Ambulante Pflege - muss ich Benzingeld auslegen?

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sonet
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Ambulante Pflege - muss ich Benzingeld auslegen?

Beitrag von sonet » Di 24. Apr 2018, 10:29

Hallo,

ich arbeite bei einem ambulanten Pflegedienst und fahre dienstlich recht weite Strecken, da unsere Kunden (ja, wie haben keine Patienten, sondern Kunden ...) im ganzen Bundesland verteilt sind. Der Schwerpunkt liegt auf der sogenannten 24h-Pflege, daneben gibt es noch ein bisschen "normale" ambulante Pflege.
Meine Hauptaufgabe besteht darin, zu den Kunden zu fahren, die 24h-Kräfte haben, und die Leistungsnachweise abzeichnen zu lassen. Dabei fahre ich - mit dem Dienstfahrzeug - recht beachtliche Strecken und verbrauche entsprechend viel Benzin.

Problem:
Meine Chefin besteht darauf, dass ich das Benzingeld auslege. Nachdem ich vor ein paar Wochen Rabatz gemacht habe, bekomme ich das Benzingeld nun zumindest recht schnell wieder - das ist schon eine gewaltige Verbesserung; denn bis dahin musste ich meinem Geld oft wochenlang hinterherlaufen.
Dennoch: Ich will prinzipiell nicht in Vorkasse gehen; ich bin der Meinung, dass es Sache des Arbeitgebers ist, die notwendigen Arbeitsmittel bereitzustellen, und dazu gehört auch ein fahrbereites Auto und die Möglichkeit bei Bedarf zu tanken, ohne extra zur Bank zu fahren und Geld von meinem(!) Konto abzuheben.

Wie seht Ihr das? Und was wichtiger ist: Weiß vielleicht jemand, wie der Gesetzgeber das sieht?



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Re: Ambulante Pflege - muss ich Benzingeld auslegen?

Beitrag von Firebird » Di 24. Apr 2018, 11:42

Hallo Sonet,

was das rechtliche angeht kann ich Dir nicht weiterhelfen, da mir das nötige Wissen fehlt. Was mir dazu einfällt ist folgendes: Ist das eine "feste" Tour die Du jeden Monat abfährst? Also könntest Du in etwa sagen, wieviele km zusammenkommen um vorab das Benzingeld zu erhalten? Weil das man privat in Vorleistung gehen muss kann ich mir nicht vorstellen. Wäre eine Kooperation mit einem Tankstellenbetreiber denkbar um über ein Ticketsystem abbuchen zu lassen? So kenne ich das zumindest. Nur mal so als Idee.

Ich hoffe andere Foris können Dir zu Deiner Frage eine fundierte Aussage machen.

LG
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Re: Ambulante Pflege - muss ich Benzingeld auslegen?

Beitrag von sonet » Di 24. Apr 2018, 12:13

Hallo Firebird,

es gibt eine halbwegs feste Tour am Monatsende - zumindest dafür ist der Benzinverbrauch gut im Voraus abzuschätzen. Darüber hinaus gibt es im Laufe des Monats noch einige Fahrten, die aber im Allgemeinen auch planbar sind. Und dann gibt es immer noch ein paar unvorhergesehene Fahrten, die aber auch mit einer gewissen Regelmäßigkeit vorkommen. Kurz: Ja, mein Benzinbedarf ist durchaus kalkulierbar.

Es war einmal geplant, so eine Tankkarte für eine bestimmte Tankstelle anzuschaffen. Daraus wurde aber nichts. Damals hätte mir das auch wenig genutzt, weil eine Tankfüllung nicht immer für eine Tagestour gereicht hat. Inzwischen ist meine Tour zwar nicht kleiner, aber die Langstrecken sind weggefallen, so dass es möglich wäre, immer eine bestimmte Tankstelle zu nutzen. Aber da machen die Chefs halt nicht mit.

Ich spiele inzwischen mit dem Gedanken, mich glattweg zu weigern, weiterhin in Vorkasse zu gehen. Aber ehe ich das tue, wüsste ich doch gerne, wie die Rechtslage ist. Ich habe das halbe Internet auf den Kopf gestellt, habe aber nichts gefunden, was auf diesen Fall anwendbar ist.
Zuletzt geändert von sonet am Di 24. Apr 2018, 12:25, insgesamt 1-mal geändert.



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Re: Ambulante Pflege - muss ich Benzingeld auslegen?

Beitrag von Firebird » Di 24. Apr 2018, 12:22

Was mir noch dazu einfällt: War das schon immer so, das Du in Vorkasse gehen musstest? Evtl. gibt's dazu ne Klausel in Deinem Arbeitsvertrag, dir Dir bei der Beantwortung Deiner Frage helfen kann?. Seit wann geht das denn schon so? (Sprich seit wann arbeitest Du für diesen Pflegedienst?


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Re: Ambulante Pflege - muss ich Benzingeld auslegen?

Beitrag von sonet » Di 24. Apr 2018, 12:46

Ich arbeite seit acht Monaten dort. Am Anfang war der Job wirklich nicht übel, aber seit Weihnachten verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen ganz massiv.
Es fing damit an, dass mich die Chefin gebeten hat, wegen einem personellen Engpass ein paar Wochen lang zusätzlich in der ambulanten Pflege einzuspringen. Gleichzeitig bat sie mich, vorübergehend das Benzingeld auszulegen. Beides wird inzwischen als Selbstverständlichkeit eingefordert und sie behauptet nun, es sei schon immer die Regel gewesen, dass ich das Benzingeld auszulegen habe, sie habe es mir nur ausnahmsweise im Voraus gegeben. Keine Ahnung, ob im AV etwas zu Benzingeld steht, da müsste ich mal nachgucken ...

Vielleicht flute ich das Forum in den nächsten Tagen noch mit Fragen zu den anderen Merkwürdigkeiten meines Jobs, aber am besten in separaten Threads zu den einzelnen Streitpunkten, sonst wird's unübersichtlich.



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Re: Ambulante Pflege - muss ich Benzingeld auslegen?

Beitrag von Firebird » Di 24. Apr 2018, 18:25

Da würde ich an Deiner Stelle mal nachsehen, weil ich kann mir (auch als Azubi) nicht vorstellen, das es rechtens ist von einem Arbeitnehmer zu verlangen das das Benzingeld vorab aus der eigenen Tasche zu bezahlen ist. Wenn ich mich recht erinnere hat der Arbeitgeber Dir gegenüber die Verpflichtung alle benötigten Arbeitsmittel zum Ausüben Deiner Tätigkeit zur Verfügung zu stellen. Und dazu zählt in Deinem Fall auch der Sprit fürs Auto.
Wenn es allen Ecken und Kanten hapert, würde ich Dir eher raten Dir das nicht länger zu zu muten und Dir n anderen Job zu suchen. Und da ist es vielleicht in Deinem Fall schon gar nicht mehr "wichtig" was gesetzlich zulässig ist und was nicht. Sondern sollte es vielmehr darum gehen, was der Job /die Mitarbeiter aus Dir gemacht haben.

Weiss nicht ob jetzt rüberkommt was ich sagen will?? Wenn nicht dann versuch ich es nochmal verständlicher, also nicht böse sein.


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Re: Ambulante Pflege - muss ich Benzingeld auslegen?

Beitrag von sonet » Di 24. Apr 2018, 19:15

Hab verstanden, was du meinst, und prinzipiell gebe ich dir recht. Wenn es mir nicht gelingt, vernünftige Arbeitsbedingungen durchzusetzen, bleibt nur, die Reißleine zu ziehen.

Allerdings waren die Arbeitsbedingungen anfangs wirklich gut. Mir war zwar von Anfang an klar, dass diese Leute ihre eigenen Gesetze machen, aber eine Zeitlang hat der Deal für mich gestimmt: Ich muss bereit sein, auch sehr kurzfristig sonstwohin zu fahren, dafür
kann ich das Dienstauto privat fast unbegrenzt nutzen und muss nur meinen Sprit zahlen. Benzingeld für Dienstfahrten gab's im Voraus, mit der ambulanten Pflege hatte ich nichts zu tun und auch sonst war alles Blümchen.
So möchte ich das gerne wieder haben.

Aber so, wie es jetzt ist, mit geteilten Diensten (Früh 2,5h, Mittag 1h und Abend 0,75h, alles an einem Tag) zusätzlich zu meinen Fahrten zu den 24h-Kunden, ständige Anrufe zuhause, Dienstplan wird telefonisch durchgegeben und merkwürdigerweise scheine ich immer ein paar Dienste zu überhören, die sie mir dann noch so ganz nebenbei mitteilt ... Dienstplanwünsche werden auch nicht mehr unbedingt berücksichtigt, dazu das leidige Gezänk ums Benzingeld, und als Krönung ein VizeChef vom Typ zerstreuter Professor, der regelmäßig meine Feierabend-Pläne zerschießt, weil er die Pflegedoku im Wochenrhythmus neu erfindet und dann verlangt, dass ich zum fünften Mal eintrage, wann ich im Januar gearbeitet habe.
Und wenn ich was sage, heißt es neuerdings "Keiner meckert so viel herum wie du!" und "stell dich nicht so an, 70 Überstunden sind ja kaum der Rede wert."

Nee, nee.
Ich sammle jetzt Infos und Argumente und dann gibt es ein Gespräch mit der PDL. Entweder finden wir in diesem Gespräch Kompromisse, die für uns beide akzeptabel sind, egal, ob jenseits oder innerhalb der Arbeitsgesetze, oder ich ziehe weiter.



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Re: Ambulante Pflege - muss ich Benzingeld auslegen?

Beitrag von Elfriede » Di 24. Apr 2018, 20:08

Moin Sonet !

1.) Vorkasse ist ein schlechtes Zeichen : Wenn Du kein Spritgeld mitbekommst, mangelt es entweder am Vertrauen, der Unternehmenskultur oder der Solvenz. :(
2.) Wenn Euer Vize nachträglich an Doku und Zeitnachweisen `rumschraubt, fragt man sich warum !?! 8)
3.) Passe bloss auf Deine Ruhezeiten auf !!! (vgl. Arbeitszeitgesetz) Bei diesen verd... Teildiensten ist man sonst schnell mal mit dem Auto auf einen Baum "geklettert". :an

L.G. Frieda



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Re: Ambulante Pflege - muss ich Benzingeld auslegen?

Beitrag von sonet » Di 24. Apr 2018, 21:47

Hallo Elfriede,

Die Unternehmenskultur ist zumindest eigenwillig. Das sind Chaoten, die auch durchaus sympathische Seiten haben. Leute, die garantiert in kein Unternehmen passen und deshalb ihren eigenen Laden mit eigenen Spielregeln aufmachen. Ich falle da überhaupt nicht auf, und das will etwas heißen ... :mrgreen: Also, es gibt schon einige Gründe, warum ich nicht stillschweigend gehe, sondern noch ein letztes Mal versuchen möchte, vernünftige Arbeitsbedingungen durchzusetzen.

Solvenz ... könnte schon sein, dass es mit daran liegt. Ich habe da mal was aufgeschnappt, als es um eine Tankkarte ging :mrgreen:
Gehalt kam auch schon ein paar Mal mit Verspätung, aber ich glaube, das ist bei so kleinen Klitschen an der Tagesordnung.

Vertrauen ... hm. Eine Tendenz zur Geheimniskrämerei habe ich beobachtet, die wohl professionell wirken soll und vielleicht auch mit den kreativen Dokumentationsmethoden zusammenhängt. Aber Misstrauen? Weil ich mit dem Spritgeld durchbrennen könnte? Nee ...

Wg. Arbeitszeiten passe ich inzwischen auf! Einmal habe ich mich 11 Stunden ohne Pause herumjagen lassen, und das passiert mir garantiert kein zweites Mal! :evil:



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Re: Ambulante Pflege - muss ich Benzingeld auslegen?

Beitrag von Firebird » Mi 25. Apr 2018, 09:53

moin sonet,

kreative Dokumentationsmethoden... klingt lustig im ersten Moment aber es klingt mir alles sehr nach ausnutzen der Mitarbeiter. Das das Gehalt nicht pünktlich gezahlt wird, stimmt mich sehr bedenklich. Du musst in Vorkasse gehen... Klingt mir alles sehr seltsam. Und ich kann Dir aus meiner Erfahrung heraus sagen, das es nichts mit der Größe des Unternehmens zu tun hat. Vielmehr mit Wertschätzung der Mitarbeiter. Wenn Du mit den aktuellen Gegebenheite nicht zufrieden bist, liegt es an Dir nach Deinen Vorstellungen zu handeln. Der Arbeitgeber wird sich nicht unbedingt Deinen Wünschen anpassen, wenn er mit seinem Tun bislang gut gefahren ist.


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