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Vollständige Version anzeigen : Altenpfleger/ In ist die Berufsbezeichnung noch zeitgemäß?


Der Rebell 2010
19.12.2008, 18:23
Hallo an Alle, die gerne nachdenken
Hatte vor einiger Zeit eine Unterhaltung mit Heimbew./In
Fragte mich, " Wo bin ich hier?"
Ich habe gesagt:" in nen Altenheim".
Antwort:" wieso, bin doch nicht alt"
Dieser Satz hat mich zum Nachdenken gebracht.
Ist unsere Berufsbezeichnung " Altenpfleger/In " noch zeitgemäß?
Was habt ihr für Vorschläge für unsere Berufsbezeichnung?
Krankenpfleger/In heißt ja jetzt auch gesundheits,-/ krankheitspfleger/In.
freue mich auf Vorschläge.
Es ist Zeit für den Aufbruch, Revolution ist angesagt!

Thanos
19.12.2008, 18:46
Ich glaube hier im Forum mal eine ähnliche Diskusion gelsen zu haben. Vielleicht kannst Du Dir ja da noch mal ein paar "Anregungen" durchlesen.

Meine Meinung.
Wer sagt, dass es überhaupt noch zeitgemäß ist, die Pflege zu unterscheiden für Alte, Kinder, Kranke?
Wie wäre es mit:
Pflegefachkraft für stationäre Langzeitbetreuung, sowie
Pflegefachkraft für die ambulante Betreuung, und
Pflegefachkraft für die akute Betreuung/ Krisenintervention,

Der Rebell 2010
19.12.2008, 19:02
Hi Thanos,
interessante Vorschläge,
deine Krisenintervention klingt aber irgendwie wie Krieg für mich.
Sei mit bitte nicht böse, ist nicht böse gemeint.
Die Senioren wollen doch einfach auch nur leben, und in weiter Zukunft
sind wir auch eine/r von ihnen.
Wir wollen doch alle nur das gleiche, einen guten Kumpel, der uns in allen Lebenslagen begeleitet, oder ???????

Der Rebell 2010
19.12.2008, 19:07
Sorry, hab einige Fehler in meinem Beitrag aber mein Computer spinnt manchmal.:mad: :mad:

Thanos
19.12.2008, 19:17
Hehe,

ich meine folgendes. Weshalb noch altenpflege, weshalb noch Krankenfplege usw. es überschneidet sich doch eh.
Warum nicht einteilen nach Art der Betreuung, zu hause, oder stationär für lange Zeit (auch Rehe) bzw. betreuung bei akuten Problemen (Krisenintervention).

Einhorn 41
21.12.2008, 09:52
Hallo Thanos, Deine Vorschläge sind nicht schlecht.
Soweit ich deinem Profil entnommen habe bist du Gesundheits,-Krankenpfleger.
Ich selbst bin Altenpflegerin und könnte mir nicht vorstellen in der Kinderkrankenpflege tätig zu sein.
Alte Menschen die krank sind und irgenwann wie wir alle sterben ist für
mich ok.
Kinder und junge kranke Menschen da hab ich ein problem weil ich den
Sinn nicht verstehen will warum die krank sein müssen.
Den Begriff Altenpfleger/In finde ich schon lange out.
Wer ist alt oder was ist alt?
Seniorenpfleger/In klingt für mich da ganz gut, würde ich befürworten.
Du gehst mit deinen Vorschlägen in bestimmte Richtungen und die finde ich
als Zusatzbezeichnung auch ganz gut.
l.g Einhorn 41

ferdi
21.12.2008, 17:04
Was habt ihr an der Bezeichnung Altenpflege auszusetzen?
Ich bin AP und das ist gut so und das möchte ich bleiben. Es zeichnet mich aus kompetent mit den Belangen des alternden Menschen (Dementen) ungehen zu können. Ich lasse mich auch nicht von den Klienten mit Schwester ansprechen, sondern mit Vornamen, ich habe es hauptberuflich mit Bewohnern, Kunden oder Gästen zutun und nicht mit Patienten.
Behandlungspflege hin oder her ich bin Altenpflegerin und darauf bin ich stolz.

ferdi

Einhorn 41
21.12.2008, 17:48
Bin auch gerne und von Herzen Altenpflegerin.
Ich pflege ältere Menschen, aber für mich sind es Senioren.
Einige Bew. haben noch nicht einmal das gesetzliche Rentenalter.
Da finde ich das Wort "Alte" schon extrem.
Warum eigentlich Altenpflegerin wenn alte Menschen doch Senioren sind?

doedl
21.12.2008, 18:03
Hallo Alle

gegen Revolutionen hatte ich noch nie was, im Gegenteil. Ich frage mich halt nur, was bringt eine andere Bezeichnung denn?

Der Krankenpfleger ist nun Gesundheits- und Krankenpfleger ( in den neuen Bundesländern gabs noch ne andere Bezeichnung, die mir momentan net einfällt.... hm... werde alt, hihi) ... doch was bringt es dem Berufsbild denn?

Ne neue Verpackung für den gleichen Inhalt; ne neue Verpackung für besseren Inhalt; ne neue Verpackung für schlechteren Inhalt?

Meine Weihnachtsgeschenke waren bisher immer mehr wert als die Verpackung- ist denn der Inhalt soviel besser geworden???

Nachdenklichen Gruß

Doedl

Der Rebell 2010
21.12.2008, 18:24
Hi doedl
Ich verpacke meine Weihnachtsgeschenke nicht, wenn ja dann in durchsichtiger Folie.
Jeder darf gerne sehen was ich verschenke.
Ich würde für Weihnachten allerdings kein Geschenkpapier mit Ostermotiv
verwenden.

nachdenkliche Weihnachtsgrüße
Der Rebell 2010

Knülpf
21.12.2008, 22:00
Solche Überlegungen führen häufig zu Wortmonstern, mit denen keiner mehr vernünftig umgehen kann (aussprechen, merken, verstehen...), im Alltag also unverständliche Abkürzungen oder abgehobene Zungenbrecher. Ich weiß wovon ich rede, bin ja schließlich "HEP" (heppedihep *g*).

Was spricht gegen die Pflege alter MEnschen, müssen es unbedingt Senioren sein? Ein umständliches FRemdwort mit genau der gleichen Bedeutung (senior = lateinisch "älter"/"der Ältere"), das sich etwas gehobener anhört - aber die meisten unserer Klienten sind nicht "gehobener" sondern einfach, alt, krank oder behindert. Respekt habe ich vor dem Menschen, nicht vor dem Attribut.

D_in_CH
26.12.2008, 17:49
Hi

AP finde ich auch nicht wirklich up-to-date.
Aber genausowenig finde ich GuK(P) prickelnd.

Sehe mich selbst als (Pflege)Fachkraft Geriatrie.

Ist aber nur meine Meinung.

Christine

Der Rebell 2010
29.12.2008, 11:28
Hey, hier geht es doch nicht um Wortspielereien, oder Wortmonstern,
es geht um die Ansicht der Geselllschaft für unseren Beruf.
Als ich sagte dass ich Altenpfleger/In bin antworteten die Leute dass sie den Alten nicht den Hintern abputzen könnten.
Damit war das Gespräch beendet.
Bei der Bezeichnung Seniorenpfleger/In fragten einige doch, was ist das?
Ich konnte über die Vielseitigkeit unseres Berufes erzählen und bekam schon mal Aufmerksamkeit.
So ist sie nunmal unsere Gesellschaft, geprägt von Vorurteilen.
Wenn ich ein altes Auto zum Verkauf anbiete ist das nicht der Renner.
Fast niemand interessiert sich dafür, anders bei Oldimer.
Alte Möbel verkaufen sich auch nicht gut, es sei denn es sind Antiquitäten.
Ich bin nicht die Meinung der Gesellschaft.

Knülpf
29.12.2008, 20:20
Mehr Ansehen durch eine gehobenere Bezeichnung... na wenn Du meinst. So wie bei der Putzfrau/Raumpflegerin? Die Alten durch Senioren zu ersetzen finde ich eben unnötig, es bedeutet eben genau das Gleiche und drückt nicht besser oder schlechter aus, was die eigentliche Tätigkeit ist.

Ging es Dir nicht mehr darum, dass viele Bewohner noch gar nicht so alt sind? Dann sind es aber auch keine Senioren. Wie wäre es mit schlicht "Pfleger"? Das "Betreuer" wurde ja schon von den früheren Vormündern belegt (geklaut), auf die es doch eigentlich nicht zutrifft...

Der Rebell 2010
29.12.2008, 21:46
Hallo Knülpf
Hast du ein Problem mit Veränderung?
Ich finde die Bezeichnung Raumpflegerin besser als Putzfrau.
Es wertet die Menschen auf die die Tätigkeit ausüben.
Wie schon gesagt ich spiegel nicht die Meinung der Gesellschaft.
Ich bin auch nicht die Gesellschaft und mir wäre lieber die Menschen würden anders denken.
Ich hab mir vorgenommen etwas zu ändern, und wenn ich hier im Forum niemand finde, ich finde meinen Weg.
Schade nur dass selbst in den eigenen Reihen Gegner sind die nicht an dem Ziel interessiert sind sondern vielleicht nur an ihrer persönlichen Meinung?
Es geht um das Ziel, die Öffentlichkeit für die Probleme in der Pflege zu sensibilisieren und hierzu ist mir jedes Mittel recht.

Trunks
29.12.2008, 22:24
Wie heissen denn die Berufe im Ausland? Weiss da jemand mehr?

Frag mich deshalb, weil die meisten anderen westlichen Länder uns ja sowieso um Jahre voraus sind (Skandinavien und Schweiz vor allem.), dann müßten sie uns ja beim Namen auch was vormachen. *g*

Knülpf
29.12.2008, 23:34
@ rebell, sei doch nicht gleich so enttäuscht wenn mal Einwände kommen. "in den eigenen Reihen Gegner" zu sehen hört sich an als seist Du auf einer heiligen Mission. Meine Vorschläge hast Du nicht kommentiert, meine Nachfrage bezüglich des Alters der Klienten nicht beantwortet. Kommt da noch was?

Gegen Änderungen habe ich grundsätzlich nichts, wenn sie sinnvoll und gut überlegt sind. Wenn die Altenpflege nicht mehr nur die Alten pflegt, sondern auch viele Jüngere, oder nicht nur pflegt sondern auch vieles andere tut, dann sollte sie sich umbenennen. Reine Euphemismen lehne ich allerdings ab, sie sorgen eine Weile vielleicht für mehr Aufmerksamkeit, aber sobald "die Gesellschaft" sie versteht nutzen sie sich ab und machen sich vielleicht sogar lächerlich.

@ Trunks, wikipedia bietet zur Altenpflege auch den englischen Artikel Elderly care (http://en.wikipedia.org/wiki/Elderly_care) und auf schwedisch Äldreomsorg (http://sv.wikipedia.org/wiki/%C3%84ldreomsorg). Bedeutet Pflege/Fürsorge für Alte, da passt das deutsche "Altenpflege" gut dazu.

Rasputin
30.12.2008, 07:44
Huhu Knülpf,

das heisst jetzt aber nicht mehr Raumpflegerin, sondern Fachkraft für Raumpflege oder Grund-und Flächen Reinigungsagentin( habe ich neulich erfahren)

fmh
30.12.2008, 09:12
Hallo Rebell,


[...]Als ich sagte dass ich Altenpfleger/In bin antworteten die Leute dass sie den Alten nicht den Hintern abputzen könnten.
Damit war das Gespräch beendet.
Bei der Bezeichnung Seniorenpfleger/In fragten einige doch, was ist das?
Ich konnte über die Vielseitigkeit unseres Berufes erzählen und bekam schon mal Aufmerksamkeit.[...]


meinst Du denn, dass die Meinung der Öffentlichkeit / Gesellschaft alleine durch eine Berufsbezeichnung bestimmt wird? Ich habe noch nie erlebt, dass ein Gespräch beendet wurde nachdem ich meinen Beruf genannt habe bzw. nachdem mir gesagt wurde, dass der andere niemals alten Menschen den Hintern putzen könnte. Meine Standardantwort darauf: "Ich auch nicht, ist ja zum Glück auch nicht mein Job."

Die Aussage macht neugierig - ausser der andere Mensch hat kein Interesse an mir, dann hat er aber auch keines an irgendeinem meiner anderen Berufe - und führt zu weiteren Gesprächen. Andererseits muss ich auch zugeben, dass ich die o.g. Antwort bisher nur sehr selten benötigt habe!


Ich finde die Bezeichnung Raumpflegerin besser als Putzfrau.
Es wertet die Menschen auf die die Tätigkeit ausüben.[...]


Sorry, an dem Punkt stösst es mir doch etwas säuerlich auf... Eine Berufsbezeichnung soll den Menschen aufwerten?? Wenn das der Grund sein soll, dann brauche ich keine andere Berufsbezeichnung! Ich fühle mich nicht minderwertig und muss demnach auch nicht aufgewertet werden!

Achtung, jetzt schweif ich bestimmt gleich vom Thema ab... ;-) Der Wert eines Menschen wird für mich nicht von der Berufsbezeichnung bestimmt - abgesehen davon, dass jeder Mensch den selben Wert hat (die Frage ist ob er ihn selbst wahrnimmt!), wird der Wert höchstens durch das Tun des Menschen bestimmt. Nur weil ich seit neuestem einem "Facility Mangager" gegenüber stehe und nicht mehr dem "Hausmeister", habe ich nicht mehr oder weniger Respekt vor dem Menschen. Ich mag den Kerl nicht, daran ändert sein Titel nichts. Unsere Putzfrau ist für mich auch weiterhin eine Putzfrau und keine Raumpflegerin - und ich glaube nicht, dass sie es jemals als "abwertend" aufgefasst hat, wenn ich sie Sonntags zum Frühstück abgeholt habe und sie wie jede andere Kollegin behandelt habe.

Auch wenn es jetzt vielleicht nicht so klingen mag, ich bin auch an Veränderungen in der Pflege interessiert. Wie aber schon gesagt wurde, kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Änderung der Berufsbezeichnung das Bild des Berufes in der Öffentlichkeit verändern würde. Dafür müsste sich vielleicht erstmal die Selbstwahrnehmung der Altenpflege ändern...

Herzliche Grüße und danke für dieses interessante Thema,

fmh

Martin_83
30.12.2008, 12:52
Bei uns auf Arbeit steht auch nicht "Altenpfleger" drauf oder "Pflegehilfskraft", sondern examinierte Pflegekraft, oder nur Pflegekraft, und so reicht das eigentlich auch, warum soll ich mich hinter einem hochtrabenen Titel verstecken, indirekt zählt die "Leistung" die man erbringt, da hilft einem der Titel sehr sehr wenig, höchstens dem Ego tuts gut.
Oder soll ich mich demnächst Manager for the old People nennen oder Geriatic Male Nurse, klingt doch gleich nach ober wichtig. :-)

Der Rebell 2010
30.12.2008, 14:21
Danke für Eure Teilnahme an dieser Diskussion egal welche Meinung ihr habt.
Nur mal ne Zwischenfrage.
Als Generation der Mitte gestalten wir ja auch unsere Zukunft.
Wir sind eventuell die Bewohner der Zukunft.
Angenommen ihr wärd jetzt im Rentenalter.
Ihr hättet keine berufliche Anerkennung mehr, da Ruhestand.
Was wäre Euch lieber, wenn man euch als "Alte " bezeichnet.
Oder wäre euch Senior lieber?
Hallo Knülpf, werde dir natürlich auch noch antworten

fmh
30.12.2008, 14:45
Ich verstehe zwar den Zusammenhang zwischen "fehlender beruflicher Anerkennung" und "Alte" / "Senior" nicht, aber muss ich ja vielleicht auch nicht.

Hattest Du denn schon mal einen Bewohner, der sich über Deine Berufsbezeichnung "aufgeregt" hat? Meinen Bewohnern / Patienten war und ist das bisher immer vollkommen egal, da sie in mir einen Menschen sehen - genauso wie ich in ihnen. Ich spreche auch nicht von "den Alten" die ich versorge sondern von Menschen, Bewohnern, Patienten, Herrn X oder Frau Y.

Das wäre wieder der bereits angesprochene Punkt: Habe ich es nötig meine Tätigkeit durch irgendwelche Namensänderungen künstlich "aufzuwerten" oder reicht es vielleicht, seinen Mitmenschen einfach "nur" mit dem entsprechenden Respekt und der verdienten Wertschätzung entgegenzutreten? Dann spielt meine Berufsbezeichnung - ebenso wie die dadurch evtl. indirekt unterstellte Bezeichnung "Alte" - keine Rolle mehr.

Und nur durch eine Änderung der Berufsbezeichnung wird meiner Ansicht nach weder das Ansehen des Berufes verändert, noch die Pflegequalität verbessert. Da müsste man schon an ganz anderen Punkten ansetzen - und wenn das erledigt wäre, könnten wir uns auch "examinierte Hinterputzer" nennen und würden immer noch gute Arbeit abliefern ;-)

Viele Grüße
fmh

Der Rebell 2010
30.12.2008, 16:10
Hallo fmh,
Senior bedeutet nicht "Alter" sondern wie Knülpf schon geschrieben hat ist das lat. für älter/ der Ältere.
So gesehen bin ich ein senior Altenpfleger.
Die Ausbildung zum Altenpfleger gibt es soweit mir bekannt ist nur in Deutschland und ist Europaweit deshalb auch nicht anerkannt.
Anders Gesundheits,-und Krankenpfleger und das ist die Voraussetzung für viele Pflegeberufe in anderen Ländern
Elderly bedeutet auch älter und Schwedisch kann ich leider nicht.
Ich bin gerne examinierter Hinternputzer und auch stolz darauf.
Gerade bei Bewohnern im Wachkoma gehört das zu meinen Aufgaben.
Allerdings hab ich keine Putzfrau die ich am Sonntag zu Frühstück abholen kann.
Ich hasse putzen und habe großen Respekt vor Menschen die diese Arbeit überhaupt machen.
Provozieren damit Menschen reagieren, das ist mein Ziel.
Meine Kunden einstmals Bewohner haben mich nie nach meiner Berufsbezeichnung gefragt sondern nur nach meinem Namen.
Ich bin kein Alter, aber gerne übernehme ich die Rolle des Älteren.

fmh
30.12.2008, 19:48
Hallo Rebell,

wenn es Dein Ziel ist Menschen zu provozieren, um eine Reaktion bei ihnen auszulösen und sie zum Nachdenken zu bewegen, dann bin ich auch sofort für eine Umbenennung des Berufs. Dann aber wirklich zu "examinierter Hinternputzer" und keine andere Bezeichnung die zu einer Pseudo-Aufwertung führen soll.

Die Ausbildung zum Altenpfleger gibt es tatsächlich nur in Deutschland - ein Umstand auf den wir ggf. auch stolz sein sollten!?

Und die Putzfrau... Tja, die hab ich "leider" auch nur in der Arbeit. Hier bin ich eben der Putzmann, macht aber auch nichts - auch wenn ich Deinen Hass durchaus teilen kann ;-) Allerdings hält sich der Respekt, den ich einem Menschen nur aufgrund seiner Tätigkeit entgegenbringe, eher in Grenzen... Ein Arzt verdient sich meiner Ansicht nach nicht automatisch mehr oder weniger Respekt als ein Landschaftsgärtner oder die von mir vielbemühte Putzfrau - und umgekehrt genauso. Den Respekt verdient sich der Mensch ansich, durch seine Taten und Leistungen - nicht sein Berufsstand, sein Kontostand oder sein Alter. Aber das ist nur meine persönliche Meinung und hat mir der ganzen Diskussion eigentlich schon gar nichts mehr zu tun... Sorry fürs off-topic.

Herzliche Grüße,
fmh

Knülpf
30.12.2008, 23:54
ISt denn "älter" besser als "alt"? Bin ich mit 30 dann noch eine "junior"? Eher nicht :( oder muss ich froh sein, weil "junior" despektierlich wäre? Darf ich mich überhaupt noch "Frau" nennen oder wäre "Person mit XX-Chromosomen" nicht sehr viel respektvoller?

So ein Humbug, es ist in ORdnung alt oder jung oder mittendrin zu sein. Es ist auch keine Schande, krank oder behindert zu sein, es ist einfach so.

Mich interessiert immer noch ob Dein Kreuzzug, rebell 2010, damit begründet ist dass Du auch nicht-alte Klienten hast oder Deine Tätigkeit nicht Pflege nennen möchtest.

Der Rebell 2010
31.12.2008, 10:28
Hallo ihr Lieben wäre wirklich toll wenn jeder so denken würde wie Knülpf und fmh.
Aber ist es wirklich so??????
Ich hab vor ca. 15 Jahren meine Ausbildung zum Altenpfleger gemacht.
Und was hat sich seitdem positiv verändert??? Nichts!!!!
Immer weniger Pflegekräfte müssen immer mehr Arbeit bewältigen und die Bürokratie nimmt kein Ende.
Ich bin seitdem fortlaufend in der Pflege tätig.
Mein jüngster Bewohner war 45 Jahre,
Wachkoma auf deutsch durch " Unterzuckerung "
Ich bin fast so alt wie der.
Mit 45 zum Sterben ins Altenheim.
Hinzu kommt dass meine Lebensgefährtin die selbe Erkrankung hat, und ich weiss nicht ob ich immer für sie da sein kann.
Wenn alles so gut läuft, warum höre ich in der täglichen Praxis die Aussage einer ex. Pflegekraft:" lass doch die Alte", oder:" der Alte spinnt mal wieder.
Dies sind Tatsachen. Sobald die Heimleitung auftaucht, liebe Knülpf leistet diese PFK hervorragende Arbeit.
Warum gibt es ex. Pflegekräfte die sagen: " die Helfer müssen das machen, wir sind schließlich die Fachkräfte und deren unmittelbare Vorgesetzte:"
Wieviele "Helfer" oder Pflegeassistenten haben sich bei mir schon wegen dieser Äußerung beschwert.
Warum nennt sich unser zukünftiges Klientel Seniorenverbände und nicht Altenverbände.
Ich denke wie ihr, frag mich aber warum funktioniert das nicht.

fmh
31.12.2008, 10:43
Hallo Rebell,

ich denke diese Pflegekräfte kennen - leider - die meisten von uns. Und auch das Verhalten dieser Kollegen wird vielleicht jeder schon einmal in der einen oder anderen Form erlebt haben.

Und genau da sind wir an dem Punkt angekommen den ich bereits angesprochen habe: Eine Änderung der Berufsbezeichnung bringt nichts, wenn dieses Verhalten weiterhin akzeptiert wird! Nur weil der Kollege dann vielleicht ein Seniorenbetreuer ist, wird sein Verhalten nicht weniger verachtenswert.

Die Frage die sich mir stellt ist: Hat jemand den Arsch in der Hose ihm das auch zu sagen? Oder kommt er weiterhin mit diesem Verhalten durch? Natürlich, schwarze Schafe gibt es überall. Nur wenn man diese akzeptiert und sich weiter vermehren lässt, ist irgendwann die ganze Herde eingefärbt... Und diese Entschlossenheit und die Erkenntnis, dass man selbst etwas verändern kann und muss, die sollte sich endlich mal breit machen - auch bei den examinierten Hinternputzern ;-)

Hierzu bekomme ich immer wieder zu hören: Es wird sich aber niemals was ändern, haben wir doch alles schon probiert! Da ist dann regelmässig der nächste Kotzanfall fällig (sorry für die Ausdrucksweise). Jeder hat die Möglichkeit etwas zu verändern - man muss ja nicht immer in den ganz großen Dimensionen denken. Vielleicht ist das auch mit ein Grund, warum mir eine Änderung der Berufsbezeichnung so widerstrebt. Wenn nur mal genug Leute im kleinen Rahmen anfangen würden "gegen die Windmühlen zu kämpfen", dann würde sich auch schon für viele Menschen etwas ändern...

Und weils so schön ist, zu dem Thema gleich noch ein kleines off-topic:

Der alte Mann und die Seesterne

Im sonnigen Kalifornien lebte ein alter, weiser Mann, welcher jeden Morgen zum Sonnenaufgang am Strand spazieren ging. Man sah, wie er sich fortwährend hinunter beugte, etwas aufhob und ins zurückweichende Meer warf.

Dieses beobachtete eines Tages ein junger Mann aus weiter Ferne, der auch schon früh auf den Beinen war. Als dieser sich noch mehr näherte, sah er, dass der alte Mann Seesterne aufhob, die an den Strand gespült worden waren, und – einen nach dem anderen – warf er sie ins Meer zurück. Der junge Mann war verblüfft. Er näherte sich dem alten Mann und sagte: “Guten Morgen, alter Mann. Ich habe mich gefragt, was sie da tun.“„Ich werfe diese Seesterne zurück ins Meer. Sehen sie, es wird gerade Ebbe und all diese Seesterne sind ans Ufer gespült worden. Wenn ich sie nicht ins Meer zurück werfe, wird die heiße Sonne sie austrocknen und sie werden sterben.“„Ich verstehe“, erwiderte der junge Mann. „Aber es muss an diesem Strand tausende von Seesternen geben. Sie können unmöglich alle zurück ins Meer werfen. Es gibt einfach zu viele. Sehen sie nicht, dass sie unmöglich etwas ändern können?“

Der alte Mann lächelte, beugte sich wieder hinunter und hob einen weiteren Seestern auf. Auch diesen warf er zurück ins Meer. Dann sah er den jungen Mann an und erwiderte: “Für diesen einen macht es einen Unterschied.“

(Quelle: Jack Canfield u. Mark V. Hansen)


Jetzt bin ich aber erstmal raus aus der Nummer und wünsche einen guten Rutsch ist revolutionäre Jahr 2009 ;-)

Der Rebell 2010
31.12.2008, 10:59
Hallo fmh
Du bist Dozent und soweit ich deinem Profil entnommmen habe,
auch an Schulen tätig.
Ich bin nur ein "kleiner Altenpfleger."
Vielleicht geht es mir nicht um eine Veränderung der Berufsbezeichnung.
Mein Anliegen hat dich errreicht und du bist in der Position etwas weiter zu tragen.
Dies sind die kleinen Veränderungen die vielleicht viel bewegen können.
Etwas ins Gespräch bringen damit Leute nachdenken.
Wären wir uns persönlich begegnet hättest du dich vielleicht nie mit mir unterhalten weil ich nur der Facility Manger bin den du nicht leiden kannst.
Ich wünsche dir einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein erfolgreiches
Berufsjahr 2009.

fmh
31.12.2008, 13:20
Mist, jetzt bin ich doch schon wieder da ;-)

"Nur" kleine Altenpfleger gibt es nicht... Wie bereits geschrieben hat nach meiner Auffassung jeder die Möglichkeit etwas zu verändern! Eben jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten - und auf die Summe dieser kleinen Veränderungen kommt es an.

Und ich hätte mich bestimmt auch im richtigen Leben mit Dir unterhalten ;-) Einerseits kann ich mir nicht vorstellen, dass Du mir mit Deiner Denk- und Sichtweise unsympathisch gewesen wärst, andererseits trete ich Menschen normalerweise erstmal neutral gegenüber und "beschliesse" erst nach einigen Gesprächen, ob ich sie leiden kann oder nicht. Mein Gegenüber muss mir also schon erstmal ein paar Gründe geben, ihn "nicht mehr leiden zu können" ;-)

Trotzdem ist es natürlich auch so, dass es Menschen gibt die mir auf Anhieb unsympathisch sind (beruht oft genug sicherlich auch auf Gegenseitigkeit - und das ist auch gut so), was dann mit ihrer Art / ihrem Charakter zusammenhängt. Auch wenn mir bewusst ist, dass ich damit meinen Vorurteilen erliege, finde ich es doch notwendig auch mal entscheiden zu können, dass man nicht jeden Menschen mögen muss. Und das passiert nunmal unabhängig davon, ob ich jemanden im "richtigen Leben" oder im Internet "kennenlerne" (ich muss aufpassen, dass ich nicht abschweife... Aber, wann "kennt" man einen Menschen denn überhaupt?!).

So, jetzt bin ich aber endgültig und komplett vom Thema weg. Das soll es dann für 2008 aber auch wirklich gewesen sein :-)

Herzliche Grüße
fmh

Knülpf
01.01.2009, 04:02
Ja, das war es für 2008. Ein gutes neues JAhr Euch allen!

Seesterne zurückwerfen darf jeder gerne wo und wann er will, aber das ist eine skurrile Liebhaberei - auch im übertragenen Sinn. Unser Beruf soll aber kein beliebiges Hobby sein, das zufällig bezahlt wird. Deshalb reite ich so gern auf Prinzipien herum und bestehe darauf, die Verwirklichung von Grundrechten geregelt und finanziert zu sehen.