auch wahrgenommen werden muss, als solche erkannt, verinnerlicht und erlebt werden muss ...

Sie muss erfahrbar sein und gelebt werden !


Dies „erfahrbar“ sein muss/sollte auf allen „Ebenen“, in allen „Teilen“, verstanden sein... wird es in einer Ebene, in einem Teil nicht so verstanden, erlebt... nicht so wahrgenommen „fällt sie zurück“, droht sie „zurück zu fallen in eine Hierarchie“...

Philosophisch.... ?
Vielleicht ...
Kompliziert ?
Auf jeden Fall ...
Ja !!!

Kompliziert im Sinne von Komplex ...
Holarchische Strukturen( Demokratie... ? ) sind komplexer, komplizierter, als hierarchische ( Diktatur... ? ) ...

Je komplexer eine „Struktur“ desto störanfälliger ist sie !!!

In der reinen Hierarchie gibt es nur „Sender“ und „Empfänger“, also „Befehlende/Anordnende“ und „Empfangende/Ausführende“ ... Es gibt keinen offenen Dialog ... Das Miteinander ist reduziert auf die Kontrolle und Überwachung der Ausführung von Befehlen ... Es gibt klar definierte Regeln (Reglementierung) ... Es gibt „Rangordnungen“ im Sinne von besser / schlechter ... mehr- oder minderwertiger ...

überwachen kontrollieren reglementieren
Androhung von „Gewalt“ ...
... senden – empfangen – ausführen – senden – empfangen - ...
überwachen kontrollieren reglementieren
Androhung von „Gewalt“ ...

In dieser „Struktur“ nimmt sich der Einzelne nur als „Sender“ oder „Empfänger“ war ... Er ist, wird, auf diesen Teil reduziert und/oder reduziert sich auf diesen ...

Diese Reduktion hat , in der Pflege, denn um diese geht es hier tatsächlich immer noch, weitreichende Folgen ...

„Empfänger“ führen Befehle, Anordnungen, aus ... befolgen Regeln ... mehr nicht ...

Er fühlt sich nicht verantwortlich, mitverantwortlich ...
Verantwortlich sind die „Sender“ ...
Er hat/ nimmt keine Verantwortung ...

Dies hat zur Folge das dann tatschsächlich alles scheinbar angeordnet, reglementiert werden/sein muss ... Selbsterfüllende Prophezeiung ...

Beispiele :

· Ein Wohnbereich verfügt über ca. 50 Bewohner, für diese wird die Wäsche in der hauseigenen Wäscherei gewaschen und mittels eines Wäschewagens – indem jeder Bewohner über ein Wäschefach verfügt - wieder in den Wohnbereich gebracht... auffällig hierbei war das die Wäsche nicht sortiert war, d.h. häufig war in den Bewohnerfächern Wäsche die andere Bewohnern gehörte bzw. es war Wäsche für mehrerer Bewohner in einem Fach ...
PROBLEM : Der Wäschewagen verfügte nur über ca. 45 „Fächer“ wobei einige Bewohner mehrer Fächer benötigten .... zur Erinnerung der Wohnbereich hat ca. 50 Bewohner ...
LÖSUNG : Anschaffung eines zusätzlichen Wäschewagens für den Wohnbereich ...

Vom erkennen des Problems bis zur Lösung vergingen ca. 5-7 Monate ...

· „Anwesenheitslampe“ wird von den meisten Mitarbeitern nicht verwendet ... das ständige klingeln stört bei der arbeit... was zur Folge hat das man nie genau weiß, wissen kann, wo sich ein Kollege befindet ... benötigt man einen Kollegen „verlässt“ man sic auf seine Intuition bzw. auf sein „lautes Stimmorgan“ ...

· „Alarm“ es gibt in den Bewohnerzimmern die Möglichkeit des Auslösens eines Alarmes der soviel bedeutet wie „Kollege braucht Hilfe“ ... Allgemein übliche Reaktion auf diesen „Alarm“ ... Nicht-reagieren ... Warum ?
Ist vermutlich doch ein Fehlalarm.. hat doch tatsächlich jemand die „Anwesenheitslampe“ benutzt und....
Ist ein Mitarbeiter in einem Bewohnerzimmer und verwendet tatsächlich die „Anwesenheitslampe“ und ein Bewohner klingelt führt dies zur Auslösung des Alarmes... - reagiert der anwesende Mitarbeiter hierauf nicht... durch einfaches ausstellen zum Beispiel - ...
Wird schon jemand gehen.., sich jemand darum kümmern, warum ich ...


Diese „Liste“ ließe sich beliebig fortführen ... jeder Einzelne hat seine eigenen Beispiele ... .


In der reinen Hierarchie ist dies gegeben, die „Problemlösung“ liegt in einem mehr an Kontrolle, Überwachung, Reglementierung, .... einem mehr an Gewalt.... letztendlich unerwünschte Nebenwirkung... Begleiterscheinung ...

Hierarchien sind jedoch in sich im höchsten Maße ineffizient... zum scheitern verurteilt ...
· Der Mensch ist grundsätzlich ein denkendes und fühlendes Wesen, seiner Natur widerspricht ein bloßes ausführen... Alle Menschen sind mit einem Verstand zur Welt gekommen... Es gibt keine natürliche Unterscheidung zwischen Menschen mit und ohne Gehirn ...
· Es kann nicht mehr „Kontrolleure“ als „Ausführende“ geben
· Das Leben, selbst das Arbeitsleben, lässt sich nicht eindeutig reglementieren ...
· ...

Dies oben genannten Punkte sind für mich Hinweis darauf das Hierarchien künstlich geschaffene und künstliche erhaltene Herrschaftsstrukturen / Herrschaftsordnungen sind ....

Was macht nun Holarchien störanfälliger als Hierarchien ?

Holarchien sind störanfälliger
da sie keine offensichtliche „Eindeutigkeit“ aufzuweisen haben ...
Keiner ist nur „Sender“ oder „Empfänger“
sondern sowohl als auch ...

Dieses Umstandes muss sich jeder Einzelne bewusst sein ... dies erfordert jedoch Bewusstsein ... Bewusstheit über seine Ganzheit als „Sender/Empfänger“ ... der Einzelne ist immer wieder tagtäglich gefordert zu klären wann sende ich, wann empfange ich, denn dies ist situationsbedingt unterschiedlich ... dieser ständige Wechsel der Teilaspekte (Sender/Empfänger) erfordert im hohen Masse eine Klarheit... ein Selbst ... das Eigene ...

Selbstklärung - Selbstbewusstsein – Selbsterkenntnis –
Selbstständigkeit / Eigenständigkeit - Eigenverantwortung ... ...


Der Einzelne muss sich also seiner Selbst bewusst sein... - sich selbst kennen, klären wo, wie er befähigt / qualifiziert ist ... welche Motivation ihn bewegt ... der Einzelne muss über einen Selbstwert verfügen ...

Nur wo dies gegeben ist kann Eigenverantwortlichkeit und Selbstständigkeit entstehen ... gegeben sein ... gefordert werden ...

Holarchien erfordern also der Selbstklärung ...

Solange „wir“, der Einzelne, noch hierarchisch denken, fühlen, wahrnehmen und nicht holarchisch, holistisch, solange existieren Hierarchien ... wenn auch „nur noch“ in unseren Köpfen ...

Dieser „Prozess“ der Selbstklärung erfordert und fordert den Einzelnen, seine Bereitwilligkeit sich mit sich selbst auseinander zusetzen ...
muss hierfür der Raum gegeben sein ...

... Selbstklärung, Selbsterkenntnis,... bedarf eines Gegenübers ...braucht den Dialog, den offenen Dialog ... bedarf der Selbstoffenbarung ...

... fordert dieser „Prozess“ Vertrauen ... in sich selbst ( Selbstvertrauen ) und in andere ...

Doch in wen oder was Vertrauen ?
... in uns Selbst ?
Wäre dies gegeben....
... in andere ?
Wäre dies gegeben...

Die Frage ist also „Warum Vertrauen wir nicht, weder uns selbst noch anderen ?“

Hier schließt sich, für mich, der Kreis ...
Sowohl ich, als Selbst, als auch andere haben bestimmte Vorstellungen, Erwartungen, Einstellungen ... weisen ein individuelles Menschenbild Weltbild auf... welches „wir“ auf uns und andere übertragen ...

Die Frage ist also
Welches Menschenbild habe ich
Wie glaube ich zu sein ?
Wie glaube ich das der Mensch ist ?

Dies muss letztendlich jeder für sich selbst tun, jedoch ist die Frage wie ? Da er weder sich selbst noch anderen wirklich vertraut ... sich selbst kaum einen Wert gibt ... ...

Einem Ertrinkenden zuzurufen : „Lern schwimmen !“ scheint mir keine wirkliche Lösung ...

Von daher ist meine tiefste Überzeugung es bedarf „professionelle Hilfe“
...

... was diese professionelle Hilfe angeht stehen die „Führungskräfte“ in einer besonderen Verantwortung ... letztendlich sollen sie führen, leiten, ...

... sind sie dazu nicht befähigt, da selbst „betroffen“ ... müssen sie selbst sich Hilfe holen ...

... ... ... ... ... ... ... ...



... Philosoph : philo sophia : Freund des Wissens //Philosophie : Die Freude am Wissen ... Kann es ein zuviel an Freude am Wissen geben ?


Reaktionen, gleich welcher Art, sind erwünscht !!!

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ACH ja und SORRY wegen des Chaoses aber hab den TExt einfach eingefügt... *lächel*


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Re- Olaf

Beitrag von doedl » Di 3. Dez 2002, 09:12

Booooooooh,

das war ja direkt eine Abhandlung von Dir, ggg.

Es gibt ja oft solche Sprichworte, die aus dem Volksmund heraus sehr tiefgründiges Wissen ganz einfach formulieren- mir fällt zu Deinem Thema folgendes ein:

Der Fisch stinkt zuerst am Kopf

Die soziale Kompetenz oder auch soziale Intelligenz vieler Führungskräfte im Pflegebereich lässt leider oft zu wünschen übrig. In Weiterbildungen zur Stationsleitung/PDL/HL wird darauf hingewiesen, wie wichtig ein kooperativer Führungsstil für den Erfolg der Organisation ist, doch das grundlegende positive Menschenbild ist leider nicht erlernbar.

Ich glaube schon, dass jede Führungskraft ihren Mitarbeiter/Innen einen Vertrauensvorschuss entgegenbringen muss. Pflegekräfte gehen in der Regel in den Beruf,, weil sie Engagement und ein bestimmtes Berufsethos haben. Einer Studie der Uni Berlin zufolge, ist nach 3 Jahren bei 75 % der Pflegekräfte von der ursprünglichen Motivation nicht mehr viel übrig. An Platz 1 der Gründe stehen unfähige Leitungskräfte..... schon ein Grund darüber nachzudenken, wieso in Zeiten, wo Pflegepersonal rar ist, nicht mehr Energie darauf verwendet wird, wirkliche Personalentwicklungspolitik zu betreiben.

Vertrauen in andere geht nur- so sagte mir mal ein Psychologe- wenn ich in mich selbst vertraue... ist darin die Wurzel allen Übels zu suchen? Woher kommt das mangelnde Selbstvertrauen der Managementebene in der Pflege? Als alter "Pflegedinosaurier" ziehe ich Bilanz aus den vergangenen zwei Jahrzehnten Altenpflege.. auffällig ist, dass sich gerade in den letzten 10 Jahren die Anforderungen in diesem Beruf vervielfacht haben. Setzt also zwingend voraus, dass gerade Leitungskräfte permanent am Ball der Information und Weiterbildung bleiben. Haben die Organisationen dies erkannt und gestehen ihrer Managementebene auch die notwendige Zeit zu, die Information und Weiterbildung erfordern?

Was mir auch auffällt, ist nach wie vor eine mangelnde Kooperationsbereitschaft mit anderen Einrichtungen. Auch hier fehlt das Vertrauen, aus einer Zweckgemeinschaft für sich selbst profitieren zu können; die Angst vor Wissensverlust ist grösser als die Aussicht auf Wissensbereicherung.

In einem meiner letzten Seminare für angehende Gerontopsychiatrische Fachkräfte war ich entsetzt, dass die Teilnehmer untereinander sich Unterlagen und Ausarbeitungen vorenthalten.... ca 30 Minuten meines Unterrichtes habe ich darauf verwendet, den Schülern die Wichtigkeit von Teamarbeit und Kooperation zu erläutern. Wohlgemerkt waren die Teilnehmer alle bereits über Jahre in der Pflege tätig, wo Teamfähigkeit eine Grundanforderung sein sollte.

Eine der wichtigsten Zukunfsaufgaben der Pflegeorganisation wird ihre Personalpolitik sein... bei immer grösser werdendem Mangel an Pflegekräften werden sich die Einrichtungen Konzeptionen einfallen lassen müssen, wie sie Mitarbeiterzufriedenheit dauerhaft implementieren können. Und hier bin ich wieder am Anfang meines Beitrages-

Der Fisch stinkt zuerst am Kopf

Lieben Gruss

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Re

Beitrag von doedl » Mi 22. Jan 2003, 20:46

Hallo Thorsten

nach dem Altenpflegeskandal nun der Krankenpflegeskandal, hm.

In der Retrospektive muss ich sagen, dass die sogenannten Pflegeskandale der Altenpflege keine wesentlichen Verbesserungen gebracht haben. Ein Berufsstand wurde sehr in die Schlagzeilen gebracht; Altenheimbetreiber werden als Profitgeier und Ausbeuter dahingestellt.

Natürlich gibt es sie, die Profitgeier, aber es gibt auch andere Heimbetreiber und ambulante Dienste, die aus echtem Engagement Senioren pflegen und betreuen.

Ein übertriebener Prüfungswahn durch MDK und Heimaufsichten wird keine Verbesserungen bringen. Tatsache ist die nicht ausreichende Finanzlage der Pflegekassen; eine Verantwortung die von der Politik fleissig nach unten weiter gegeben wird. Lass Dir mal von einem User dieses Forum- Johannes Pätzold- erklären, welche tatsächlichen Pflegezeiten er dokumentiert und welche Antworten er bei Pflegesatzverhandlungen von den Geldgebern bekommt.

Das Krankenhaus wird in Zukunft durch die DRGs noch stärker zum Stellenabbau gezwungen werden. Bundesweit wird nun überlegt, wieviele Ärzte, Köche, Krankenschwestern und -pfleger eingespart werden können; denn auch hier sind die Kassen mittlerweile leer geworden.

Mangelnde Pflege als Folge von einer Gesundheitspolitik, die seit Jahren weiss, dass in der Zukunft das Geld hinten und vorne nicht mehr reichen wird!

Lieben Gruss

Doedl


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RE: professionalität

Beitrag von Dodger » Do 23. Jan 2003, 19:06

:rolleyes: iss es nicht das Problem, das in der Pflege zu wirtschaftlich gedacht wird? ich arbeite im grössten privaten Anbieter und habe davon keine vorteile, denn es geht nur um gewinn. Es fehlen rund 2 MA pro Station würde ich mal schätzen um wirklich BW gerecht zu Arbeiten, aber da alle BW immer sauber gepflegt und satt sind wird natürlich auch kein Personal eingestellt. Die meisten MA haben angst um ihren Arbeitsplatz wenn sie nicht fertig werden mit ihrer arbeit, obwohl das schwachsinn ist. so muss aber jeder bei uns zwischen 8 und 10 BW waschen, und ob das wirklich im sinn der Menschlichkeit ist



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Beitrag von Dodger » Do 20. Feb 2003, 20:25

Hi Michi Hi Schwester Markus

also ich hab eure Beiträge gelesen und mir fällt da nur eins ein,ich möchte dich ja nicht angreifen Michi, aber es gibt einen nicht zu leugnenden Pflegenotstand, wenn er dir bis jetzt nicht aufgefallen ist, kann man dich nur beglückwünschen, da du dann ja in Heimen gearbeitet haben musst in denen das nicht so ist.
Ich kann aber nur sagen, das es bei mir im Heim so ist und wir unterbesetzt sind!!
Als Mitarbeiter kann man da wenig machen,und da ich noch in der Ausbildung bin, kann ich noch weniger machen, sicherlich gibt es einige Häuser in denen es besser ausschaut mit der Mitarbeiterzahl, aber davon gibt es nur wenige und wenn die Betreiber nicht immer aufs Geld schauen würden und immer mehr Gewinn machen wollen, wäre das auch besser für die Bewohner,und für alle Mitarbeiter, die Krankmeldungen würden sich mit sicherheit um die Hälfte reduzieren lassen, und wenn die Pflegeplanungen auf den neusten Stand wären würde sich das auch positiv auf die Arbeitssituation auswirken.
Wielange Arbeitest du denn schon in der Pflege Michi? wenn ich fragen darf, es scheint mir ein wenig suspekt das du keinen Pflegenotstand gesehen haben willst.


@ Schwester Markus
Ja genau so siehts aus in Deutschland, es gibt viele offene Stellen aber sie werden meist nicht, oder nur unzureichend besetzt



Gruss
Dodger



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Beitrag von Dodger » Do 20. Feb 2003, 21:13

Hi Fibula
ich habe mir seinen Beitrag genau durchgelesen, und habe schon verstanden, das er in Osnabrück keinen Plegenotstand sieht/hat. Aber ich kenne ein paar AP`s in Osnabrück und die sagen auch das es dort einen Pflegenotstand gibt, und ich denke den gibt es in jeder Stadt in Deutschland!!
Ausserdem wollte ich Michi ja nicht angreifen, habe lediglich meine Meinung dazu geäussert, und meine Meinung ist nunmal das es einen erheblichen Pflegenotstand in Deutschland gibt, das denke ich kann keiner leugnen.

@ Michi
schade das du in Osnabrück wohnst, den in Homburg sind grad 2 PDL Stellen frei.

Es mag ja sein das es in dem Haus, in dem Michi arbeitet keinen Pflegenotstand gibt, dann ist er echt zu beneiden, denn in vielen(eigentlich fast allen Häusern) gibt es ihn und er wird zum Teil auch selbst produziert, durch betreiber oder den Leitenden Personal, weil z.B. die Pflegeplanungen nicht auf aktuellen Stand sind, was Minuten kostet, die dringend gebraucht werden.
Ich denke hier arbeiten alle in der Pflege, und die wissen was Minuten für eine wichtige Bedeutung haben.


Gruss
Dodger



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Beitrag von Dodger » Do 20. Feb 2003, 21:30

Hi Michi
ich habe nicht bestritten das es bei dir keinen Notstand gibt, ich wollte lediglich darauf aufmerksam machen das es nur wenige Häuser gibt in denen es so ist, und du dich Glücklich schätzen kannst in so einem zu Arbeiten.

Aber da du meist ehh nicht auf meine Beiträge Antwortest, brauchst du dir denk ich auch jetzt nicht die mühe machen.
Ich wünsche einen schönen Abend noch


Grüsse
Dodger"der,der nicht richtig lesen kann" :rolleyes: :god



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