Pflegedienst als Franchise oder eigenständig aufbauen

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Moldi
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Pflegedienst als Franchise oder eigenständig aufbauen

Beitrag von Moldi » Di 28. Jun 2016, 15:51

Hallo zusammen,

meine Mutter schließt Ihre Ausbildung zum PDL in Kürze ab und ich möchte Ihr helfen sich selbstständig zu machen. Laut Ihren Aussagen würde sie auch schon einige Kunden mitbringen und hat Kollegen, die sich ihr anschließen würden, da ihr momentaner Arbeitgeber geschlossen wird.

Die Frage ist aufgekommen, ob wir einen neuen Pflegedienst aufbauen oder auf einen bestehenden Frachisegeber zurückgreifen. Hat jemand im Forum Erfahrungen mit Franchisegeber? Was sind die Vor- und Nachteile beim Franchising im Pflegemarkt? Bieten Sie einen relevanten Mehrwert, um die Startgebühren und Kommission zu begründen? Als Betriebswirt kenne ich mich gut mit Franchise Modellen in anderen Märkten aus, aber der Pflegemarkt ist schon ziemlich anders von anderen Märkten, daher wäre Tipps von Euch sehr hilfreich um eine Entscheidung besser treffen zu können.

Vielen Dank und beste Grüße,
Moldi



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Griesuh
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Beitrag von Griesuh » Mi 29. Jun 2016, 09:14

Moldi, bei euerem Vorhaben viel Glück.

Jedoch würde ich nicht auf einen Frachisegeber zurückgreifen.
Ihr bezahlt euch dumm und dämlich für die Übernahme eines Systemes, dass so oder so nicht auf euch passt und kommplett auf eure Belange umgestellt werden müsste.
Das Geld, das ihr meiner Ansicht nach sinnlos an diesen Frachisegeber zahlt, lasst besser eueren potenziellen Pflegekräften zukommen, da ist es deutlich besser und sinnvoller angelegt.
Hier einmal eine Checkliste was ihr braucht um einen zugelassenen ambulanten Pflegedienst gründen zu können.

http://www.pflegedienstgruendung.de/fil ... endung.pdf

Diese Checkliste stellt den roten Faden dar, und Abweichungen sind daher möglich, da jedes Bundesland seine eigene Suppe kocht was die Zulassungsvoraussetzungen betrift.

Deshalb such euch anstatt eines Fanchisgebers einen Berufsverband, der euch bei der Gründung des ambul. PD's durch den §§§ Dschungel hilft.


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Griesuh
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Beitrag von Griesuh » Sa 2. Jul 2016, 11:47

Hm, keine Reaktion mehr vom Fragesteller?

Hat ihn der Link zur Checkliste Gründung eines ambul. Pflegedienstes mit den Voraussetzungen zur Gründung umgehauen oder war das der versuch von ihm nachzufragen welche Franchise Syteme er anbietet?


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Beitrag von Moldi » Mi 6. Jul 2016, 16:20

Hallo Griesuh,

vielen Dank für die hilfreichen Informationen und entschuldige die späte Rückmeldung. Bin erst gestern aus dem Urlaub zurückgekommen.

Habe noch eine Frage bzgl. der Checkliste: Wie lange in etwa dauert es alle Formalitäten zu erledigen bis man den ersten Patienten betreuen kann?

War der pflegeservice-stetter.de Dein Pflegedienst? Habe gerade gesehen, dass die heutigen Inhaber jetzt Franchisenehmer von Pro Retis sind. Weisst Du warum sie sich dafür entschieden haben? Waren es Quereinsteiger bzw. Existenzgründer ohne Erfahrung?

Ich habe mit Pro Retis gesprochen und sie raten mir einen Pflegedienst aufzukaufen. Laut ihrer Aussage kommen in etwa die gleichen Gründungskosten auf mich zu aber es geht wesentlich schneller. Ist es richtig so? Oder was für andere Gründe könnte es haben, ausser dass sie schneller ihre laufenden Kommissionen aus den Umsätzen kriegen würden? :)

Viele Grüße und nochmals vielen Dank für die Hilfe,
Moldi



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Beitrag von Griesuh » Do 7. Jul 2016, 07:34

Hallo, es dauert ca. 3-5 Monate bis die wichtigsten Hürden für die Zulassung bei den Kassen, IK.Nr, Betriebsnummer, Software und CO., genommen sind.
Ja der Pflege und Beratungsservice Stetter war mein Pflegedienst, den ich leider aus gesundheitlichen Gründen verkaufen musste.

Warum der Käufer auf Franchisenehmer macht kann ich dir nicht sagen.
Der Käufer selbst kommt nicht aus dem Pflegebereich.
Was er an diese Franchise zahlt kann ich dir nicht sagen.
Fakt ist jedenfalls, dass du auf ewig und immer an den Franchisegeber einen prozentualen Anteil vom Umsatz abdrücken musst.
Dieses Gled ist bei den Mitarbeitern und der Ausstattung des PD besser angelegt.

Und die Zahlungen an den Franchisegeber übersteigen bei weitem die Kosten die du aufbringen musst um einen PD selbst auf zu bauen.
Es kommt günstiger mit Hilfe eines Berufsverbandes einen PD auf zu Gründen und zu führen als über ein Franchisesystem.
Beim BPA ( Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V.) zahlte ich mtl. 120€ Beitrag und die Mitarbeiter des BPA standen mir mit sehr umfangreicher Hilfe nicht nur in der Gründungsphase helfend zur Seite.
Der BPA bietet übrigens auch Kurse zur Gründung eines ambul. PD's an. Frage dort einmal nach.
Es kann sich evtl. lohnnen einen bestehenden PD auf zu kaufen.
Was nun günstiger ist, kompl. neugründen ohne oder mit Inanspruchnahme eines Franchisegeber oder einen PD aufkaufen, das ist ein rechenexempel.
Für mich jedenfalls steht fest: es wird auf jeden Fall ohne Franchisegeber Kostengünstiger.


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Beitrag von Moldi » Fr 8. Jul 2016, 10:11

Vielen Dank für die Tipps! Werde mich über dem BPA erkundigen!

Viele Grüße,
Denis



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Beitrag von Griesuh » Sa 9. Jul 2016, 09:23

Noch ein kleiner Nachtrag dazu: Du hast bei dem Kauf eines bestehenden PD's nicht mehr das Problem der Kunden und Mitarbeitergewinnung, hast aber dennoch alle zulassungsmodalitäten zuerfüllen.
Musst dafür jedoch ein ordentliches Sümmchen an den Verkäufer zahlen.
Beim Selbstaufbau hast du dagegen das Problem Pflegefachkräfte zu finden. Kunden finden ist dagegen nicht das Problem. Das eigene Marketing ist auf jeden fall kostengünstiger als ein Frenchisegeber.
Zuletzt geändert von Griesuh am Sa 9. Jul 2016, 14:47, insgesamt 1-mal geändert.


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Beitrag von Moldi » Do 14. Jul 2016, 15:25

sehr spannende Info! Ich verstehe selbst ziemlich viel von Online Marketing! Macht es denn Sinn auch im Pflegemarkt Online Kunden Marketing zu betreiben? Ich habe gehört meistens kommt man an die Kunden sehr lokal z.B. über Ärzte



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Beitrag von Griesuh » Fr 15. Jul 2016, 08:45

Auch ein ambul. PD brauch ein Online Marketing. Jedoch ist das räumlich sehr begrenzt, da es aus Zulassungs - und Wirtschaftlichskeitsgründen keinen Sinn ergibt, weiter als im Umkreis von 15-20 Km Kunden zu gewinnen.
Die meisten Kunden werden durch Mundpropaganda, wenn der PD sehr gute Arbeit leistet, oder wie du schon selbst gesagt hast, durch die örtl. Ärzte
rekrutiert.


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Beitrag von Moldi » Mo 18. Jul 2016, 09:44

meinst Du Zulassungsbeschränkt wegen dem Versorgungsgebiet abgemacht mit der Kasse? Ich habe gehört, dass man Patienten auch außerhalb des Einzugsgebiets pflegen kann! Die Wirtschaftlichkeit ist natürlich fragwürdig!



stormrider
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Beitrag von stormrider » Mo 18. Jul 2016, 11:11

Sicher kann man das. Aber was soll dir das bringen? Du hast eine Basisstation von wo aus die Mitarbeiter ausschwärmen. Jeder hat seine Tour. Um wirtschaftlich zu arbeiten, sollten die Fahrzeiten möglichst kurz gehalten werden, denn auch Fahrzeiten sind Arbeitszeiten die du bezahlen mußt.

Oder willst du zu so einem AG mutieren, der behauptet, Fahrzeiten müssen nicht bezahlt werden? Da würde ich dir als AN ganz schnell einen Vogel zeigen und sagen: bye bye lieber AG ich hab jetzt einen besseren.

Unterschätze die Fahrzeiten nicht. Da kommt einiges zusammen.



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Beitrag von Griesuh » Mo 18. Jul 2016, 12:26

Um zum Beispiel wirtschaftlich arbeiten zu können um auch Kunden in einem weitern Umkreis von mehr als 15-20Km versorgen zu können musst du im Nachbarort, der ca. 15 Km entfernt liegt eine neue Zweigstelle eröffnen. Jedoch musst du auch für diese Zweigstelle das kompl. Zulassungsprozedere durch laufen.
Bei deiner Vorstellung kann die wirtschaftlichkeit nicht nur evtl. Fragwürdig sein, sie ist einfach nicht gegeben.
Fährst du wegen einer Insulininjektion 15 Km zum Kunden wird dafür Fahrzeit benötigt. Fahrzeit ist Arbeitszeit. In dieser Fahrzeit kannst du schon einen weitern Kunden versorgen.
Für eine Injektion erhälst du je nach Honorarvertrag zwichen 3,50 u. 4,00€ sowie 5€ Hausbesuchspauschale.

Noch fragen?


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Beitrag von Moldi » Do 21. Jul 2016, 15:54

Hallo Griesuh,

danke für die ausführliche Antwort. Stimme Dir zu, dass es nicht wirtschaftlich sein kann zu weit zu fahren. Wollte eigentlich nur wissen, ob es theoretisch rechtlich (bezugnehmend auf den Versorgungsvertrag) möglich ist, Kunden auch ausserhalb des Versorgungsgebiets zu pflegen. Ich tendiere immer dazu alle Details verstehen zu wollen! :-)

Beste Grüße



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