Suizid im Alter

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johannes
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Suizid im Alter

Beitrag von johannes » Fr 6. Sep 2013, 15:42

Liebe Pflegenetzgemeinde,

ich würde mich über eine angeregte Diskussion zu diesem Thema freuen. Bin für Hinweise, Anregungen und Verbesserungen offen. Falls es erforderlich ist, würde ich den Beitrag selbstverständlich überarbeiten und Eure Ideen mit einbringen.

http://www.altenpflege-heute.com/wissen ... -im-alter/


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Ich vertrete nicht immer die herrschende Meinung - aber ich habe eine Meinung!
Einer sucht für ein Problem eine Lösung - ein Anderer sucht für eine Lösung ein Problem

Thanos

AW: Suizid im Alter

Beitrag von Thanos » Fr 6. Sep 2013, 17:21

Hallo,

ich habe mir das Dokument durchgelesen und möchte mich mal dazu äußern. Ich möchte hier nur auf einige wenige Punkte eingehen, nicht auf alles was mir aufgefallen ist, dazu fehlt mir einfach die Zeit und auch der Nerv alles aufzuschreiben, ggf. Kommentare in das Dokument einzufügen.

Formal gefällt mir der Einstieg nicht, es gibt keine Einleitung, kein Hinweis um was es geht, was das Anliegen ist. Mir fehlt eine Gliederung. Es gibt mehrere Formfehler und Formatierungsfehler. Es fehlen zum Teil Quellenangaben, oder aber der Hinweis dass es Deine eigenen Überlegungen sind. Quellen sind teilweise nicht richtig markiert oder zitiert.

Zum Inhalt
Auf den ersten beiden Seiten kommst Du mit Behauptungen daher die aus meiner Sicht nicht haltbar sind. Das fängt schon mit dem Wort Selbstmord an und hört auf mit Deinen Aussagen zum Thema Religion und Evolutionstheorie.

Seite drei ist eher so eine statistische Angelegenheit, die Interpretation ist teilweise nicht tiefgründig genug, die Fachliteratur geht da weiter als Du und bietet dazu dann auch gleich noch Schlussfolgerungen und stellt Hilfeangebote vor.

Seite vier ist so der Übergang in Richtung Pflege und hier fehlen mir persönlich so als Einstieg die rechtlichen Aspekte die Pflegende beachten müssen. Du beschreibst auch Erkennungszeichen für möglichen Suizid, gibt hier aber nicht an, dass es dazu ein evaluiertes Assessmentinstrument gibt.

Seite fünf erwähnt wieder den suizidwilligen Menschen, geht Du hier nur von denen aus die sich freiwillig selbst töten wollen? Was ist mit denen die das unfreiwillig machen, den psychisch Kranken? Auch ein psychisch Kranker kann einen freien Willen haben, auch ein schwerst Kranker kann seinen freien Willen haben und äußern, hier muss keine Fremdbestimmung vorliegen.

Seite sechs und sieben und acht sind ja ganz informativ, aber bitte was tut ich nun konkret als Pflegekraft wenn jemand sagt er will sich umbringen?
Jeder Mensch ist ein Individuum, jede Situation sollte auch objektiv betrachtet werden und nicht verallgemeinert werden. Du beschreibst gerade auf Seite sieben Sachen wo die Quellen fehlen, einige Sache sind hier auch schlicht ein Kratzen an der Oberfläche und können somit das ganze Gegenteil von dem bewirken was beabsichtigt ist. Der Punkt Zuwendung ist hier aus meiner Sicht nicht ganz passend. Der Punkt Musik und auch die emotionale Einbindung sollte überarbeitet werden. Musik kann gut sein, kann aber auch viel kaputt machen. Angehörige sind auch nur Menschen die Grenzen haben. Auch der Punkt Aufarbeitung traumatischer Erlebnisse bedarf der dringenden Überarbeitung.

Seite neun und zehn. Es ist gut, dass Du auch beschreibst was nach dem Suizid bedacht werden soll, es fehlt jedoch was passiert wenn ich jemand antreffe der kurz davor steht oder der dabei ist.
Dir fehlt die Suizidprophylaxe im vollem Umfang.

Es ist Dein persönliche Meinung, teilweise sehr gewagt, für mich teilweise nicht nachvollziehbar, teilweise auch ohne Bezug zur aktuellen Fachliteratur oder gar sogar dieser wiedersprechend.



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johannes
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AW: Suizid im Alter

Beitrag von johannes » Fr 6. Sep 2013, 21:42

Hallo Thanos,

aufgrund Deiner Ausführungen ist vielleicht anzumerken, dass ich hier keine wissenschaftliche Ausarbeitung abgefasst habe. Ich hätte mich wohl genauer zur Entstehung und zum Zweck dieser Ausarbeitung äußern sollen - sorry.

Auf dem Hintergrund, dass sich die für Pflege zuständigen Behörden in letzter Zeit mit diesem Thema befassen, rechne ich künftig mit entsprechenden Forderungen zu entsprechenden Maßnahmen. Dadurch denke ich, wird es auch für uns in der Altenpflege interessant. So sind meine ersten Überlegungen zu diesem Thema entstanden.

Im Augenblick habe ich wohl nicht die Zeit, mich näher mit Deinen Kritikpunkten auseinander zu setzen. Vielleicht kommen ja auch in den nächsten drei Wochen (Urlaub) noch ein paar konstruktive Vorschläge dazu. Sobald ich mit den anstehenden praktischen Aufgaben im Betrieb dann wieder auf dem Laufenden bin, kann ich mich diesem Thema wieder widmen.

Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn das Thema für alle User gewinnbringend umgebaut werden sollte. Es ist ja nur ein - zumindest für mich - Anfang. Wenn das Endergebnis eine für alle Beteiligten praktikable Arbeitshilfe geworden ist - durch das Mitwirken aller - habe ich mein Ziel erreicht.

Dieses Pflegenetz schätze ich auch wegen seines Mottos:

Miteinander statt gegeneinander


Ich denke, auch dieses Thema kann zu einem positiven Miteinander führen.

In diesem Sinne


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AW: Suizid im Alter

Beitrag von Maja2003 » Fr 6. Sep 2013, 22:56

Ich habe mir dein Werk auch durchgelesen und kann dem nur zustimmen was Thanos so schön ausführlich niedergeschrieben haben.

Die ersten beiden Seiten sind für mich auch nicht haltbar. Das klingt eher wie die Predigt eines Pfarrers, der sich für seinen Glauben einsetzt.

Die Passage mit Selbstmordversuche - Hilferuf - scheinbare Sinnlosigkeit des Lebens
Da muß ich dir widersprechen. Was dir als Sinnlosigkeit erscheint, muß mir nicht sinnlos sein. Ich sehe den Suizid als legitimes Mittel an, wenn ich mein Leben nicht mehr so leben kann, wie ich das will.

Der Part auf Seite 8 mit Einzelzimmer - Isolation finde ich sehr bedenklich.
Es gibt Menschen, die Einzelzimmer aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur benötigen und es gibt Menschen, für die ein Einzelzimmer nicht die richtige Wahl wäre. So wie du schreibst, klingt das so, als wärest du ein Gegner der Einzelzimmer.
Für mich persönlich ein erschreckender Gedanke. Endlich hat man die Chance, Einzelzimmer zu bekommen, da kommen Thesen auf, das dies überhaupt nicht gut sein kann. Es kommt doch auf die Individualität des einzelnen an.

Es gibt viele Passagen, die vermutlich deiner persönlichen Einstellung entsprechen. Mir ist das ganze zu unflexibel. Unsere Einstellungen driften weit auseinander. Du scheinst den Suizid auf jeden Fall unterbinden zu wollen, weil ein Suizid nicht in deine persönlichen Vorstellungen passt. Es klingt nicht danach, dass du einen Suizid akzeptieren wirst.

Ich denke, jeder hat das Recht auf Suizid. Jeder hat das Recht, selbst zu bestimmen, wann für ihn die Grenze des lebbaren erreicht ist.
Ich meine hiermit nicht die typischen "Hilferuf-Suizidversuche."



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johannes
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AW: Suizid im Alter

Beitrag von johannes » Fr 13. Sep 2013, 20:31

Wer erwartet schon dass jeder mit meinen Überlegungen einverstanden ist? Ich jedenfalls nicht. Dafür leben wir in einer viel zu pluralistischen Gesellschaft. Mit Vorurteilen ist allerdings der Thematik auch nicht gerade gedient (klingt eher wie die Predigt eines Pfarrers).

Widersprechen ist immer gut. "Ich bin zwar dagegen, aber ich weiß - oder sag - nicht, warum ..., Hauptsache, dagegen." Das ist zwar auch ein Standpunkt, aber ob er in der Thematik weiter bringt ...
Der Part auf Seite 8 mit Einzelzimmer - Isolation finde ich sehr bedenklich.
Es gibt Menschen, die Einzelzimmer aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur benötigen und es gibt Menschen, für die ein Einzelzimmer nicht die richtige Wahl wäre. So wie du schreibst, klingt das so, als wärest du ein Gegner der Einzelzimmer.
Für mich persönlich ein erschreckender Gedanke. Endlich hat man die Chance, Einzelzimmer zu bekommen, da kommen Thesen auf, das dies überhaupt nicht gut sein kann. Es kommt doch auf die Individualität des einzelnen an.
Ist schon interessant, wie Deine Ausführungen zur Thematik passen ... Ja, es ist ein erschreckender Gedanke, dass jemand gerade, weil er sich in einem Einzelzimmer befindet, in eine ausweglose Situation geraten kann und niemand da ist, der ihm zur Seite stehen könnte.

Nein, ich bin gewiß kein Gegner der Einzelzimmer. Aber ich sehe nicht durch einen Sehspalt, in dem ich nur das erkennen kann, was ich gerade sehen will. Gerade Menschen mit dem Risiko des Suizid - als solches wird ja die Suizidalität von den Behörden hingestellt - haben hier recht wenig Chancen.

Du hast es richtig erkannt. Behörden wollen auch auf diesem Gebiet Pflegekräfte mehr und mehr in die Verantwortung ziehen, wenn jemand einen Suizid begeht. Tja, wie geht man damit dann wohl um? Da werden künftig nicht nur die Antikorruptionskriminologen auf die Pflege gehetzt, sondern es kommt noch die Mordkommission dazu, die gefälligst nachzuweisen hat, dass Pflegekräfte es versäumt haben, einen Suizidenten vom Suizid abgehalten zu haben ...

Mir ist Deine Stellungnahme zu meinen Gedanken zu vorurteilsbelastet und zu unflexibel.
Du scheinst den Suizid auf jeden Fall unterbinden zu wollen, weil ein Suizid nicht in deine persönlichen Vorstellungen passt. Es klingt nicht danach, dass du einen Suizid akzeptieren wirst.
Mir scheint, Du hast meine Ausführungen nicht wirklich gelesen, sonst würdest Du das kaum geschrieben haben. Da ich bereits mit Suizidenten zu tun hatte und mich daher auch früher schon damit auseinandersetzen mußte, sehe ich sehr wohl unterschiedliche Grundvoraussetzungen und kann sie wohl auch ein wenig auseinander halten.
Ich denke, jeder hat das Recht auf Suizid. Jeder hat das Recht, selbst zu bestimmen, wann für ihn die Grenze des lebbaren erreicht ist.
Ich meine hiermit nicht die typischen "Hilferuf-Suizidversuche."
Du weißt aber schon, was Du schreibst?


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Maja2003
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AW: Suizid im Alter

Beitrag von Maja2003 » Fr 13. Sep 2013, 21:02

Ich weiß sehr genau was ich schreibe. Zu was soll ich bitte Vorurteile haben? Und wieso bin ich zu unflexibel?
Du hast es richtig erkannt. Behörden wollen auch auf diesem Gebiet Pflegekräfte mehr und mehr in die Verantwortung ziehen, wenn jemand einen Suizid begeht. Tja, wie geht man damit dann wohl um? Da werden künftig nicht nur die Antikorruptionskriminologen auf die Pflege gehetzt, sondern es kommt noch die Mordkommission dazu, die gefälligst nachzuweisen hat, dass Pflegekräfte es versäumt haben, einen Suizidenten vom Suizid abgehalten zu haben ...
Und nun werde ich extrem flexibel. Dann wirds Zeit dem Berufsfeld Pflege entgültig den Rücken zu kehren. Ich lasse mich nur zu einer Verantwortung heranziehen die ich auch 100% erfüllen kann.

Du wolltest, dass wir hier darüber reden. Ich habe mir immerhin die Mühe gemacht, den kompletten Text zu lesen. Ich ziehe mich aber aus der Diskussion heraus, weil wir mit unseren Meinungen offensichtlich nicht kompatibel sind.



H-Milch
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AW: Suizid im Alter

Beitrag von H-Milch » Fr 27. Sep 2013, 20:00

Moin Johannes
Ich bewerte deine Eingabe mal, unter dem Aspekt bewusst machen, wachrütteln, vielleicht Vermeidungskonzepte an der Hand zu haben.

Ansonsten ist es in Deutschland doch relativ klar, bei schwerer schmerzhafter Erkrankung werden die Menschen mit einer unzureichenden Therapie dahingehalten.

Die andere Gruppe gibt nach 50 Berufsjahren, mit intakter Seele, aber kaputten Knochen, die Berechtigung für die gesellige Arbeitswelt ab.
Somit sind Verantwortung, Selbstbestimmung u. Autorität auch gleich mit vernichtet worden.
Jetzt erzeugt die Statistik plötzlich Schuldgefühle, der Suizid soll verhindert werden, lässt sich aber nicht.
Der Suizidale wird sein Vorhaben umsetzen, alles andere hat nur einen appellierenden Charakter.
Und spätestens jetzt brauchen die Einrichtungen Geld, um über Zuwendung u. Geselligkeit einen Teil der Schmerzen ,oder der Isolation zu nehmen.
Somit ist es nicht die Aufgabe, von ein paar wenigen, nein unsere hoch gelobte Ellenbogengesellschaft, hätte hier ein riesiges Aufgabenfeld.
Aber wir erleben an der Basis ein kollektives Versagen.



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