Pflege = Hilfe für andere Menschen, aber keine Selbstaufgabe!!!

Alles zum Beruf Pflege was nicht mit der Pflege direkt zu tun hat.
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Dirk Höffken
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Pflege = Hilfe für andere Menschen, aber keine Selbstaufgabe!!!

Beitrag von Dirk Höffken » Sa 17. Sep 2005, 18:10

Hallo,

dieser Beitrag hätte genauso gut ins Pflegeschüler Forum oder in den Bereich Off Topic gepasst. Im Forum Altenpflege/Krankenpflege ist er aber wohl am besten aufgehoben.

Die Namen, bis auf meinen, sowie die Institution in folgendem Brief und den beiden E-Mails wurden aus datenschutzrechtlichen Gründen anonymisiert. Sonst entsprechen sie den Originalen.

Ein Brief von Angehörigen (Handschriftlich):

Absender

11. September 2005

Liebes Team der Station 2 A,

Mein Vater und ich möchten uns nochmals ganz herzlich für Ihre liebevolle Betreuung meiner Mutter, Frau W., bedanken.

Sie hat sich immer sehr wohl bei Ihnen gefühlt und Sie haben trotz Arbeitsüberlastung immer Zeit für sie gehabt.

Es hat uns besonders getröstet , dass meine Mutter noch die letzten Stunden im H. – Haus bleiben konnte und besonderen Dank möchten wir Frau Dr. H., Frau W. und Dirk aussprechen, die uns mit Rat und Trost zur Seite standen.

Wir sind auch sehr dankbar dafür, dass sie zuletzt alleine in ihrem Zimmer liegen konnte und wir dann heute morgen nochmals Abschied von ihr nehmen konnten. Die Kerze mit der Herbstdekoration hätte auch meiner Mutter sehr gefallen.

Wir bewundern es auch, dass Sie sich bei Ihrer oft sehr schweren und anstrengenden Arbeit noch soviel Mitgefühl bewahrt haben.

Ihnen allen alles Gute und nochmals ganz herzlichen Dank.

Ihre
C.D. und G.W. (Anmerkung von mir: Tochter und Ehemann)

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E-Mail von mir vom 8. September 2005 an den letzten Altenpflegeschüler der in „meiner“ Klinik beschäftigt war und den ich über weite Teile seiner Ausbildung begleitet habe. Mit einer Antwort habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet!!!

Hallo F.,

letztes Wochenende ist mir erst aufgefallen das du deinen letzten Tag auf Station hinter dich gebracht hast (peinlich, peinlich für mich :-) ). Da ich keine Gelegenheit mehr habe mich persönlich von dir zu verabschieden, möchte ich dies kurz auf diesem Wege tun.

Hoffentlich waren die drei Jahre lehrreich und die Arbeit auf Station nicht nur notwendiges Übel für dich. Die Pflege des alten- und/oder kranken Menschen ist mehr als Windel wechseln, waschen und Betten beziehen. Pflege ist auch mehr als Akten für Neuaufnahmen vorbereiten und Dienstpläne retten. Tatsächlich sollten dies nur Randerscheinungen sein. Oft sind sie es leider nicht! Pflege ist ein zwischenmenschlicher (sozialer) Beziehungsprozess, der situationsgerechte, individuelle Hilfe an Menschen im Gesundwerden, im Kranksein und auf dem Weg zum Tod beinhaltet. Henderson sieht die Funktion der Pflege als ,,komplexe Dienstleistung", bei der von der Pflegekraft mehr gefordert wird als in der Ausbildung erworbenes Fachwissen. Es ist ein von Empathie geprägtes Verständnis, das auf echtem Interesse am Patienten bzw. Bewohner aber auch seinem Umfeld (z.B. den Angehörigen) beruht. Das haben dir die Kollegen und auch ich in der Hektik des Stationsalltages nicht oft genug vorgelebt. Ein schlechtes Beispiel abgeliefert. Trotzdem bleibt die Hoffnung das du, als Teil der nächsten Generation von Pflegekräften, einen Teil dieses Pflegeverständnisses mit Selbstbewusstsein umsetzt. Zumindest mehr als die jetzige Generation der Pflege. Im Bewusstsein das du einen hochqualifizierten Beruf erlernt hast, den du hoffentlich in Zukunft ausüben möchtest und auch ausüben kannst. Selbst wenn es nicht dein Traumjob ist. Ein wichtiger Teil deines Ausbildungsziels wäre damit erreicht (Ja, ich weiß Chef: Im Moment zählt nur das bestehen des Examen und eine Stelle!!! :-) )

Ich hoffe, ich bin dir mit meiner Fragerei nicht allzu sehr auf die Nerven gegangen. Ein kleiner Trost: Die neuen Schüler "leiden" genauso :-) .

Ich wünsche dir und deiner Freundin eine gute private und berufliche Zukunft und viel Glück und Erfolg beim Examen!!!

Die Welt ist ja bekanntlich klein, vielleicht trifft man sich irgendwann mal wieder.

Gruß Dirk

Zum Schluss noch ein Zitat:

Die Zukunft gehört denen, die an die Zukunft ihrer Träume glauben.
Unbekannt

Seine Antwort vom 15. September 2005 mit der ich, wie bereits erwähnt nicht, gerechnet habe:

danke schön, hat mich wirklich sehr gefreut das du mir geschrieben hast und bei dir kommt das auch nicht so rüber wie als müsstest du mir nur der höflichkeit halber was schreiben. würde mich wirklich freuen wenn wir nen bissi in kontakt bleiben würden. ich weis das du nicht sehr viel zeit hast wegen deines studiums. habe meine praktische prüfung bestanden *freu* und die schriftlichen waren auch nicht das problem dank deiner fragerei auf arbeit, hast mir wirklich sehr weitergeholfen, wofür ich mich auch noch mal bedanken möchte.

wenn ich meine staatliche anerkennung als altenpfleger bekommen sollte, was ich aber mal denke :-) , dann würde es mich freuen wenn du mit mir und j. nen bissi was trinken gehen würdest.

ich warte jetz schon mal auf antwort :)

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Ein bisschen Stolz bin ja jetzt doch auf mich und es versüßt mir ein wenig den Abschied aus der Pflege und von „meinen“ Schülerinnen und Schülern ;-) . Letzteren wünsche ich auf diesem Weg viel Glück und Erfolg bei den Examina sowie auf ihrem weiteren privaten und beruflichen Lebensweg.

Ich poste es aber vor allem aus einem Grund: Menschlichkeit, Mitgefühl und Hilfe für andere Menschen muss nicht mit Selbstaufgabe einhergehen!!! Dafür stehe ich! Aber gerade das müssen viele Pflegekräfte noch lernen!

MfG DH

Zitat:
Menschlichkeit ist die erste Tugend. - Luc de Clapiers Vauvenargues (1715 - 1747), Marquis de, französischer Philosoph, Moralist und Schriftsteller



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Beitrag von Marcell » Mo 19. Sep 2005, 10:52

Hallo

Ich kann mich den Worten von Dirk nur anschließen. Man darf die Pflege nicht mit totaler Selbstaufgabe verwechseln. Irgendwann kommt man dann an einen Punkt an dem man nicht weiter kommt.

Grüße

Marcell



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