Abgezockt und Totgepflegt

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claridge
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Beitrag von claridge » Do 6. Okt 2005, 12:27

Mir sind solche Zustände wie sie in dem Buch beschrieben sind absolut nichts fremdes.
ilios1966 schrieb:Hallo,habe jetzt mehrfach gelesen,dass MA die Missstände sehen,in dem Haus aufhören würden zu arbeiten,bzw.froh sind dort nicht mehr zu arbeiten....blicke dem etwas skeptisch entgegen,denn ich glaube ,dass Veränderungen nur gehen wenn man im System steckt und solche Dinge artikuliert und versucht zu beheben.
Nur: Wenn man gemobbt wird, jeden Tag sich unter den miesesten Zuständen aufreiben muß, so gut wie keine Freizeit mehr hat, keine Rückendeckung bekommt, wer soll da noch die Kraft haben gegen Windmühlen anzurennen? Da kann ich jeden verstehen der froh ist solch einem Laden entronnen zu sein.
Nicht verstehen kann ich die zuständigen Stellen die nichts gegen die Mißstände unternehmen.
Nicht verstehen kann ich den Schrei der Empörung der durch ganze Reihen von Pflegekräften geht wenn solche Zustände aufgedeckt werden. Die am schreien und zetern sind man solle doch die Pflege nicht schlechtreden.
Dazu kann ich nur sagen: Wer sich den Schuh anzieht dem passt er auch!
Nicht verstehen kann ich das Kollegen die trotz allem die Kraft finden gegen schlimme Zustände anzugehen als Nestbeschmutzer betrachtet und bezeichnet werden.
Nicht verstehen kann ich Heimbetreiber die Kollegen die wegen ihrer Aktivitäten gegen schlechte Zustände woanders gekündigt wurden gerade deswegen nicht einstellen.
Ich will nicht alle Einrichtungen über einen Kamm scheren. Ich kenne auch gut geführte und es gibt mit Sicherheit viele davon. Aber es sollten schlimme Zustände auch beim Namen genannt werden und angeprangert werden!
Leider laufen immer noch zu viele Fachidioten herum die schlichtweg keine Ahnung haben, schrieb ilios1966
Dem kann ich mich nur anschließen! Leider ist es meistens in besagten schlechten Einrichtungen der Fall. Denn die anderen schauen schon darauf das sie gut geschultes Personal bekommen.



Dirk Höffken
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Anmerkungen

Beitrag von Dirk Höffken » Fr 7. Okt 2005, 22:03

Hallo,

dieses Thema schlägt ja nun hohe Wellen.

1. Unabhängig von meiner persönlichen Meinung zu diesem Buch: Schaut man z.B. bei Amazon finden sich unzählige Bücher die Missstände anprangern. Beispiele?

- Nieten in Nadelstreifen von Günter Ogger
- Bedingt dienstbereit von Norbert Juretzko, Wilhelm Dietl
- Korruption in Deutschland von Britta Bannenberg, Wolfgang J. Schaupensteiner
- Versager im Dreiteiler von Rainer Steppan
- Die Stümper von Thomas Wieczorek
- Die Krankmacher von Werner Bartens
- Die Liste kann man über alle Themen ohne Probleme ergänzen

Nun mag jedes Buch mehr oder weniger Wahrheit enthalten, dieses unkritische induzieren scheint mir aber dann doch etwas daneben. Wie hat Deutschland und die Menschheit bei soviel Unfähigkeit bisher nur überleben können?
@Björg
... „Eine Bekannte PDL hat sich umgebracht, weil sie dem beruflichen Druck nicht mehr gewachsen war und sie hatte sich weiß Gott für ihre Einrichtung eingesetzt.“ ...
Das ist bedauerlich! Ich bin einer der letzten die kein Verständnis für solche Menschen hat. Wer sich aber auf einen solchen oder ähnlichen Job einlässt muss lernen mit dem psychischen Druck umzugehen. Sonst ist er ein bisserl fehl am Platze!
@Björg
.... „....Ich zweifle langsam wirklich daran ob ich den richtigen Beruf gewählt habe. Ich wollte einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen, mit der Pflege alter Menschen EHRLICH mein Geld verdienen. Was soll das alles?“ ...
Alle sind wieder schuld nur man selbst nicht! Es gibt:

- Berufsverbände
- Gewerkschaften
- Parteien
- Presse
- u.s.w..

Na dann los! Meine Meinung z.B. zu den Fördervereinen für Pflegekammern ist ja bekannt. Aber immerhin tun dieses Pflegekräfte etwas zur Entwicklung ihres Berufstandes. Das ich damit nicht einverstanden bin steht auf einem anderen Blatt.


Mit freundlichen Grüßen

Dirk Höffken



claridge
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Beitrag von claridge » Do 13. Okt 2005, 12:37

Rica schreibt: Sicher ist der Druck enorm und der zitierte Satz erscheint auf den ersten Moment unsensibel.
Aber haben wir Pfleger nicht alle in der Ausbildung in Psychologie von Krisen-Bewältigungskompetenz gelernt?

Auch wenn alles über einem zusammenbricht, sollten wir immer noch in der Lage sein, uns Hilfe holen zu können oder die Notbremse zu ziehen und für uns selbst zu sorgen.

Tut mir leid, aber das halte ich für gelinde gesagt etwas naiv. Ich kann mich nur zu gut erinnern wie wir auf solche Zustände vorbereitet wurden wärend der Ausbildung. Aber das was wir anschließend erleben konnten hat keiner von uns erwartet. Ich habe im Laufe der Jahre viele Kollegen erlebt die das Handtuch geworfen haben. Die entweder nie wieder etwas mit Pflege zu tun haben wollen oder wenn sich die Möglichkeit auftat einfach vorzeitig in Rente gegangen sind. DAS IST DIE REALITÄT!
Und wenn jemand systematisch in den Selbstmord getrieben wird das einfach abzutun und zu sagen ist halt Pech hätte sich mal 'nen anderen Job suchen sollen ist schon ganz schön daneben!
Björn schreibt: Geld vermehren kann ich nur solange ich vor dem MDK, der Heimaufsicht, manchen Angehörigen ect. meine Ruhe habe. Wird ein Heim wegen solcher Missstände geschlossen..wird auch kein Geld mehr vermehrt.
Das ist so nicht ganz richtig. Ich kenne Häuser wo die Betreiber alle Nase lang wechseln. Diese Einrichtungen werden als Abschreibeobjekte verwendet. Dort hat keiner Interesse daran eine vernünftige Pflege zu betreiben. Aber Björn will sich ja eh an einen Betriebswirtschaftler wenden. Dieser kann ihn dann darüber aufklären wie das geht.
Und ansonsten: Wem die Zustände wie sie hier bei uns vorherrschen nicht gefallen soll sich gefälligst organisieren und nicht nur zetern!
http://www.gewerkschaft-big.de/
und
http://portal.verdi.de/



pflegeassi
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Beitrag von pflegeassi » Mi 19. Okt 2005, 17:57

Trauriges Schlusswort:

Es wird nur an kranken Menschen Geld verdient.
Wenn du sie gesund pflegst und sie werden von beispielsweise Pflegestufe III auf II zurückgestuft, verdient keiner mehr was dran.

Hier muss das system geändert werden.
Prämien, wenn der Pat./Bew seinen Zst verbessert.

Man sollte denken, dass man dann auch weniger Ausgaben hat,
wer hätte das gedacht. Ironie dieses System.

traurig traurig traurig



pflegeassi
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Beitrag von pflegeassi » Mi 19. Okt 2005, 17:58

Pressemitteilung zum Buch "Abgezockt und totgepflegt"
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK) begrüßt, dass das Tabuthema Pflege in Pflegeheimen im Buch von Markus Breitscheidel im ECON Verlag aufgegriffen wird. Das Buch schildert die Situation in deutschen Pflegeheimen 1999. Es wird deutlich, dass es erhebliche Unterschiede in der Qualität der Betreuung und Pflege gab und leider immer noch gibt. Unterschieden werden muss, wo strafrechtlich relevante Situationen bestehen, wo Missmanagement vorliegt und wo das System mit seinen Schwächen gesellschaftlich toleriert wird.

Besonders deutlich wird in dem Buch, dass ein grundsätzlicher Zusammenhang besteht zwischen Qualifikation der Pflegenden und Personalausstattung einerseits und Qualität der Pflege andererseits. Wo die Pflege fast ausschließlich durch (wenig) nicht ausgebildetes Hilfspersonal - häufig Ausländer, Langzeitarbeitslose oder sozial Schwache, die diesen Beruf nur aus Not ausüben - erbracht wird, muss niemand überraschen, dass die Menschen in den Heimen verwahrlosen oder misshandelt werden. Dass diese Menschen in ihrer Abhängigkeit nicht gegen Missstände aufbegehren ist nachvollziehbar. Pflegen kann eben doch nicht jeder!

Die professionelle Pflege verfügt über Konzepte und Methoden, für die unterschiedlichsten Bedürfnisse alter und/oder pflegebedürftiger Menschen. Diese müssen aber gewollt sein, das heißt bezahlt werden. Nur eine Investition in die Qualifizierung von Pflegenden, ausreichende Personalschlüssel und eine konsequente Qualitätssicherung können eine menschenwürdige Pflege und eine hohe Lebensqualität im Alter gewährleisten.

Dies zu schaffen, bedarf einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion und Entscheidung und einer Gesundheits- und Sozialpolitik, die entsprechende Prioritäten setzt.

Der DBfK ist die berufliche Vertretung von Altenpfleger/innen, Gesundheits- und Krankenpfleger/innen und Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen. Er vertritt die deutsche Pflege im International Council of Nurses (ICN), im EU-Pflegeverband (EFN) und ist WHO-Collaborating Center Pflege. Er ist Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR) und Träger des Deutschen Bildungsrates für Pflegeberufe.

Franz Wagner MSc
Bundesgeschäftsführer



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johannes
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RE: Christentum & Egoismus

Beitrag von johannes » Mi 19. Okt 2005, 22:31

Sehr geehrter Herr Höffken,

mir scheint, Sie kennen den Unterschied von christlichen Tugenden, die von Christen gelebt werden und Religionen nicht, wenn Sie hier Ihre Kommentare zum Besten geben. Christen sind Menschen, die bei aller persönlichen Unzulänglichkeit nach den göttlichen Prinzipien leben, in denen - neben anderen Prinzipien - die Hinwendung zum Nächsten das zentrale Anliegen in der zwischenmenschlichen Beziehung ist. Daß diese Prinzipien in der heutigen, nachchristlichen Zeit nur noch von wenigen gelebt werden, habe ich meines Wissens deutlich zum Ausdruck gebracht.

Christliche Arbeitgeber gehen auch anders mit ihren Mitarbeitern um, als Sie dies beschreiben. Sie leben eben nach anderen Prinzipien, als Sie sie offensichtlich kennen. Egoismus ist meines Erachtens ein grundlegender und überlebensnotwendiger Trieb des Menschen, der ohne Gott lebt. Ein Mensch, der mit Gott lebt, hat diesen Egoismus nicht nötig! Wenn Sie von sich selbst schreiben, dass wir alle auf dem Rücken der Schwachen leben, mag das ja zutreffen. Ich habe andere Lebensprinzipien und lebe danach, so gut es in dieser Gesellschaft möglich ist.

Vielleicht ist es besser, Sie schreiben von Dingen, die Sie verstehen und nicht von jenen, die Ihnen bereits vom Ansatz her fremd sind.

Mit freundlichen Grüßen

Johannes Paetzold


Ein Mensch existiert nicht - er lebt!
Keiner ist so blind wie der, der nicht sehen will.
Ich vertrete nicht immer die herrschende Meinung - aber ich habe eine Meinung!
Einer sucht für ein Problem eine Lösung - ein Anderer sucht für eine Lösung ein Problem

februar
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abgezockt......

Beitrag von februar » Mi 19. Okt 2005, 22:43

hallo erst einmal auch ich gehöre zu den neuen :D . ich habe leider auch nur bruchstücke im fernsehen gesehen und frage mich die ganze zeit, wie ist das eigentlich gelaufen, wurden da erfahrungen nur gesammelt und anschliessend in einem buch zusammengefügt,oder sind da auch meldungen an heimaufsicht ,mdk gegangen zu dem zeitpunkt als diese dinge passiert sind??? es wäre ja wohl voll daneben um diese schlimmen dinge zu wissen und nichts zu unternehmen. so ein buch schreibt sich ja auch nicht mal ebend und man braucht zeit. zeit in der man diese gefährliche pflege hätte abstellen können. aber wie schon erwähnt weiss ich nicht wie es gelaufen ist. auf jeden fall gehört schon eine menge mut dazu .es bringt nur nichts diese dinge immer wieder anzuprangern und keine möglichkeiten zu schaffen eine veränderung herbeizuführen. das würde konkret heissen, weniger profit für die betreiber, mehr personal um eine menschenwürdige pflege durchzuführen.



Mia
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abgezockt und totgepflegt

Beitrag von Mia » Do 27. Okt 2005, 16:51

Hi!
Wollt mich mal umhören, wie so die allgemeinen Meinungen zu diesem Buch von Markus Breitscheidel sind. Lohnt es sich dieses Buch anzuschaffen und es zu lesen?
Und wenn ja, hat jemand dieses Buch vielleicht schon durch und will es wieder loswerden?

Mfg

Mia



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