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Vollständige Version anzeigen : Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen + Fristen


Gizmo2
30.06.2005, 19:05
Hallo Zusammen.
Ich habe folgende Frage: Ich bin schon das zweite Mal dieses Jahr länger krank geschrieben. Mein HA hat mir heute gesagt, weil eine Frist von 42 Tagen überschritten ist, benötige ich keine weitere AU - Bescheinigung für meinen AG. Er hätte dieses in einer Liste ( KK/ BfA)??? eingetragen und wie lange meine AU voraussichtlich noch bestehen würde. Wo finde ich etwas genaues über diese Fristen?? Ich will nicht als unentschuldigt fehlend auf der Arbeit gelten.

Vielen Dank für die Hilfe und noch einen schönen Abend

Grüße von Gizmo2

Jutta und Peter
30.06.2005, 20:06
Hallo Gizmo2!

Laut Entgeltfortzahlungsgesetz muß der Arbeitgeber nur in den ersten 6 Wochen einer Arbeitsunfähigkeit den Lohn weiterzahlen. Danach erhälst Du (niedrigere) Lohnersatzleistungen von Deiner Krankenkasse. Der Arbeitsvertrag ruht während dieser Zeit. Daher mußt Du auch nicht mehr eine AU-Bescheinigung beim Arbeitgeber vorlegen, sondern lediglich jeden Monat vom behandelnden Arzt einen "Zahlschein" ausfüllen lassen, in dem der Arzt die weitere AU bescheinigt, und diesen der Kasse vorlegen, damit diese Dein Krankengeld auszahlen kann. Dem Arbeitgeber solltest Du lediglich noch regelmäßig telefonisch mitteilen, wie lang Deine AU voraussichtlich noch dauern wird.

Etwas anders sieht dies in tarifgebundenen Betrieben aus, sofern dort der Tarifvertrag eine längere Lohnfortzahlung vorsieht.

Gruß

ferdi
01.07.2005, 20:58
"Zahlschein" monatlich ist nicht richtig. Wie oft der Arzt den ausfüllen muß hängt von der Diagnose ab. Das kann auch wöchendlich sein. In den meisten Fällen zahlen sie 14 tägig.

ferdi

Gizmo2
04.07.2005, 08:57
Hallo und Guten Morgen an Alle!

Ich möchte mich für die aufschlußreichen Antworten von Euch bedanken. Euer Forum ist sehr hilfreich und empfehlenswert. Toll, daß es Euch gibt.

Dirk Höffken
06.07.2005, 03:31
Hallo Jutta und Peter,

ihr beiden seit offensichtlich nicht im Urlaub. Irren ist ja bekanntlich menschlich :-). Trotzdem erlaube ich mir noch einen Hinweis:

@Jutta und Peter
... „Laut Entgeltfortzahlungsgesetz muß der Arbeitgeber nur in den ersten 6 Wochen einer Arbeitsunfähigkeit den Lohn weiterzahlen. Danach erhälst Du (niedrigere) Lohnersatzleistungen von Deiner Krankenkasse. Der Arbeitsvertrag ruht während dieser Zeit. Daher mußt Du auch nicht mehr eine AU-Bescheinigung beim Arbeitgeber vorlegen, sondern lediglich jeden Monat vom behandelnden Arzt einen "Zahlschein" ausfüllen lassen, in dem der Arzt die weitere AU bescheinigt, und diesen der Kasse vorlegen, damit diese Dein Krankengeld auszahlen kann. Dem Arbeitgeber solltest Du lediglich noch regelmäßig telefonisch mitteilen, wie lang Deine AU voraussichtlich noch dauern wird.“ ...

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Nichtvorlage bei Langzeiterkrankung

Arbeitsgericht Frankfurt am Main

Az.: 5 Ca 6031/01

Verkündet am 19.03.2002
... „Soweit der Kläger mit der Klage die Rücknahme der Abmahnung vom 27.07.2001 sowie die Entfernung der Abmahnung vom 27.07.2001 nebst dazugehörigen Schriftverkehr aus der Personalakte begehrt, ist die Klage als unbegründet abzuweisen, denn die Abmahnung vom 27.07.2001 ist berechtigt.

Entgegen der Auffassung des Klägers ist der Arbeitnehmer auch nach Ablauf der 6-wöchigen Entgeltfortzahlungspflicht verpflichtet, dem Arbeitgeber bei Fortdauer der Arbeitsunfähigkeit gemäß § 5 Abs. 1 Satz 2 - 4 EFZG eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen, wobei eine derartige Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung entsprechend den gesetzlichen Anforderungen Angaben über die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit zu enthalten hat. Denn die Pflicht zur Vorlage einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung besteht gemäß § 5 Abs. 1 Satz 2 - 4 EFZG unabhängig davon, ob der Arbeitnehmer noch einen Entgeltfortzahlungsanspruch geltend machen kann. Dies ergibt sich sowohl aus dem Wortlaut des § 5 EFZG, der keine Ausnahme vorsieht, als auch aus Sinn und Zweck der Regelung. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat nicht nur den Zweck, die Tatsache der Arbeitsunfähigkeit durch ärztliches Attest nachzuweisen. Sie soll vielmehr den Arbeitgeber auf Grund der ärztlichen Angaben über die voraussichtliche (Fort-) Dauer der Arbeitsunfähigkeit auch in die Lage versetzen, möglichst frühzeitig die wegen des fortgesetzten Ausfalls des Arbeitnehmers notwendig werdenden betrieblichen Dispositionen treffen zu können (vgl. LAG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 24.04.1996, 3 Sa 449/95, &'2-A 97, S. 772).

Gegen die vorstehend dargestellte Verpflichtung hat der Kläger unstreitig für die Zeit nach dem 24.06.2001 verstoßen. Trotz zweier einschlägiger Ermahnungen der Beklagten vom 28.06.2001 und vom 05.07.2001 ist der Kläger seiner Verpflichtung zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung i. S. d. § 5 Abs. 1 EFZG weiterhin nicht nachgekommen. Die Beklagte war mithin zum Ausspruch der Abmahnung vom 27.07.2001 berechtigt.“ ...

MfG DH

Zitat:
„Ich weiß, dass Menschen und Fische friedlich zusammenleben können. ”
(Das heutige Zitat des Tages stammt von George W. Bush (* 1946) - 43. Präsident der USA , der am 06.07.1946, also heute genau vor 59 Jahren geboren wurde.)