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Dirk Höffken
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Buchtipp

Beitrag von Dirk Höffken » Fr 28. Nov 2003, 20:48

Hallo.

Buchtipps sind immer eine subjektive Angelegenheit. Einer der Gründe aus denen ich meist darauf verzichte. Hier jedoch mal ein Buchtipp für die Pflegekräfte, welche mit Patienten (Bewohnern) arbeiten die an neurologischen Ausfällen leiden:

Karen Kaplan – Solms / Mark Solms – Neuro–Psychoanalyse – Eine Einführung mit Fallbeispielen – Aus dem englischen von Ricarda Kranz – Klett–Cotta Verlag–Stuttgart 2003 –312 Seiten – Preis: 34 €.

Forscher interessieren sich schon seit Langem für die Ausfälle von Menschen mit Hirnverletzungen, um etwas über die Eigenschaften des Zentralnervensystems zu erfahren. Lange versuchte man psychische und kognitive Ausfälle mit der Verletzung spezifischer Hirnregionen in Verbindung zu bringen. Diese Strategie war und ist immer noch von Erfolg gekrönt. Die Grenzen dieser Methode werden aber immer sichtbarer. So ist es bis in die Gegenwart nicht gelungen bestimmte höhere psychische Funktionen (z.B. Gefühle und Charakterzüge) einem oder mehren bestimmten Arealen des Gehirns zuzuordnen.

Aus dieser „topographischen Sackgasse“ versucht sich die Wissenschaft auf mannigfaltige Art und Weise zu befreien. Kaplan – Solms und Solms verbinden an dieser Stelle die Psychoanalyse mit der „dynamischen Lokalisation“. Letztere geht davon aus das die Schädigung eines Hirnareals aufgrund individueller und komplexer Verschaltung unterschiedliche Einschränkungen bei einem Menschen zur Folge hat.

Mit diesem Buch führen zwei der weltweit führenden Wissenschaftler in ein neues und faszinierendes Forschungsgebiet ein. Die Verbindung von Psychoanalyse und Neurowissenschaften. Sie eröffnen dem Leser eine Welt, die das Erleben der Patienten, deren Kampf und Auseinandersetzung mit ihren Beeinträchtigungen nachvollziehbar werden lässt, ja überhaupt erst zugänglich macht. Aber auch die therapeutischen und behandlungstechnischen Schwierigkeiten und Rahmenprobleme bei der Durchführung psychoanalytischer Behandlung mit solchen Patienten werden beschrieben und diskutiert.

Vieles in diesem Buch kann noch als Spekulation bezeichnet werden und manches ist nur schwer mit bereits bestehendem Wissen zu vereinbaren, aber dies dürfte den Autoren durchaus bewusst gewesen sein, die selbst auf die Grenzen ihres Werkes hinweisen. Bei der Lektüre dieses Buch ist ein (profundes) Fachwissen von erheblichem Vorteil zusätzlich sollte der Pschyrembel griffbereit neben einem liegen (das Glossar hilft nur wenig).

Trotz des im vorigen Abschnitt dargestellten und einiger weiterer kleiner Mängel kann ich dieses Buch nur allen Pflegekräften die hirngeschädigte Patienten (Bewohner) pflegen uneingeschränkt empfehlen. Es ermöglicht die Reaktionen dieser Menschen besser zu verstehen und ihnen eine noch bessere Pflege zukommen zu lassen.

MfG DH

Zitat:
Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt, die Kunst ihre Seele. (Maksim Gorkij)



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