Abgezockt und Totgepflegt

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Katharina
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Abgezockt und Totgepflegt

Beitrag von Katharina » Fr 2. Sep 2005, 13:05

Hallo!
Gestern lief in der Ard (ich glaube es war die Sendung "Monitor") ein bericht über einen Altenpfleger und wie er misstände (untertrieben!) aufdeckte. der hat ein buch geschreiben

wo er beschreibt, wie es in den heimen aussah, in denen er gearbeitet hat.
ISBN: 3430115728

die bilder gestern im TV waren schockierend! eine dame hatte dekubiti an verse, po und noch wo am fuß. schreicklich sowas. grade habe ich ihn in einem interview im WDR2 gehört und mir dann gedacht, dass doch hier mal zu posten. Ich habe mir das Buch grade bestellt. koste 16.95 und man zahlt bei amazon für bücher keine versandkosten.

Was sagt ihr dazu? kennt ihr solche fälle? (natürlich ohne namen zu erwähnen.-..) ich kann bis jetzt zum glück sagen, dass ich sowas noch nicht erlebt habe, dass die nachtschicht um 4 uhr nachts (!!!) schon mit der morgenpflege anfängt, damit die Frühschicht entlastet wird.... bei uns ist es eher so, dass die nachtschicht entlastet wird, in dem wir kurz vor schichtende abend noch eine kontrollrunde machen und bettlägerige lagern und vorlagen kontrollieren...

das war erstmal alles, was ich los werden wollte. jetzt seit ihr dran.

Liebe grüße, katharina



Katharina
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Beitrag von Katharina » So 4. Sep 2005, 10:11

Wir fangen mit der Pflege (je nach WB) ab 6.45 circa an. Wenn halt Bewohner da sind, die zur dialyse früh morgens müssen beginnt einer mit der Pflege scho um 6.30 -logisch. Das mit dem Katheter habe ich bislang nur im KH so erlebt. Besonders bei Inkontinenten Pat. Wir sehen i.d.R immer zu, dass die BW, die aus dem KH kommen, ihren DK schnell wieder los werden, sofern das das möglich ist und der Katheter nicht durch andere Indikationen notwendig erscheint.

Ich bin jedenfalls total auf das Buch gespannt, bin aber total Froh, dass es in dem Haus nicht so läöuft, wie der gute Herr beschreibt.

Kann man da eigentlich nix gegen tun? Also wenns mal wo passiert? Klagen? Kündigen? Verweigern?

Liebe grüße


Was uns befreit, das muss stärker sein als wir es sind! :smile

Katharina
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Beitrag von Katharina » So 4. Sep 2005, 17:36

kann das alles was mit dem bekannten "Pflege(r)notstand" zu tun haben?


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wundmentor
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RE: Abgezockt und Totgepflegt

Beitrag von wundmentor » So 4. Sep 2005, 21:34

Hallo,

habe den Bericht auch nicht gesehen, aber das gefunden:

http://www.br-online.de/umwelt-gesundhe ... /index.xml

Leider keinen Real Player installiert, kann mir die Interviews nicht anhören.

Was zum Lesen:
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.ph ... 38&sid=134

Was zum Sehen:
http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,31 ... 44,00.html

Gruss wundmentor


Alt zu werden,
ist nun mal die einzige Methode, um lange zu leben!!

Anja
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Beitrag von Anja » Mo 5. Sep 2005, 11:53

bei uns sind "Nachtwaschungen" strengstens untersagt. Natürlich gibt es auch Bewohner, die sich um 5 Uhr morgens schon waschen wollen aber das sind einzelne!

In der Regel beginnen wir mit der Körperpflege bei den Bewohnern zwischen 6:30 Uhr und 6:45 Uhr und ich denke, das ist angemessen.

Was der Herr Breitscheidel herausgefunden hat ist natürlich schrecklich und für die Medien ein gefundenes Fressen!!

Wäre es nicht auch mal schön über positive Aspekte in der Pflege zu berichten. Es gibt doch nicht nur negatives über die Pflege! Leider interessiert das die Medien nicht so wie Misstände o.ä.

Schade

Gruß Anja



Katharina
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Beitrag von Katharina » Mo 5. Sep 2005, 14:17

Bin ganz deiner Meinung, Anja!
Man sollte im TV auch mal positive sachen am AH zeigen.

heute ist das buch eingetrudelt...bin mal bespannt*g*

lg


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Katharina
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Beitrag von Katharina » Mo 5. Sep 2005, 20:16

naija, und wenns doch ne Schwerde war?
dann möchte ich dazu sagen, dass es keines falls meine Absicht war, die Altenpflege und alles was damit zu tun hat (heime etc.) in ein schlechtes licht zu rücken. im gegenteil, ich habe versucht, meinen Unmut über die tatsachen die leider immer wieder passieren klar zu machen. ich habe im Februar mein examen, für mich ist die altenpflege eine art berufung, leidenschaft! ja, ich liebe meinen job!

"Pflege heißt helfen" <-- ein starker und ausdrucksvoller satz, meiner meinung nach.

Let´s live in peace - TOGETHER!

Was da passiert ist sollte meiner Meinung nach aber auch nicht totgeschwiegen werden, es ist LEIDER realität. Aber im gleichen atemzug MUSS man einfach sagen, es geht auch anders...wie es in tausenden einrichtungen jeden tag wunderbar gezeigt wird. ich hoffe ihr versteht mich richtig!

das wars erstmal von meiner seite.


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Snoopy77
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Beitrag von Snoopy77 » Mo 5. Sep 2005, 20:26

hallo katharina,
ich gebe dir voll recht.tragische dinge die schon fast zur realität gehören sollten nicht totgeschwiegen werden und aber auch gleich positive seiten gezeigt werden.
ich habe mir grade das vom wundmentor angehört und ich bin schon schon erschrocken,aber auch ich habe in einer einrichtung schon gearbeitet in dem es zuging wie die hotten totten bzw. es ist dort etwas gelaufen was auch nicht rechtens war.bin daher froh dort nicht mehr zu arbeiten zu müssen.
gruss luci


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Katharina
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Beitrag von Katharina » Mo 5. Sep 2005, 21:25

na dann is ja alles klar :D 8)


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ilios1966
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Beitrag von ilios1966 » Do 8. Sep 2005, 23:42

Hallo,habe jetzt mehrfach gelesen,dass MA die Missstände sehen,in dem Haus aufhören würden zu arbeiten,bzw.froh sind dort nicht mehr zu arbeiten....blicke dem etwas skeptisch entgegen,denn ich glaube ,dass Veränderungen nur gehen wenn man im System steckt und solche Dinge artikuliert und versucht zu beheben.

Oft geschehen Dinge aus Unwissenheit,Angst,Rudeldenken,Routine,Betriebsblindheit..alles Aspekte die der Sache die Spitze nehmen es würden viele Dinge unter Vorsatz geschehen.Ich glaube,dass dies selten der Fall ist

.Wenn ich aber sehe wo Mängel sind,glaube ich,dass wenn es richtig an den richtigen Menschen weitergetragen wird,viele Dinge auch zu ändern sind.Ich glaube nicht,dass alles nur am Pflegenotstand liegt.Leider laufen immer noch zu viele Fachidioten herum die schlichtweg keine Ahnung haben

.Darum mache ich die Ausbildung ,ich will Dinge zum positiven verändern können,das kann ich nur wenn ich weiss wovon ich rede und wenn ich im Haus einen gewissen Status habe.Leider ist dies oft noch so.

Also Ärmel hoch gekrempelt und angefangen selber etwas zu verändern,denn wegschauen,ignorieren oder weglaufen verändert nichts.Lieber Gruss ilios


Ich bin nicht nur für das verantwortlich was ich sage,sondern auch für das was ich nicht sage!

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doedl
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Beitrag von doedl » Sa 10. Sep 2005, 00:01

Hallo Alle

ich hab hier im Forum schon mehrfach zu solch "medienwirksamen" Sendungen Stellung genommen- es gibt sie sicherlich, die tiefschwarzen Schafe in der Altenpflege. Allerdings komme ich durch meinen Job sehr viel in der Altenpflegelandschaft herum und kenne auch die andere- weit überwiegend bessere Seite.

Ich finde es sehr schade, dass durch die einseitige Berichterstattung immer wieder der Eindruck entsteht, als sei Altenpflege in Deutschland ein Geschäft, in das nur Abzocker und Menschenverachter einsteigen.

Was mich empört, ist die Tatsache, dass unsere Rahmenbedingungen einfach totgeschwiegen werden. Ich komme heute von einem Seminar zurück, welches ich in Thüringen hielt_ die Kollegen dort arbeiten unter einem enormen wirtschaftlichen Druck und haben trotzdem den Anspruch, gute Pflege zu leisten( ich spreche von Geschäftsführern, Heimleitern, PDLS und WBLS). Diese Anstrengungen finde ich nicht in der Berichterstattung unserer Zeitungen, Fernsehanstalten!!

Seit Jahren werden die Anforderungen in der stationären Pflege- bundesweit- durch den Ausbau der ambulanten und häuslichen Pflege schwieriger; das Klientel im Heim wird immer älter, verwirrter, multimorbider. Trotz allem finden sich Menschen, die diese Herausforderung annehmen- sowohl Mitarbeiter, wie auch Träger.

Die ambulanten Dienste kämpfen mit immer mehr Beschneidung der Leistungsvergütung von Seiten der Kostenträger- und mit einer enormen Konkurrenz von Dienstleistungserbringern aus Polen- ob legal oder nicht, mag ich nicht beurteilen.

Nehmen wir noch die zunehmende Bürokratie dazu- ein Thema, welches abendfüllend wäre. Jahrelang werden Anforderungen raufgeschraubt- bis der Aufschrei durch die Altenpflege geht. Was passiert? Es wird ein runder Tisch zur " Entbürokratisierung in der Pflege" gebildet. Ich werde mich beim Ministerium für Gesundheit und Soziales zur Mitarbeit bewerben; weil mir der blanke Wahnsinn langsam auf den Senkel geht. Wenn wir heute von 30% nicht pflegerischer Arbeit unserer Kollegen an der Basis sprechen, dann frag ich mich schon- quo vadis Altenpflege...?? Diese Zeit wird den BewohnerInnen schlichtweg gestohlen, denn wir verhandeln nunmal keine Dokumentation, Qualitätszirkel, Hygienebeauftragten, Wundmanager, Schmerzmanager, Sicherheitsbeauftragten und wie die überaus wichtigen Stabsstellen noch heissen........ wir verhandeln Pflegezeiten!!

Machen wir uns doch nichts vor- von politischer Seite ist die Abkehr vom Sozialsystem hin zum marktwirtschaftlich orientierten Gesundheitssystem gewollt- mangels finanzieller Mittel diesen Sozialstaat länger finanzieren zu können. Die Altenpflege und Reha hat es als erstes zu spüren bekommen; die Krankenhäuser ziehen mit den DRGs grade nach.

Wenn wir schon von "Tätern" sprechen, so sucht diese bitte in Berlin.... dort wurde nämlich in wirtschaftlich guten Zeiten schlichtweg verpennt, dass unsere demografische Entwicklung durchaus voraussehbar war (lieber Gott, ich hab das schon 1975 in meiner Ausbildung gehört !!!)

Wahlpolitisch ist es halt mal richtig PLÖT, rechtzeitig die Sparbremse reinzuhauen; sowas kommt bei Wählern nicht sooo gut an. Ist der Karren im Dreck, kann jede Partei der anderen etwas am Zeug flicken, denn wo die Ursachen genau zu finden sind, das weiss die Wählerschaft nach 3 Jahrzehnten eh nicht mehr (so scheint mir die Denke von Politikern)

Die Art der Berichterstattung schadet nur- noch mehr Unsicherheit bei Senioren, deren Angehörigen; der Altenpflege wurde einmal mehr ans Bein gepinkelt.

Grummel, ich hab mich mal wieder weit aus dem Fenster gelehnt- seis drum.

Gruss Doedl


Wir müssen die Änderung sein, die wir in der Welt sehen wollen- Mahatma Gandhi

Jutta und Peter
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Beitrag von Jutta und Peter » Sa 10. Sep 2005, 00:14

Hallo zusammen!

Wir haben das Buch bereits gelesen und finden es gar nicht mal schlecht. Soll jetzt aber nicht heißen, daß aus den geschilderten Erfahrungen Rückschlüsse auf ALLE Heime und Pflegekräfte gezogen werden können!!! Vielmehr scheint es symptomatisch zu schildern, welchen Stellenwert die Pflege alter und kranker Menschen in der Gesellschaft tatsächlich hat. Auf den Punkt gebracht: "Jeder" will eine menschenwürdige Pflege, aber keiner will so recht dafür bezahlen; die einzigen, die sich gegen das "System" stemmen und notgedrungen scheitern müssen, sind die Pflegekräfte vor Ort.

Inhaltlich schildert der Autor ziemlich differenziert, indem er nicht nur die erlebten Mißstände aufzeigt, sondern auch deren Ursachen: Das rigide Zeitmanagement, das durch äußerst knapp bemessene Vorgaben verursacht wird; arbeitgeberseitige Sparmaßnahmen; Überforderung und Unterqualifizierung der Pflegekräfte; Existenzängste der Beschäftigten, die wirksamen Widerstand verhindern.

Der Autor läßt eine jener Pflegekräfte, die die Zustände mittragen, sinngemäß wie folgt zu Wort kommen: "Natürlich würde ich gerne vieles anders machen und kann die Zustände eigentlich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Aber ich bin auf diese Arbeit angewiesen. Nach Feierabend kann ich nur abschalten, indem ich mich betrinke."

Vereinzelte Begebenheiten des Buches hat wahrscheinlich sogar jede/r selbst erlebt: Einem Bewohner/Patienten, der Zuwendung braucht, sagen, daß man keine Zeit habe; Tätigkeiten dokumentieren, die (aus welchen Gründen auch immer) in Wirklichkeit gar nicht erbracht wurden usw..

Methodisch ist zu kritisieren, daß der Autor jeweils das "erstbeste" Angebot des Arbeitsamtes angenommen hat. Wir meinen, daß hier jeweils die "Dauerbrenner" des jeweiligen Sachbearbeiters vermittelt wurden, die stets ganz oben auf dem Angebotsstapel liegen, weil in den betreffenden Heimen nicht von ungefähr eine hohe Fluktuation herrscht. Eben wegen den mangelhaften Arbeitsbedingungen. "Gute" Heime haben halt eine geringere Fluktuation und sind daher nicht auf jeden "x-beliebigen" Arbeitsamt-Bewerber angewiesen, oder?

Unseres Erachtens sollte das Buch Pflichtlektüre bei allen "Schön-Rednern" in Parteien, Kostenträgern, Sozial- und Arbeitgeberverbänden werden.

Gruß


Jutta und Peter
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