Berufung oder nur ein Job

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Dinahr
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RE: Berufung oder nur ein Job

Beitrag von Dinahr » So 15. Dez 2002, 14:02

Hy Michi,
nun ich (APH u. nu auch Schülerin) finde es ist in erster Linie für mich Beruf(ung), sonst wäre ich in meinem erlernten Beruf (Elektrotechnik) geblieben. Manchmal jedoch muss man aus reinem Selbstschutz die Sache als Job betrachten, sonst reibt es einen zu sehr auf.

gruß
Dinahr



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Marcell
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Beitrag von Marcell » So 15. Dez 2002, 15:47

Hallo

Schwieriges Thema ich selbst sehe meine Arbeit als "Job" ich übe ihn aus um Geld zu verdienen, würde ich es als Berufung sehen würde mir nichts an einer Bezahlung liegen. Das soll jedoch nicht heißen das ich mich für meinen Job nicht einsetze im Gegenteil Investiere viel Energie hinein und versuche andere mit zu reißen klappt nicht immer ok, aber man hat immer wieder Erfolgs Erlebnisse. Jedoch wenn ich die Tür hinter mir schließe nach Dienstschluss, ist auch Schluss für mich dann schalte ich ab und denke an etwas anderes als an die "Arbeit" Ich bin auch nur Mensch und keine Maschine und wenn ich mich selbst zugrunde aufopfere, ist niemanden geholfen. Drum sag ich auch NEIN wenn es wieder heißt Wochenende fehlt eine Kraft wenn ich schon 12 Tage Durch gearbeitet habe, dann muss ich auch an mich denken.

MFG

Marcell



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noch ne ehrliche Antwort

Beitrag von Jutti » So 15. Dez 2002, 22:07

Noch ne ehrliche Antwort:
Ich habe mir den Beruf auch ganz bewußt ausgesucht. Ich wollte keine Aktenberge von links nach rechts abarbeiten, das ist nicht mein Ding. Ich arbeite sehr gerne mit Menschen.
Aber auch ich habe gelernt, dass ersteinmal ich ein Mensch bin, mit Bedürfnissen und Gefühlen, mit Möglichkeiten, aber auch mit Grenzen. Und die gilt es klar zu erkennen.
Ich muss wissen, wo meine Grenze ist. Aufopferung dankt dir nämlich keiner, man ist so sehr ersetzbar und wird dann selber nicht aufgefangen.
Also habe ich mir klar Grenzen gesetzt, soweit und nicht weiter. Bin ich im Dienst, bin ich voll da, aber habe ich Feierabend, dann bin ich Jutta, Mensch mit vielleicht ganz anderen Bedürfnissen, die mir von der Arbeit sicherlich nicht erfüllt werden.

Grüße von Jutta



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Marcell
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Beitrag von Marcell » Mo 16. Dez 2002, 00:04

Hmmmmmm

An der ganzen Geschichte störe ich mich ja an einem Punkt dem "Danke". Warum erwarten wir die in der Pflege arbeiten eigentlich immer ein Danke? Wir werden doch für das was wir tun bezahlt, ob nun angemessen oder nicht sei mal dahingestellt. Verlangt ein Schweißer bei BMW von jedem BMW Fahrer den er trifft, ein danke dafür das er die und die Naht geschweißt hat? Pflege ist ein Job ein Job wie viele weitere, klar hat er etwas besonderes wir Arbeiten mit Menschen wir greifen Tief in ihre Privatsphäre ein. wir dürfen sie ein Stück ihres Lebens begleiten, bis zu ihrem Tode ein Stück zusammen leben. Aber was erwartet die Pflege? Jeden Tag ein Danke, Danke? Für mich ist es Motivation oder nennen wir es Dank, wenn mir ein Bew. entgegen lächelt. So haben wir eine Bew. wieder so mobil bekommen das sie Stundenweise aus dem Bett kann, wo es hieß die schafft das nie wieder und wenn sie dann mit ihrem Mann lächelnd über dem Flur fährt ist das für mich mehr als genug dank, da brauche ich keine verbale Bestätigung. Ich bin aus Überzeugung in diesem Job, habe dabei meinen Idealismus ganz schnell an der Reklamation gegen eine Mischung aus Idealismus und Realismus eingetauscht. Ich weiß was ich in meiner Situation bewirken kann und das nutze ich aus, es macht aber keinen Sinn mich in Dinge zu verbeißen die ich nicht umsetzen kann, da vergeude ich zuviel Energie. Die ich dann lieber verwende um mich in die Lage zu bringen das zu ändern was ich sonst nicht ändern könnte.

MFG

Marcell



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Re Berufung

Beitrag von doedl » Mo 16. Dez 2002, 12:22

Spannende Diskussion hier im Forum.

Hab auch ein paar Punkte-
ich denk mal jeder Beruf ist auch eine Art Berufung, denn bestimmte Talente sind dafür notwendig. Beruf soll Freude machen und nicht nur als Einkommensquelle gesehen werden, denn dafür verbringt man zuviel Zeit im Job.

Ich kenne viele Pflegekräfte, die ihren Beruf schon lange ausüben- die haben alle gelernt Grenzen zu ziehen, also auch mal NEIN sagen zu können. Michi hat es ja gut beschrieben, wohin der Weg geht, wenn man nicht auf sich selbst schaut.

In meinem eigenen Berufsleben hatte ich immer wieder Situationen, wo ich hart an meine Grenzen ging. Das geht aber nur eine sehr kurze Zeit, dann ist Feierabend.

Zu den dankbaren Vorgesetzten, hm, das scheint mir eine Illusion zu sein. Gerade in München- und dort bei einem speziellen Träger- ist bekannt, dass Mitarbeiter als Menschen nix zählen. Ist gottlob nicht überall so! So eine Erfahrung ist zwar schmerzlich, aber sie hilft auch weiter im künftigen Berufsleben. Es reicht oft schon, zu wissen, wie mans nicht machen soll.

Pflege ist eine Gratwanderung- einerseits die hoffnungslose Selbstüberforderung, andererseits die Abgestumpftheit. Reflektieren, wo stehe ich, sich über den eigenen Lebenssinn klarwerden, das hilft manchmal weiter. Pflege als Ersatzhandlung für sonstige menschliche Kontakte ist einfach nur gefährlich und wird zum Desaster führen.

In diesem Sinne lieben Gruss

Doedl


Wir müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen wollen- Mahatma Gandhi

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johannes
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will auch meinen Senf dazugeben

Beitrag von johannes » Mo 16. Dez 2002, 17:51

Ich finde die Frage nach Beruf und Job berechtigt und spannend.

Einen Job betrachte ich als etwas, bei dem es ausschließlich um Geld-verdienen geht. Da ist es egal, was man macht, Hauptsache, die Kasse stimmt. Bei einem Job kommt es eben nicht vorrangig auf Inhalte und Beweggründe an, die tiefer liegen, sondern wie gesagt auf die Kasse.

Ein Beruf hingegen hat für mich etwas mit einer inneren Übereinstimmung zu dem tun, worin man tätig ist. Aus dieser inneren Übereinstimmung wird die Tätigkeit anders ausgeführt, als wenn sie nur als Job begriffen wird. Mir wurde mehrfach in meiner beruflichen Praxis von Heimbewohnern gesagt: "Sie machen ihre Arbeit so ganz anders, als die anderen Mitarbeiter".

Ich denke, daß hinter dieser Aussage die Erfahrung steckt, daß derjenige, dem das gesagt wird zwar selbst nicht unbedingt merken muß, daß er anders arbeitet, dies aber von dem Empfänger dieser Leistung wahr genommen wird.

Auch was die Professionalität betrifft, hat die Sichtweise ob Job oder Beruf(ung) einen Einfluß. Während bei der Sicht als Job die professionale Funktionalität gesehen wird, kommt bei der Sicht als Beruf noch die innere Anteilnahme hinzu. Diese gibt der Tätigkeit das "gewisse Etwas", daß wie ein Funke auf den Betroffenen überspringt.

Wenn jedoch, wie hier in einigen Beiträge dargelegt, bei der Sicht als Beruf eine zu große Distanzlosigkeit postuliert wird wage ich, dem zu widersprechen. Auch bei einer inneren Beteiligung ist es nicht legitim, sich selbst in den Hintergrund zu stellen und nur den Betroffenen zu sehen (hier in der Pflege). Hier kann auch das christlliche Verständnis helfen, die Waage im Lot zu halten.

Christus sagte einmal: "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst." Er macht deutlich, daß die Überbetonung des Nächsten nicht in Ordnung ist. Kein Mensch ist in der Lage, auf Dauer mehr zu geben, als er für sich selber erhält. Das muß zur Katastrophe führen. Und dem trägt Jesus Rechnung, wenn er sagt: Gib nicht mehr, als Du selbst erhältst.

Nur, wer sich für sich selbst richtig einsetzt, ist in der Lage, auch dem anderen zu geben, was er braucht. Damit wird sowohl dem Mißbrauch der eigenen Person durch sich selber, als auch durch den Arbeitgeber oder dem Leistungsempfänger ein Riegel vorgeschoben.

Wenn aich das auf die Praxis übertrage, wie sie in meinem Hause geübt wird, bedeutet das, daß meine Mitarbeiter sind IN der Arbeitszeit voll für ihre Arbeit einsetzen, aber in ihrer Freizeit voll für sich selber und/oder ihre Familien einsetzen. Der Anspruch des Arbeitgebers und auch des Leistungsempfängers - hier des Bewohners MUSS am Dienstende des Arbeitnehmers seine Grenze finden.

Nur so bleibt die Freude an und die Liebe zur Arbeit und die Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers erhalten. Ein Narr, der sich über diese Prinzipien hinwegsetzt. Ich bin überzeugt, wenn sowohl der Arbeitnehmer seine Tätigkeit als Beruf(ung) erlebt, als auch der Arbeitgeber den Arbeitnehmer in so behandelt, daß es dem Betrieb in vielerlei Hinsicht zugute kommt. Einmal was das Wohlbefinden der Heimbewohner betrifft, dann was das Wohlbefinden des Arbeitnehmers betrifft. Beim Bewohner wirkt sich das dahingehend aus, daß er "pflegeleichter" wird, beim Mitarbeiter wirkt es sich dahingehend aus, daß er weniger krank wird und auch das Burn out-Syndrom sich nicht einstellt.

Aber das ist nur meine ganz unmaßgebliche Meinung.

Johannes


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Beitrag von Anja » Di 17. Dez 2002, 11:03

Ich habe als Beruf bewusst die Altenpflege gewählt, denn für mich kam etwas wie den ganzen tag in einenm Großraumbüro überhaupt nicht in Frage.

Ich wollte einen Beruf erlernen, in dem ich Kontakt zu anderen Menschen habe und mit Menschen arbeiten kann.

Ich stimme zu, dass unsere Arbeit als "Job" angesehen werden sollte, denn wer legt heute keinen Wert auf Lohn/Gehalt??

Als Berufung würde ich meine Arbeit nicht ansehen, obwohl ich am Arbeitsplatz immer alles gebe und mich natürlich auch einsetze aber es gibt gewisse Grenzen, wo ich dann sage bis hierher und nicht weiter!

An manchen Tagen fällt es mir noch schwer nach Dienstschluss abzuschalten, aber ich denke, das ist ein Lernprozess.

Ich bin mit Freude und Herz bei meiner Arbeit dabei und ich hoffe, dass ich mal nicht so betriebsblind werde, wie manche Kollegen, die schon sehr lange im Beruf sind!

Liebe Grüße Anja



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