Bewohner auf der Demenzstation einschließen

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flecki
Beiträge: 139
Registriert: Do 23. Feb 2006, 00:02

Bewohner auf der Demenzstation einschließen

Beitrag von flecki »

:confused: Hallo und einen schönen guten Abend,

auf unserer Demenzstation möchten einige Angehörige und auch Mitarbeiter dass die Zimmer der Demenzkranken Personen zugeschlossen werden, da sie nicht möchten dass andere Demenzkranke in deren Zimmer gehen (teilweise auch nachts), in den Schränken wühlen, Kleidungsstücke mitnehmen oder vielleicht sogar Fäkalien hinterlassen.
Wie ist das Rechtlich?
Meine persönliche Meinung: Ich finde dass man den Demenzkranken Personen nicht die Zimmer abschließen sollte, denn es ist doch ihre letzte oder einzige Heimat, ihr Zimmer - manche gehen immer in ihr Zimmer - wo sollen sie denn hin wenn die Zimmer abgeschlossen sind? Ich kann sie doch nicht wie ein Hirte nur in einer Hürde belassen! Es ist doch ganz normal dass sie einfach herumlaufen und auch in andere Zimmer gehen! Ich kann ihnen doch nicht die letzte Zuflucht wegnehmen indem ich abschließe!
Was ist wenn es brennt? Da bricht Panik aus und die Menschen sind zum Teil eingeschlossen - das kann ich doch nicht machen!!

Eine verwirrte Flecki :confused:


Freundschaft ist, wenn dich einer für gutes Schwimmen lobt, nachdem du beim Segeln gekentert bist.

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Indigo
Beiträge: 67
Registriert: Fr 22. Jun 2007, 00:17

AW: Bewohner auf der Demenzstation einschließen

Beitrag von Indigo »

Also Türe abschließen wenn die Person drin ist gilt rechtlich gesehen als Fixierung und ist strafbar ohne Beschluss.



thorstein
Beiträge: 1068
Registriert: So 2. Sep 2007, 01:41

AW: Bewohner auf der Demenzstation einschließen

Beitrag von thorstein »

Hallo Flecki,

das scheint mir keine Frage von entweder-oder zu sein. Nicht alle Angehörigen sind gleich und auch nicht alle Demenzkranken. Stört es die Bewohnerinnen denn, wenn andere ihre Sachen ausräumen? Vielleicht die eine oder andere schon. Grundsätzlich alle Zimmer abzuschließen halte ich genauso für Unfug wie das Abschließen überhaupt nicht in Erwägung zu ziehen. Entscheidend sollte aber das Wohlbefinden der Bewohnerin sein. Ich kann mich an eine Demenzkranke gut erinnern, die jeden Eindringling in ihrem Zimmer sofort angriff. Da haben wir dann auch abgeschlossen, um Schlägereien zu verhindern.
Ob man Bewohner in ihren Zimmern einschließt, ist dabei eine ganz andere Frage.
Grüße



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Mrs. Happysnake
Beiträge: 42
Registriert: Fr 1. Jun 2007, 17:02

AW: Bewohner auf der Demenzstation einschließen

Beitrag von Mrs. Happysnake »

Hallo zusammen, :)
also das Zimmer mit dementen Bew. würde ich auch nicht abschließen wollen.
Aber ein anderes Bew. Zimmer schon wenn der Bew. das Zimmer verlassen hat,
sofern der demente Bew. tagsüber nicht in sein Zimmer geht.
Ich habe mal einen Bew. kennen gelernt, der hat in jeden Schrank sein "großes
Geschäft" am Tag 2-3 mal gemacht und in den Papierkorb sein "Kleines" das öfters. :confused:
Das war auch nicht schön für die Bew. und dessen Angehörigen.
Verstehen muss man die Angehörigen auch, wenn sie ihre Mutter oder Vater
besuchen und das Zimmer ist nicht durchwühlt oder es riecht nach Fäkalien.


MfG
Mrs. Happysnake


"Nichts auf der Welt ist so stark wie eine Idee,
deren Zeit gekommen ist."

Victor Hugo

andrea
Beiträge: 3406
Registriert: Di 16. Jul 2002, 19:15

AW: Bewohner auf der Demenzstation einschließen

Beitrag von andrea »

[quote=""Mrs. Happysnake""]
Verstehen muss man die Angehörigen auch, wenn sie ihre Mutter oder Vater
besuchen und das Zimmer ist nicht durchwühlt oder es riecht nach Fäkalien.Mrs. Happysnake[/quote]
Hallo
du hast Recht, aber allein das Verstehen, der Angehörigen kann nicht die Basis sein, um einen solchen Wohnbereich zu versorgen. Priorität hat immer das BWBefinden.
Aufklärung der Angehörigen,- meist ist es doch so, dass die Bewohner allesamt Phasen durchlaufen, in denen sie in andere Zimmer gehen, es als ihrs ansehen oder auch den Sinn der Toilette(auch wenn sie makiert ist)nicht zu erkennen.
Wir schließen die Zimmer nicht einfach auf Wunsch der Angehörigen ab. Sollten BW sich gestört fühlen, kann zeitweise das Zimmer auf Wunsch und nach Absprache auch mit dem Betreuer verschlossen werden. Das passiert jedoch niemals regelmäßig und nur in Sonderfällen bzw. in akuten Situationen.
Bewohner die in ihrer Demenz noch nicht soweit fortgeschritten sind, wissen nach Aufklärung mit dem Pflegepersonal meist auch sehr genau wie sie reagieren könnten. Zur Zeit gibt es bei uns 2BW die, die Besuche von anderen BW in ihren Zimmern, eher belustigt aufnehmen und ihnen den Weg zum WB zeigen.
Die PP sollte in Bezug auf regelmäßig stattfindende begleitende Toilettengänge
geändert werden, wie oft haben die BW richtig Not eine Toilette zu finden und erleichtern sich dann irgendwo in den Schränken, am Blumentopf usw.weil sie glauben endlich was gefunden zu haben.
Ich finde, wenn schon bei der Anmeldung auf einen solchen Bereich Aufklärung betrieben wird ist das Verständnis von Angehörigen viel größer und sie entwickeln oft nicht nur zu ihren "Lieben" eine Beziehung.
Angehörigenarbeit ist gerade auf diesem Bereich meiner Meinung nach sehr wichtig, dazu gehören immer wieder mal Gespräche wenn z.B. ein Angehöriger sich ärgert dass schon wieder ein Teil der Mutter fehlt oder ein fremdes Bekleidungsstück im Schrank liegt.
BW sollten eigentlich immer jemanden vom Pflegepersonal als Ansprechpartner finden können um kleinere Unsicherheiten sofort anzugehen.
Die Arbeit bzw. Welt in diesen Bereichen ist eben eine völlig andere und da haben sich Angehörige sowie Pflegekräfte halt anzupassen.
Gruß andrea



Lilu
Beiträge: 238
Registriert: Do 6. Mär 2008, 21:37

AW: Bewohner auf der Demenzstation einschließen

Beitrag von Lilu »

ganz klare Sache, um jemanden einzuschliessen, brauchts nen Beschluss, wie bei jeder anderen Fixierungsmassnahme.
Is t der Wohnbereich eine *geschlossene* Einheit, kann der demente Bewohner sich nachts frei bewegen, wenn er nicht sich oder andere gefährdet. Schränke sind bei uns abgeschlossen, Pflegemittel, Gefahrenstoffe weggeschlossen, notfalls auch das Wasser in den Nasszellen über Nacht abgestellt, Fenster, bzw Balkontüren eh grundsätzlich zu.


Der Vorteil der Klugheit besteht darin, daß man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.K.Tucholsky

deliciouz
Beiträge: 22
Registriert: So 14. Jan 2007, 11:46

AW: Bewohner auf der Demenzstation einschließen

Beitrag von deliciouz »

Mal ganz abgesehen von dem rechtlichen Aspekt der Freiheitsentziehenden Maßnahme möchte ich noch mal darauf hinweisen, dass gerade Menschen mit Demenz vor allem mit Demenz vom Typ Alzheimer ein besonderes Bedürfnis danach haben sich zu bewegen.
Die Stationen für solche Personen, also speziell gerontopsychiatrische Stationen sind häufig so eingerichtet, dass die Menschen dort ununterbrochen laufen können.
zb sind gänge inform eines kreises, einer acht oder ähnlichem gestaltet, sodass sich die Bewohner nicht eingeengt fühlen.
die bewohner in ihren zimmern einzuschließen würde also eher schaden.

solange die bewohner ihre türen nicht selbst klar und deutlich geschlossen haben wollen und das am besten noch selbst tun, würde ich es nicht wagen sie einzusperren.
könnte ich mit meinem gewissen nicht vereinbaren!



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doedl
Beiträge: 6411
Registriert: Sa 11. Aug 2001, 19:12
Beruf: Pflegedinosaurier
Einsatz Bereich: Geschäftsführung Sozialstation
Interessen: Mauern, Verputzen, Betonieren, grins

AW: Bewohner auf der Demenzstation einschließen

Beitrag von doedl »

Hallo

eine Lösung könnte sein, an diese wenigen Türen außen einen Knauf anzubringen, so dass der Bewohner zwar jederzeit sein Zimmer verlassen kann, aber vom Gang niemand mehr reinkommt.

Nachteil ist allerdings, dass der Bewohner selbst tagsüber ohne Aufschließen durchs PP auch nicht in sein Zimmer kommt.

Gruß Doedl


Wir müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen wollen- Mahatma Gandhi

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