einheitliche Dienstkleidung oder Privatkleidung in der Altenpflege?

Alles zum Beruf Pflege was nicht mit der Pflege direkt zu tun hat.
claridge
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Beitrag von claridge » Mi 10. Aug 2005, 11:12

Habe mir voller Interesse die Altdiskusion durchgelesen.
Ich für mein Teil stehe der deutschen Interpretation der Berufskleidung sehr kritisch gegenüber. Das Argument der Hygiene zieht schon mal garnicht. Wie schon angemerkt reicht eine 60° Wäsche vollkommen.
Das die alten Menschen Pflegepersonal in Zivil als Pflegepersonen nicht wahrnehmen hat einfach nur was mit Erziehung zu tun und einer äußerst mangelhaften Umsetzung der Bezugspflege in den meisten Häusern.
Wärend meiner Ausbildung haben wir von der Schule aus einen Exkurs nach Holland gehabt und haben uns diverse Häuser angesehen. Was uns als Klasse dort mit Abstand am meisten beeindruckt hat war die Tatsache das das Pflegepersonal in Zivil herumlief. Die Antworten der Heimleitungen waren ausgesprochen vielsagend.
Hat sich hier schon mal jemand Gedanken darüber gemacht das Berufskleidung etwas mit Machtausübung zu tun haben könnte? Das dadurch eine psychische Gewalt ausgeübt werden könnte? Das unsere Bewohner dadurch klein und gering gehalten werden könnten? Das wir als Pflegepersonal größer erscheinen könnten?
Sicher die Farbtupfer auf der Berufskleidung machen schon was her. Sieht halt cooler und schneidiger aus.
Zusammenfassend kann ich nur sagen das es für mich es kein nachvollziehbares Argument für Berufskleidung gibt, zumal die Kleidung ja vor Verlassen der Arbeitsstätte gewechselt werden kann und sollte.
Zum Schluß vielleicht noch: In den Niederlanden haben die Senioren von Haus aus einen ganz anderen Stellenwert. Kann man u.A. dran erkennen das dort der Staat bereit ist für die Bedürftigen ca. das Doppelte von dem zu zahlen was hier die Sozialämter bereit sind abzudrücken.



claridge
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Beitrag von claridge » Mi 10. Aug 2005, 12:20

Der Hinweis auf diese Diskussion:
showthread.php?t=3943
und die Anregung Alltagssituationen in Rollenspielen mal mit Berufskleidung und mal ohne Berufskleidung durchzuspielen.



ferdi
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RE: einheitliche Dienstkleidung oder Privatkleidung in der Altenpflege?

Beitrag von ferdi » Sa 13. Aug 2005, 21:43

Ich habe beides erlebt. Nach 23 Berufsjahren lautet meine Antwort "nein", keine "Dienstkleidung" in der Altenpflege.

1. warum Tragen heute viele Ärzte keinen weißen Kittel mehr?
2. Uniform
3. Dann gibt es noch die Berufskleidung.
4.: Was ist Dienstkleidung?
?( ?( ?(

zu 1.: weil sie Persönlichkeit und Vertrautheit vermittel wollen.
zu 2.: Uniform = kennzeichnet den Beruf.
zu 3.: Die Kleidung dient den Unfallverhütungsvorschriften des Berufsbildes.
zu 4.: Jeder Dienst trägt ein anderes Hemd???

Ich bin Altenpflegerin und stehe zu 1. Ich muß nicht durch meine Berufskleidung Sterilität und Distanz (Krankenpflege) signalisieren. Mein Ziel ist es Nähe zu vermitteln. Für die Sterilität reicht Schutzkleidung. Das Logo meines Arbeitgebers kann ich auch anders sichbar tragen.

Ich bin nicht "Schwester", sondern sie oder du "Elke".
Schwester kann sich jeder nennen, nur Krankenschwester ist eine geschützte Berufbezeichnung. Was bin ich als Altenpflegerin dann für eine Schwester?

Ich bin mit Stolz Altenpflegrin.
Nach 23 Berufsjahren, stationär, ambulant und jetzt teilstationär,ist Elke immer noch die richtige Anrede um meinen "Alten" und ihren Angehörigen nahe zu sein.

ferdi



ilios1966
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Beitrag von ilios1966 » So 14. Aug 2005, 20:28

Hallo,ich denke,dass es gar nicht darauf ankommt dass Du eventuell Machtausüben willst (ich glaub Dir,dass Du das nicht willst)Fakt ist aber,dass gerade bei der Generation die wir pflegen,ein weisser Kittel etwas besonderes bedeutet.Früher hat niemand an den Aussagen seines Arztes gezweifelt,geschweige denn ihm widersprochen.Heute ist das sicherlich anders ,aber darum denke ich auch,dass weisse Kittel eine Form der "unbewussten"Machtausübung sind.Wichtig scheint mir nur,dass in der Nacht ein weisser Kittel getragen wird,damit gerade wenn die BW im Halbschlaf sind,die Pflegeperson zuordnen können.Lieber Gruss ilios


Ich bin nicht nur für das verantwortlich was ich sage,sondern auch für das was ich nicht sage!

Teddy
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Beitrag von Teddy » So 14. Aug 2005, 22:46

Hallo,
ich bevorzuge eigentlich auch eher weiße Dienstkleidung.
Ich will mich dadurch nicht profilieren, aber dadurch hat man es schon irgendwie einfacher, gerade bei älteren Leuten. Diese erkennen dadurch direkt, was die Person möchte und auch vertrauen ist da eher gegeben. .Aber auch von Besuchern wird man sofort als Pflegepersonal erkannt.
Wie auch schon gesagt, Ärzte haben bei älteren Menschen nun mal einen hohen stellenwert.

Ein gutes Beispiel dafür :
Als ich im Nachtdienst gearbeitet hab, war ich die einzige von 3 Mitarbeitern die weiß trug und eine Bewohnerin ließ sich gerade deswegen nur von mir versorgen. Durch das weiß, signalisierte ich mein vorhaben. Die anderen Mitarbeiter beschimpfte sie als "Hexen" die ihr was böses wollten. So verhielt sich die Bewohnerin übrigens auch am Tag.

Ich habe nichts gegen farbliche Dienstkleidung, sofern sie jedoch nur zu arbeiten getragen werden.
Ich finde jedoch ein weißes Oberteil sehr gut in der Pflege.


Dies ist jedoch nur meine Meinung. Jeder kann und sollte so arbeiten, wie es ihm gefällt.

Gruß Teddy



claridge
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Beitrag von claridge » Mo 15. Aug 2005, 16:29

Silverdevil schrieb:
hehe das meine ich ja, auch nur einige Leute scheinen das halt nicht zu verstehen und fangen hier mit machtausübung etc. was mich echt sauer macht an. dasist meiner meinung nach echt sch...
Ich sage nur dazu: ein bißchen weniger Aggressivität hätte dein Anliegen glaubwürdiger gemacht!
Das Einzige was ich aus deiner Argumentation heraushöre ist das es dir wichtig ist als Pflegeperson erkannt zu werden und anerkannt zu werden.
Das ist mir einfach zu wenig.
Merkwüdig ist auch das ich in den Niederlanden nichts von Schwierigkeiten höre wenn in Zivil gearbeitet wird, nur hier in Deutschland!
ilios1966 hat schon verstanden worum es mir geht. Wäre schön wenn einige andere auch mal in sich hineinhorchen.



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johannes
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Beitrag von johannes » Do 18. Aug 2005, 01:28

ist nach den Vorschriften alles, was mit mindestens 60 ° C gewaschen werden kann und den UVV entspricht. Ob das nun ein weißer Kittel ist oder Zivilkleidung spielt wohl kaum eine Rolle. Im Übrigen sind Jeans reine Arbeitsklamotten, seit es sie gibt. Wenn die Mode daraus einen Schnickschnack gemacht hat, ist das eine andere Sache. Korrekt ist, wenn bei pflegerischen Tätigkeiten über die Arbeitskleidung eine Schutzkleidung gezogen wird, grad wegen der Hygiene. So verlangt es m. W. auch die Vorschrift.

Was das Weiß gegenüber Zivil betrifft: Im Pflegeheim leben Menschen einen Abschnitt ihres Lebens. Es ist ihre Wohnung. Wenn auch viele Wohnungen auf engstem Raum zusammengefaßt sind, ist es dennoch Privatsphäre. Und in einer privaten Umgebung mit Klinikoutfit herum zu laufen, kann wohl nur Deutschen einfallen. Neben dem Beispiel von Holland kenne ich das Outfit der Pflegekräfte in Häusern von Süditalien, in Tschechien und der Slowakei. In den mir bekannten Häusern wurde in Zivil gearbeitet.

Vielleicht haben wir Deutsche doch ein gestörtes Verhältnis zu Menschen, die nicht unseren Normen entsprechen, ohne uns dessen bewußt zu sein. Entspricht das vielleicht einem Bedürfnis, sich abzugrenzen? Kinder sind uns willkommen, solange sie weit genug weg von uns sind. Alte werden versteckt - nicht nur in Heimen, auch zu Hause. Behinderte erreichen immer und von fast jedem "besondere" Blicke.

Auch die weiße Kleidung kann - nicht muß - signalisieren: "Ich bin nicht wie "die", mich kann man nicht verwechseln." Dieser Gedankengang schien mir in verschiedenen Beiträgen durchzuleuchten.


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