Hallo Leute.
Wir haben bei uns eine BW die durch einen Schlaganfall auf den Sehnerv von heute auf morgen erblindet ist. Die BW war vorher mobil und leicht dement. Konnte vieles mitmachen. Sie war ein lebensfroher Mensch. Nun könnte man meinen sie wird gerade so "hinüberschlafen". Aber ebenso merkt man daß sie noch einen Lebenswillen hat. Sie weiß nichts mit sich anzufangen. Wer hat von Euch eine Idee oder bereits Erfahrung mit solch einem oder ähnlichen Fall? ihr würdet mir mit jeder Idee weiterhelfen.
Alles Liebe und schon mal Danke
Hallo Natalie
habe vor ewigen Zeiten einmal eine Fortbidung zu dem Thema bei IRIS (Institut für Rehabilitation und Integration Sehgeschädigter) gemacht, leider die Unterlagen bei meinem damaligen Arbeitgeber lassen müssen :( aber die e-mail hab ich :
iris_hamburg@compuserve.com
Was ich aber noch im Hinterkopf behalten habe, ist das wenn sie einen Blindenausweis beantragt und diesen hat, Anspruch auf "Blindengeld" hat. Auch gibt es die meisten Tageszeitungen auch als besprochene Kassetten, ebenso viele Bücher gibt es als Hörspielkasseten, gute Leihbüchereien führen diese, bzw. gibt es auch spezielle "Büchereien für Blinde bzw. Erblindete.
Sicherlich wäre es gut, sich mit IRIS in Verbindung zu setzen, da diese dir dann auch etwas über entsprechende Institutionen an deinem Heimatort sagen könnten.
Problemfelder:
Unsicherheit
Ängste (vor Einsamkeit; davor etwas falsch zu machen)
Mißtrauen (Schlechte Erfahrungen können schlechter verarbeitet werden)
Verletzungsgefahr
Umgebungsveränderung (Einzug ins Heim; Umzug im Heim; Veränderte Zimmerordnung)
Abhängigkeit (Verstärkt bei Multimorbidität)
Übergangen werden von Mitmenschen
Ertragen von demütigungen
Abkapselung von der Umwelt
Verlust von bezugspersonen oder liebgewordenen Tieren
Vereinsamung
Interessenaufgabe
Ziele/Wirkungen
Annahme der Behinderung
Selbstständigkeit
Unfallsicherheit
Vertraute Umgebung schaffen
Neue gewohnheiten bilden
Interessenpflege durch behindertengerechte Anpassung
Erhalt von Sozialkontakten
Merke:
Nicht Blindheit, sondern zusätzliche Erkankungen wie z.B. Cerebralsklerose verringern die Möglichkeiten der Selbstentfaltung
Blinde Menschen "sehen" mit ihrem Gedächtnis und Tastgefühl
Annahme der Behinderung und gutes Gedächtnis sind Voraussetzungen zur erfolgreichen Neuorientierung
Massnahmen:
Wohnraum
-peinliche Ordnung halten
(Voraussetzung für Orientierung der Bewohnerin.
Wiederfinden von Gegenständen; selbstständiges Zurechtfinden im Raum)
-jeder Gegenstand hat seinen bestimmten Platz
(nach Benutzung wieder an genau die selbe Stelle legen, ggf. Bewohnerin nach der Stelle fragen oder die Bewohnerin selbst zurücklegen lassen)
-Auf Wechsel in Umgebung hinweisen
-Türen geschlossen oder ganz geöffnet halten
(Halboffene Türen sind Gefahrensquellen)
- Schranktüren stets geschlossen halten
-Fenster kippen oder nur zur Wand hin ganz öffnen
(halboffene Fenster sind Gefahrenquellen)
-Arbeitsmaterial aufräumen
(im Weg stehendes Arbeitsmaterial wie z.B. Wäsche- oder Pflegewagen, Abwurfeimer, Besen u.s.w. sind Gefahrenquellen)
Betreten des Wohnraums
-Anklopfen
-Grüßen
(z.B. "Guten Tag Frau Müller, Pflegerin Tanja ist hier...")
-keine Ratespiele "Raten Sie mal, wer bei Ihnen ist..."
Verbale Kommunikation
-klar und deutlich sprechen
-überlegt sprechen
(z.B. "Beim Mittagessen sprechen wir uns nochmal..." anstatt "sehen wir uns nochmal" Außer: "Auf Wiedersehen" ist richtig, da es eine feststehende Grußformel ist)
-Wahrheit sagen
(Notlügen betonen Abhängigkeit; Notlügen schaffen Vertrauensverlust, welcher Mißtrauen erzeugt und Gefühle der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins hervorruft)
-keine Tabus
(z.B. Blindheit nicht umschreiben, sondern beim Namen nennen; Begriffe wie "blind", "sehen" oder "ansehen" ohne Scheu verwenden)
-mit Namen ansprechen
(wenn Name unbekannt z.B. in Gruppen, Bewohnerin leicht berühren)
-nicht flüstern
(Heimlichkeiten verstärken Mißtrauen)
-Taktgefühl
(nicht auf Blindheit herumreiten: "Sind sie völlig blind oder sehen Sie noch etwas?" "Von Geburt an oder erst später?" "Durch Unfall oder durch Krankheit?" "Wie schrecklich!")
Vorstellung der eigenen Person
-erst nach der Eingewöhnungszeit
(während Eingewöhnungszeit sind Orientierung, Räumlichkeiten und Tagesablauf wichtiger)
persönliche Anmerkung: Diesen Punkt halte ich für fragwürdig.....
-eigenes Aussehen beschreiben
(Haarfarbe, Brille, Bart u.s.w.)
-fragen, ob Bewohnerin Gesicht der Pflegekraft ertasten möchte persönliche Anmerkung: halte ich für ein Klischee, wenn der Bewohner das möchte, bitte, aber es von vornherein anzubieten ist so stereotyp
Kompetenz der Bewohnerin wahren
-wird Bewohnerin von anderen nicht direkt angesprochen, als Begleitperson auf Autorität der Bewohnerin verweisen
-verschiedene Auswahlmöglichkeiten aufzählen
(z.B. zur Kleiderwahl Farbe und Muster beschreiben, evtl. befühlen lassen)
Hilfe anbieten, aber nicht aufdrängen
-fragen, bevor etwas getan wird
(respektieren persönlicher Freiheit)
-beschreiben, was gerade im Zimmer getan wird
-Beschreibungen zur passenden zeit im passenden Rahmen
(nicht dauernd reden; Schweigepausen einlegen; ob Beschreibung oberflächlich oder detailiert erfolgt nach Wunsch der Bewohnerin)
Blinde führen
-Arm zum Einhängen anbieten
(Blinder spürt Richtungsveränderungen und folgt automatisch)
-bei mehreren Blinden jeweils Hand auf Schulter des Vordermanns legen
(Führungszeichen vereinbaren, unauffäliger Hinweis auf Schwierigkeiten z.B. drücken des Arms oder der Hand kündigt Stufe an)
-genaue Orts- bzw. Richtungsangaben
(geradeaus ist für blinde keine Richtungsangabe; links und rechts von Inen wird verstanden)
-ggf. Richtungsveränderung vorher ankündigen
-Führender geht an Engstellen voraus
(Blinden mit Arm leicht nach hinten halten)
-Bordstein ankündigen
(hinunter oder hinauf)
Treppensteigen
-erste und letzte Stufe ankündigen
-Hand auf Handlauf/Treppengeländer legen
(Blinder kann sich selbst Orientieren; alleingehende Blinde orientieren sich mit ihrem Stock; Wahl zwischen Rolltreppe und normaler Treppe dem Blinden überlassen)
Sitzplatz zeigen
-Hand auf Rückenlehne oder Armlehne legen
(ermöglicht selbstständiges setzen, erleichtert Orientierung, nimmt die Angst sich daneben zu setzen "Sie halten jetzt die Rückenlehne des Stuhls" "Der Stuhl steht rechts von Ihnen")
Essen
-in tiefer Schüssel servieren
(erhöhter Rand ermöglicht selbstständiges essen)
-Essen beschreiben
-kleinschneiden
-Standort des Geschirrs beschreiben
(Hand an einzelne Teile führen; evtl leicht dagegen schlagen = Orientierung nach Klang)
Aufräumen
-genaue Ordnung der Bewohnerin einhalten
(ggf. Ordnung erfragen, besser: Bewohnerin selbst aufräumen lassen)
Weggehen
-deutlich sagen, daß der Raum jetzt verlassen wird
(Blinder glaubt sonst noch mit pflegekraft zu reden, demütigendes Gefühl wenn Alleinsein bemerkt wird)
Auf Pünktlichkeit achten
-Warten erscheint endlos, wenn Blinder sich während der Wartezeit nicht beschäftigen kann; Unpünktlichkeit verursacht Spannung und Nervosität)
Vorlesen
-nur stellvertretend für Blinden
(keine eigenen Kommentare und Zwischenbemerkungen, Ausnahme: Pflegekraft wird nach eigener Meinung gefragt)
persönliche Briefe, amtliche Schriftstücke, finanzielle Unterlagen:
-zuerst Information, um was für ein Schriftstück es sich handelt und Absenderangabe vorlesen
(ermöglicht dem Blinden die Entscheidung, ob er das Schriftstück von der betreffenden Pflegekraft vorgelesen bekommen möchte)
-Briefe nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Blinden öffnen
(sonst unangenehme Verletzung der Intimsphäre)
-Brief nicht für sich lesen
(z.B. "Frau ... schreibt, daß sie..." oder "Das ist eh nur Werbung...")
-absolute Verschwiegenheit
(keine Mitteilung an Kollegen über Gelesenes)
Zeitungen und Zeitschriften:
-zuerst alle Überschriften
(ermöglicht eigene ASuswahl des Blinden, nicht nach Interessen der Pflegekraft auswählen)
Umgang mit Geld
wenn Blinder Geld für Besorgungen gibt:
-ausgehändigte Summe nennen
-Wechselgeld in die Hand hinein zählen
Zur Aktivierung geeignet:
Kimspiele
Basale Stimulation
Tastmemory
Duftsäckchen riechen
Gewürze schmecken
Vorlesen
:god
Vielen Dank Fibula!
Du hast mir damit wirklich sehr geholfen. Genau das wars auch was ich gesucht habe. Verhaltensregeln und Anregungen. Wieder mal sag ich
Vielen Tausend Dank!
Superbeitrag Fibula.................
Gruss Doedl
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